Tim Stracke, Mitgründer Chrono24 – Mehr Vertrauen in Patek Philippe als in Notenbanken
Inhalt der Episode
Tim Stracke hat Chrono24 mit zwei Partnern gekauft, als die Seite noch ein Nebenprojekt war, und daraus den größten Marktplatz für Luxusuhren der Welt gemacht. Investiert sind unter anderem General Atlantic, das Family Office der LVMH-Familie Arnault und Cristiano Ronaldo. Patek Philippe und Rolex vertraut Tim mehr als vielen Notenbanken, weil sie Verknappung ernst nehmen.
Für den Kauf zahlte Tim ein Vielfaches seiner eigenen Schätzung. In späteren Finanzierungsrunden verschickte Chrono24 die Term Sheets selbst und gab die Bewertung vor, auch in der Runde über mehr als 100 Millionen Euro. Dazu: zwei Kündigungswellen, obwohl Chrono24 profitabel war, und warum eine einzige Welle die bessere Entscheidung gewesen wäre.
Dann wird es nerdig, denn Tim und Iskender sind beide Uhrensammler. Tim erklärt, warum er glaubt, dass ein echter Kenner mit Uhren leichter den Markt schlägt als an der Börse. Er verrät, welche Marken Sammler laut Chrono24-Daten zuerst kaufen und welche zuletzt. Im Uhren-Shootout entscheidet er sich immer zwischen zwei Modellen, bis in jeder von drei Preisklassen ein Sieger übrig bleibt. Außerdem: welche Uhr Tim auf Chrono24 kaufte, bevor ihm Chrono24 gehörte.
💰 Iskender ist CEO-Advisor für Fundraising, Exit und Executive Branding.
Mehr unter id.vc.
DEALMACHER entsteht in Partnerschaft mit PXR – der Kanzlei hinter vielen der größten Tech Deals in DACH. Intro zum Gründer Peter Möllmann über Iskender.
Dieser Podcast wird produziert von TLDR Studios.
Über den DEALMACHER Podcast
Der Podcast über den Fluss von Kapital – wer es bekommt, bewegt und vermehrt.
CEO-Advisor und Venture-Capital-Investor Iskender Dirik trifft die Menschen hinter den großen Deals im deutschsprachigen Raum – die Dealmacher.
Zu Gast sind Investoren aus Venture Capital und Private Equity, Gründer, CEOs und Aufsichtsräte – und die Berater an ihrer Seite. Alle saßen am Tisch, als es um viel Kapital ging.
Es geht um Fundraising, M&A, Exits und die Strukturierung komplexer Transaktionen. Und um das, was vor der Pressemitteilung passiert.
Für alle, die selbst Deals machen und wissen wollen, wie andere Dealmacher entscheiden.
Transkript der Episode
Iskender Dirik: Ich bin Iskender Dirik, CEO-Berater und Investor. DEALMACHER ist für Gründer, Investoren und Entscheider, die verstehen wollen, wie die großen Deals wirklich funktionieren – Fundraising, M&A, Private Equity und die Menschen dahinter. Tim, du hast gesagt, ich habe mehr Vertrauen in eine Patek Philippe als in die meisten Währungen dieser Welt. Warum?
Tim Stracke: Ich glaube, die Aussage war in die Unternehmen, die die Uhren rausbringen, also namentlich Patek Philippe, Rolex. weil die das Thema Verknappung wirklich ernst meinen. Und meines Erachtens nach sind die vertrauenswürdiger als viele Präsidenten von Währungen, die dann doch, wenn es mir notwendig ist, schneller zur Druckerpresse greifen als die Uhrenhersteller. Bei denen ist natürlich auch... logistisch ein bisschen schwieriger, weil man einfach nicht so schnell eine gute Uhrmache bekommt. Das ist einfach nach wie vor eine sehr knappe Größe.
Iskender Dirik: Über Verknappung als Unternehmensstrategie möchte ich heute auch mit dir sprechen. Aber erst einmal ein paar Worte zu dir von mir, Tim. Tim Stracke ist unser DEALMACHER heute. Mitgründer und Gesellschafter von Chrono24, dem größten Marktplatz für Luxusuhren der Welt. Die Seite gab es seit 2013 schon. Tim hat sie 2010 mit zwei Partnern gekauft und daraus ein Unternehmen gebaut, das 2021 mit einer Milliarde bewertet wurde. Investiert sind unter anderem General Atlantic, der Investmentarm der Familie Arnault und Cristiano Ronaldo. Davor hatte Tim schon einmal gegründet und verkauft, heute sitzt er im Beirat und investiert als Business Angel vor allem auch in Marktplätze. Wir reden heute über Dealmaking und ich werde es mir nicht nehmen lassen, heute auch ganz viel im zweiten Teil über Uhren mit dir zu sprechen. Tim, schön, dass du da bist.
Tim Stracke: Vielen Dank für die Einladung.
Iskender Dirik: Eingebrockt hat uns das Ganze hier unser Freund Matthias Schranner, der dich nämlich nominiert hat und du hast mir eben erzählt, Als die Mail von mir kam, hattest du gerade die Folge mit Matthias gehört, ja?
Tim Stracke: Ja, sehr lustig und fand die auch klasse. Ich kenne Matthias schon lange und bin auch ein großer Fan von ihm und glaube auch, dass viele Gründer und Unternehmer die Relevanz von Verhandlungen oft unterschätzen.
Iskender Dirik: Dem stimme ich zu und deswegen will ich auch nochmal eine Folge zu dem Thema machen, mindestens eine. Tim, du hast uns heute was mitgebracht und heute machen wir es mal ein bisschen anders. Du hast uns einen persönlichen Gegenstand mitgebracht, das ist ja unser Ritual hier. Heute machen wir es mal anders, nämlich du zeigst es nicht in die Kamera, weil du hast heute mitgebracht die erste Uhr, die du auf Chrono24 gekauft hast. Ich habe sie auch noch nicht gesehen, deswegen bin ich auch sehr gespannt. Wir lüften das Geheimnis später und ich habe auch mitgebracht, ohne Absprache und abgesprochen habe ich auch mitgebracht die erste Uhr, die ich bei Chrono24 gekauft habe. Auch das Geheimnis werden wir später lüften. Lass uns mal einsteigen. Ich habe eben schon gesagt, Chrono24 war nicht dein erstes Business. Du hast davor zweimal gegründet, 1999, den Marktplatz für Geschenke, nämlich, wie hieß der?
Tim Stracke: You Smile.
Iskender Dirik: YouSmile und danach die E-Commerce-Technologie Mentasys, die du 2006 an Lycos verkauft hast, eine Bertelsmann-Tochter. Was hast du aus den beiden Verkäufen, den beiden Reisen mitgenommen an Erfahrung, das du für Chrono24 nutzen konntest?
Tim Stracke: Da könnten wir jetzt wahrscheinlich viele, viele Stunden drüber reden, aber ich nehme einfach mal so ein paar Themen raus. Also das, was ich bei YouSmile, das war die erste Gründung, da war ich mit meinem Studium noch gar nicht ganz fertig, insbesondere gelernt habe, ist, wie wichtig ist es, ein gutes Gründerteam zu haben. Und ich würde sagen, dass wir bei YouSmile am Ende ein relativ großes Team hatten. Mit dem erweiterten Gründerteam, das waren fünf Vorstände. Das waren alles richtig gute Typen. Die waren alle richtig gut. Ich würde trotzdem rückblickend sagen, dass wir kein gutes Team waren, weil wir wahrscheinlich zu groß waren, weil wir uns an vielen Stellen nicht ergänzt haben, sondern viele Kompetenzen einfach mehrfach. im Team hatten, dafür andere aber gefehlt haben. Also das war erstmal so ein Thema, was ich gelernt habe, wie wichtig es ist, das richtige Team zu haben. Und das hat gerade bei Chrono24 sehr, sehr, sehr gut gepasst. Ich war nicht zu klein, ich war nicht alleine, ich war nicht zu groß. Zwei Gründer mit einem technischen Mitgründer, der auch im Prinzip vor Gründung schon mit dazugekommen ist, also sozusagen drei Gründer mit komplett unterschiedlichen Skills und einem sehr hohen Vertrauenslevel untereinander, sodass wir kaum Termine zu dritt gemacht haben oder auch zu zweit gemacht haben. Selbst sehr große, relevante Termine, wie beispielsweise die erste große Finanzierungsrunde mit Insight Partners. habe ich im Wesentlichen alleine gemacht. Auf der anderen Seite hatte Dirk, der sich stärker auf das Operative fokussiert hat, da auch sehr viele Team-Meetings, Einstellungen alleine gemacht, weil ich ihm da einfach zu 100% vertraut habe. Und da hat man natürlich eine enorme Effizienz. Und das war beim ersten Unternehmen genau andersrum. Da wurden wir irgendwann von unseren Investoren auch der Karlsruher Debattierclub genannt. Und sie hatten wahrscheinlich gar nicht ganz umrecht. Zweites Thema war, jetzt mal rauspicken, wie wichtig es ist, sich zu fokussieren. Ich bin halt Von Haus aus schon auch genetisch vorbedingt durch meine Eltern und Großeltern sehr unternehmerisch geprägt. Und als Unternehmer will man ja Dinge unternehmen. Und man will nicht Dinge nicht unternehmen. Und insofern haben wir da bei diesem Marktplatz auch einfach sehr viele Dinge gleichzeitig gemacht, die am Ende aber alle nicht so richtig erfolgreich waren. Und eine andere Sache, die mir dann einfach sehr bewusst geworden ist, Gerade in der Welt des Internets, wo der Wettbewerb einfach extrem nah dran ist, im Zweifelsfall nur ein Klick und wenige Sekunden entfernt, wie wichtig es ist, dass man in dem, was man tut, top ist und dann dementsprechend auch alles andere, was ablenkend sein lässt, also extrem fokussiert sein. Wir haben damals wahrscheinlich auch vermutet, bei YouSmile, Marker zu Geschenke, dass wir fokussiert waren, waren aber nicht fokussiert. Und das haben wir bei Chrono24 dann auch über viele Jahre sehr gut umgesetzt. Und Rückblick muss ich auch sagen, da, wo mal Themen schiefgegangen sind, waren es häufig Themen, wo wir uns zu früh defokussiert haben. Also dieses Thema, laserscharf sich zu fokussieren, auch das ist etwas, was ich da mitgenommen habe, wie wichtig das ist. Und vielleicht eine dritte Sache, und man könnte die Liste noch lang machen, wie wichtig es ist, dass man ein Thema hat, was einem auch richtig Spaß macht. Weil wenn man ein Unternehmen erfolgreich machen will, das dauert lange. Also bei Chrono24, das habe ich am Ende über 15 Jahre geleitet. von Gründung bis zum operativen Ausstieg, ich bin jetzt immer noch dabei und auch nah dran, aber eben nicht mehr von morgens früh bis abends spät, dass man wirklich ein Thema hat, was einem so viel Freude bereitet und Inspiration bietet, dass man auch bereit ist, das sehr, sehr, sehr lange zu tun. Und ich habe damals, kurz vor der Gründung von Chrono24 auch gesagt, mein nächstes Venture, was ich mache, die ersten beiden waren wirtschaftlich beide. Dann abschrieb das erste und das zweite Vorhaben, das war wirtschaftlich am Ende auch nicht so erfolgreich. Das war so eher car-changing und nicht life-changing vom ökonomischen Outcome her. Und da habe ich mir dann auch gesagt, okay, beim nächsten Mal will ich etwas machen, was mir 15 Jahre lang Spaß macht, ohne dass es wirtschaftlich super erfolgreich wird. Und genau das ist am Ende dann auch wirtschaftlich erfolgreich geworden, was schon aber vielleicht auch, naja, vorhersehbar, wenn man was macht, was einen wirklich auch begeistert, das uns auch lange durchhalten kann.
Iskender Dirik: Das andere Extrem ist aber auch gefährlich, oder? Also es gibt ja schon auch viele Gründer, die machen etwas nur, weil es ihnen Spaß macht, ohne dass es einen Markt dafür gibt.
Tim Stracke: Ja, gewisse Dinge müssen natürlich auch erfüllt sein. Es sollte ein Markt sein, es sollte auch, der Markt sollte eine gewisse Größe haben, idealerweise auch eine gewisse Innovationskraft, idealerweise wachsend. Das ist schon alles richtig. Aber meine... Meine Wahrnehmung ist schon, dass wenn einem etwas Spaß macht, dass dann die Wahrscheinlichkeit auch groß ist, dass man darin sehr gut ist. Und wenn man sehr gut ist, ist man in der Regel auch tendenziell deutlich erfolgreicher. Und klar kann der Markt klein sein, aber man kann auch einen kleinen Markt für erfolgreiche Unternehmen aufbauen. Man muss sich das nur der Tatsache bewusst sein und dann vielleicht kein Venture Capital oder weniger Venture Capital aufbauen. Es gibt viele winzige Unternehmen, die teilweise von Einzelpersonen geleitet werden, die ja sehr erfolgreich sind. Aber dann muss man sich eben vielleicht auch auf einen geografisch kleinen Markt fokussieren. Aber der Markt muss zu den Vorhaben passen, da hast du vollkommen recht.
Iskender Dirik: Das heißt aber auch, du hattest eine, was wir dem entnehmen, du hattest auch eine Passion für Uhren vor Chrono24. Das war schon ein Grund, warum du das gemacht hast.
Tim Stracke: Absolut. Ich muss aber auch dazu sagen, ich hatte eine, glaube ich, ähnlich große Leidenschaft für Marktplätze. Also Marktplätze haben mich schon immer fasziniert. Und ich glaube schon in der Zeit, ich bin ja noch... In einer Zeit aufgewachsen, wo es noch kein Internet gab und wo die Internet-Marktplätze eben nicht gang und gäbe waren. Aber selbst da hat es mich schon genervt, dass es sie nicht gab, ohne zu wissen, dass sie bald kommen werden. Weil mich hat bei Kaufentscheidungen immer frustriert, wenn ich dieses Gefühl hatte, keine wirkliche Transparenz. über die Optionen, über den Markt zu haben. Und wenn man sich mal überlegt, wie ein Einkauf heute einer Immobilie oder eines Gebrauchtwagens oder einer Reise wäre ohne Marktplatz, das ist heute ja vollkommen undenkbar, aber so war es ja früher. Und das fand ich schon immer schwierig.
Iskender Dirik: Passion macht besonders viel Spaß unternehmerisch, wenn sie eben mit auch Bedarf am Markt zusammenkommt. Und du hast, finde ich, was ganz Spannendes gemacht, um zu schauen, ob es Bedarf gibt für ein Chrono24. Du bist nämlich auf Ebay gegangen, ich glaube, wann war das? 2008, 2009. Und hast da die Verkäufe der letzten 90 Tage jeweils im Uhrensegment. Und bist da, glaube ich, auf eine Zahl von 100 Millionen oder so gekommen.
Tim Stracke: Genau. Also ich habe erst mal auch vorher sehr viel Zeit auf Ebay verbracht, weil für mich war zu dem Zeitpunkt Ebay die einzige Option, um zu kaufen und zu verkaufen. Ich habe das gar nicht wirklich in Erwägung gezogen, dass es ja noch etwas anderes geben könnte. Ich habe damals schon immer gedacht, Das kann nicht die letzte Antwort auf den Kauf und Verkauf von Luxusholen im Internet sein.
Iskender Dirik: War das für Investoren, sorry, kleine Nebenfrage, war das für viele Investoren damals schwer greifbar, dass es ja auch Sinn macht, vielleicht in bestimmten Bereichen vertikal reinzugehen und nicht die eBay die Antwort auf alles ist?
Tim Stracke: Das war damals schon... Eine sehr breite Meinung, dass es sehr viele vertikale Marktplätze geben wird. Und es war schon die Meinung auch unter Investoren, dass eBay zu dem Zeitpunkt die besten Zeiten hinter sich hatte. Da muss man aber auch fairerweise sagen, dass es so ja auch nicht eingetreten ist. Also eBay hat ja auch danach... sich vielleicht nicht so entwickelt wie Amazon, was zum Teil auch damals die Hoffnung des eBay-Managements war. Aber es ist ja nicht so, dass sie alle Kategorien verloren haben, sondern auch das hat weiterhin funktioniert. Ich glaube, wenn man heute in die Innenstädte geht, ähm, dann ist es da schon so, dass der Trend sehr stark zu Spezialisten geht. Also die großen Warenhausketten, die vor 30, 40 Jahren ein enormes Wachstum gezeigt haben und große Erfolge, die gehen ja nach und nach unter, gerade in den letzten Tagen wieder mit der Insolvenz oder der dritten oder vierten Insolvenz von Galeria Kaufhof, sieht man, dass sich da die Spezialisten durchsetzen und dass wir eben auch eine klare Überzeugung durchhatte. dass bei Luxusuhren ein Spezialist sich da auch durchsetzen sollte. Und man hat bei eBay einfach damals gespürt, dass es niemanden bei eBay gab, der morgens in das Unternehmen gegangen ist und sich für die Kategorie Uhren begeistert hat und abends auch mit dieser Begeisterung aus dem Unternehmen wieder rausgegangen ist. Das hat man einfach gespürt, da war wenig. Interesse und Liebe in dieser Kategorie. Das ist heute anders. Also eBay hat da, glaube ich, auch große Fortschritte gemacht, hat an vielen Stellen auch uns inspiriert. Aber über viele Jahre war eBay ein Wettbewerber, der den Händlern einfach immer nur mehr Geld aus der Tasche gezogen hat, ohne wirklich produktseitig viel dafür zu tun. Also beispielsweise eine Sache, die über viele, viele Jahre noch aufrechterhalten wurde. dass man bei dem Filter für Uhren bei Ebay dann auch filtern könnte mit oder ohne Etikett. Und gemeint war mit oder ohne Papieren, was bei Uhren ja ein relativ maßgeblicher Wertanteil ist oder Werttreiber ist, ob ich die Uhr mit oder ohne Papieren kaufe. Und die haben das halt Etikett genannt. Und dann merkt man es ja schon so, hier denkt niemand richtig drüber nach.
Iskender Dirik: Versteht die Zielgruppe damit auch nicht so richtig in der Tiefe und das Suchverhalten der Zielgruppe. Okay, jetzt hast du also, du hattest eine Passion für Uhren, du hattest eine Passion für Marktplätze und du hast ein bisschen Research gemacht und herausgefunden, da ist ein Markt. Dann gab es ja die Frage, kaufen oder selbst machen, auf etwas Bestehendem aufbauen oder nicht. Und wenn ich das richtig recherchiert habe, wolltest du die damals schon bestehende Seite Chrono24 anfangs nicht übernehmen. Hattest du da Bedenken?
Tim Stracke: Ja, also das war damals genau die Frage. Wollen wir kaufen oder selbst gründen? Und ich hatte schon immer die Idee, dass man oft durch Käufe viel Zeit sparen kann. Und habe das auch in verschiedenen Geschäftsmodellen, die wir damals durchdiskutiert haben, immer in Erwägung gezogen. Und finde das auch auf jeden Fall einen sehr spannenden Weg. Und als ich dann Chrono24 gesehen habe... Und da hatten wir die Idee, dass wir in dieses Segment reingehen wollen, die stand da schon, war vielleicht noch nicht final final, aber ich hatte mir so verschiedene Kategorien angeschaut. Ich hatte mir noch Autoersatzteile angeschaut, Handtaschen angeschaut und habe dann überall die Marktgrößen abgeschätzt, die Wettbewerbsanalysen gemacht und in dem Zuge auch erst Chrono24 gesehen. Ich fand den Namen furchtbar, ich fand die Plattform furchtbar. Aber ich habe damals in Frankfurt gelebt und es war eine 30-minütige Autofahrt, um mal mit den Gründern zu sprechen. Und das habe ich dann gemacht. Und das Problem war, dass einer dieser beiden Gründer die ganze operative Arbeit gemacht hat und der andere, der den Vertrieb gemacht hat, der war in seinem Hauptberuf M&A-Berater. Und das war eine sehr frustrierende Erfahrung, eine Company von einem MLA-Berater zu kaufen. Ich habe früher bei den beiden Unternehmen davor, war ja dieser Unternehmensverkauf immer so eines der großen Endziele, was wir jetzt bei Chrono24 auch zum Glück gar nicht mehr so gesehen haben. Und die paar Gespräche, die wir dann geführt haben, da habe ich immer die... Partei auf der anderen Seite des Tisches, die halt kaufen wollte, extrem beneidet, weil ich saß in so einer ausweglosen Situation, hatte eine Company, die nicht unbedingt loswerden wollte und auf der anderen Seite war jemand, der hatte zwar das Geld, aber der konnte ja und der konnte nein sagen und ich hatte jemanden sehr beneidet. Und dann saß ich bei Chrono24 plötzlich auf der anderen Seite des Tisches und wollte dieses Asset unbedingt haben. Aber die beiden Herren wollten da sehr viel Geld für haben. Und meines Erachtens nach auch viel, viel, viel zu viel Geld. Und dann war das eine nicht einfache Verhandlung. Die hat auch sehr, sehr lange gedauert. Und die hat sich auch kulturell ein bisschen verhakt. Sodass ich am Ende der Meinung war, wir kaufen sie nicht. Es ist zu teuer. Wir haben uns neun Monate verhandelt. Die wollen sich preislich nicht bewegen. Und am Ende hat mein Mitgründer aber da auch nochmal, da bin ich ihm auch sehr dankbar, sehr stark gepusht, dass wir das tun sollten. Unser technischer Mitgründer, der Michael, der hatte Großteil der Technologie schon nachentwickelt und vermutlich deutlich besser als das, was wir gekauft hätten. Ich fand den Namen extrem unpassend, den Preis viel zu hoch. Aber was wir schon gut fanden, war auf jeden Fall die Traktion, die auf der Plattform drauf war. Und was ich dann, und das hat mich am Ende dann auch überzeugt, was ich dann einfach mal modelliert habe, ich habe einfach mal die beiden Szenarien in Excel durchmodelliert. Wir kaufen, nehmen dieses Geld in die Hand, auch wenn es aus unserer Sicht viel zu viel war. Wir waren mitten in der Finanzkrise, da saß das Geld einfach auch nicht locker. Also die Gespräche haben wir 2009 geführt. Oder wir treten gegen Chrono24 an. Wir können uns einen viel cooleren Namen ausdenken. Aber wir haben auch einen Wettbewerber namens Chrono24. Und das haben wir dann mal durchmodelliert, was es bedeutet, einen Mitbewerber zu haben, auch was die Kosten sind, die man in die eigene Technologie noch hätte investieren müssen. Und nachdem wir dieses Excel-Line hatten, was ich dann erstellt habe, und auch die klare Meinung von meinem Co-Founder, ey komm, lass uns jetzt die Geschwindigkeit mitnehmen, den Deal unterschreiben, da war ich dann auch froh, dass wir das dann so gemacht haben. Aber nach dem Notartermin sind wir erstmal in eine Weihnachtskneipe gegangen und haben beide einen Schnaps trinken müssen und keinen teuren und guten.
Iskender Dirik: Kannst du sagen, für wie viel ihr gekauft habt?
Tim Stracke: Also wir haben gedacht, dass wir das für, nachdem wir uns von außen angeschaut haben, war meine Schätzung 200.000 bis 300.000. Da steckten so sechs Mann-Wochen Programmiererfahrung.
Iskender Dirik: War das nicht ein Nebenprojekt auch von denen?
Tim Stracke: Es war ein Nebenprojekt. Der eine hat so 20 Stunden pro Woche daran gearbeitet. Und der M&A-Berater gefühlt eine Stunde pro Woche. Der hat so ein bisschen den Vertrieb gemacht nebenher. Und es war substanziell mehr. Also wir reden über Faktoren mehr und siebenstellige Beträge. Ich weiß noch, als Dirk dann meinen Mitgründer den Überweisungsbeleg ausgefüllt hatte, rieber dann rüber, Dritten, soll ich hier auf Abschicken klicken? Damit Vertrag jetzt unterschrieben. Jetzt müssen wir es auch bezahlen. Aber so eine große Überweisung hätten wir beide in unserem Leben noch nicht gemacht.
Iskender Dirik: Habt ihr das selbst finanziert?
Tim Stracke: Ne, das haben wir nicht selbst finanziert. Es hätten uns zwar die Verkäufer, und das war wahrscheinlich auch ein Stück weit großzügig, ein Vendor-Loan-Angebot, wir hätten das sozusagen auch über die Verkäufer finanzieren können. Aber da hätten wir im Prinzip unser komplettes Privatvermögen als Sicherheit zur Verfügung stellen müssen. Das wäre rückblickend natürlich der richtige Weg gewesen. Aber zur damaligen Zeit, mitten in der Finanzkrise, hohe Unsicherheit, überall wo man hinschaute, weil das für uns dann keine Option ist. Wir haben es nicht ernsthaft in Erwägung gezogen und haben das dann mit einem externen Investor gemacht, was übrigens damals gar nicht so leicht war. weil die VC-Investoren das nicht als klassisches Venture-Capital-Geschäft gesehen haben, weil wir einen Kauf getätigt haben. Und die kleinen Buy-Out-Fonds, die das schon ganz gerne auch unterstützt hätten, hatten uns dann aber auch Terms angeboten, die halt Buy-Out-konform waren. Also sprich, das Management darf zwei, drei Jahresgehälter mit investieren. kriegt nochmal ein gewisses Upside, aber eben kein Venture-Capital-like-Deal, den wir halt wollten. Und insofern haben uns die Venture-Capitalisten immer zu den Buyout-Spezialisten geschickt und die Buyout-Spezialisten haben gesagt, da müsst ihr mit den Venture-Capitalisten reden. Und beide wollten nicht so richtig. Es war auch eine Phase, wo einfach generell nur sehr, sehr wenig investiert wurde. Und dann waren wir wirklich unheimlich glücklich, dass eine... Private Equity-Tochter der Sparkasse Pforzheim, den Niel da mit uns gemeinsam gemacht hat. Dem war das egal, ob das jetzt Buyout oder Venture Capital ist. Die fanden halt Uhren cool, kamen aus Pforzheim. Da hat uns einer unserer damaligen Investoren ein Intro gemacht. Und Pforzheim ist ja auch so die Schmuck- und Uhrenstadt Deutschlands, neben Glashütte. Das fanden die halt thematisch spannend. Wir haben uns auch persönlich ganz gut verstanden. Sparkasse Pforzheim war jetzt natürlich nicht der Investor, den ich mir nach meiner zehnjährigen unternehmerischen Karriere vorgestellt hatte. Also ich hatte da eher an die großen deutschen VCs gedacht oder sogar europaweit gedacht. Also da waren eher Namen wie Excel. und Index zum damaligen Zeitpunkt auf meiner Wunschliste ganz oben und jetzt nicht die Sparkasse vorzahlen. Aber es war ein guter Deal für uns, für die Sparkasse vorzahlen. Wir sind irgendwann wieder rausgegangen, auch mit einer ganz guten Rendite und es hat einfach gut gepasst.
Iskender Dirik: Eines der größten oder vielleicht die größte Challenge bei Marktplätzen ist ja die kritische Masse. Habt ihr die Challenge gelöst durch den Kauf von Chrono24?
Tim Stracke: Die war im Prinzip gelöst. Und das war auch der Hauptgrund, also dieses Gold-Start-Problem, von dem man bei Marktplätzen spricht, dass die Käufer erst dann kommen, wenn die Verkäufer da sind und umgekehrt. Das war halt komplett gelöst. Also die Traction war komplett da. Und es war auch zum damaligen Zeitpunkt schon ein ausbalanciertes Verhältnis aus Supply und Demand, was beim Marktplatz halt auch wichtig ist. Du willst halt wirklich auf beiden Seiten idealerweise eine ähnliche Traktion haben.
Iskender Dirik: Hast du deine Abneigung gegen den Namen, hat sich das ein bisschen gelegt über die Jahre oder musstest du damit leben während der gesamten Zeit?
Tim Stracke: Das ist eine gute Frage. Also diese 24 passt dann einfach nicht zu Luxus. Da sind wir uns, glaube ich, einig. Und wir wollten den Namen auch ändern. Also wir hatten die ersten Domains für einen alternativen Namen schon gekauft und haben uns aber zum einen auch schwer getan, diese Domain dann global zu sichern. Die.com wäre relativ teuer gewesen. Aber dann habe ich mal unsere Händler gefragt, wie die das denn so finden. Und insbesondere im asiatischen Raum, also ich war in Hongkong, habe da auf einer Uhrenbörse mit Händlern gesprochen, in den USA habe ich mit Händlern gesprochen. Und da habe ich gelernt, dass dieses 24 ein sehr deutschsprachiges Phänomen ist. Das haben sich... Ende der 90er Jahre deutsche Gründer überlegt. Wahrscheinlich aus dem Grund, weil die Domain, die sie eigentlich wollten, überlegt war. Und da wollte man nochmal zum Ausdruck bringen, dass das Internet 24 Stunden geöffnet hat. Das war der Grund damals. Das hatte sich nicht mehr rumgesprochen. Und man musste das halt nicht mehr nicht mehr exklusiv in den Domain-Namen reinnehmen, aber dieses Postfix 24 ist halt geblieben. Aber außerhalb von Deutschland, Österreich, Schweiz, kannte man das nicht so in dem Maße und hat auch nicht diese Konnotation. Und in den USA meinte sogar ein Händler zu mir, gerade bei Uhren passt diese 24 doch perfekt. dann hätte man es ja Kono 12 nennen müssen. Und in Asien sind generell Namen mit Zahlen oft sehr glücksbringend angesehen und sind da sehr, sehr beliebt. Insofern haben wir dann den Namen gehalten. Wir hatten damals einfach auch schon viel Traction und der Name hatte auch schon eine große Bekanntheit. Und in unserem aktuellen Logo ist die 24 auch nicht mal so prominent hervorgehoben. Aber wir haben uns, glaube ich, damit angefreundet und es ist einfach so bekannt mittlerweile.
Iskender Dirik: Also auch da wäre die Lektion, den Markt-Research zu machen und versuchen zu verstehen, was die Zielgruppe ist. Mag und was nicht. Ich liebe es ja, mir Namen auszudenken für Dinge. Bin auch gerne schnell verliebt. Und ja, da muss man dann manchmal auch feststellen, dass die eigene Liebe nicht dem entspricht, was dann die breite Zielgruppe da draußen fühlt und denkt. Eine Frage bekomme ich von Gründern konstant: Welchen Anwalt für VC und M&A? Meine Antwort seit über zehn Jahren: Peter Möllmann, PXR. Erfahrungen, High-Stakes-Transaktionen, Steuer-Know-how, echte Tech-DNA. Kaum jemand vereint das so. Was Michael Schrezenmaier über ihn sagt:
Der Peter ist der rundeste im Sinne von, nicht körperlich, sondern der war bei McKinsey, der ist Steuerberater und der ist Anwalt. Der kann alles. Der fliegt über Wasser. Und ich persönlich mag ihn. Es gibt eine Menge andere Superanwälte, aber zumindest aus vielen Angelzeiten und sonst was. Und auch sehr kollegial, mal auch per WhatsApp kurz geholfen, also ist schon sehr gut.
Kann ich bestätigen. Du kennst ihn auch gut, oder?
Ja, der ist einfach sehr gut. Der ist schon rund. Also da kommt immer zurück, das würde ich so machen. Okay, dann weißt du eigentlich, dann musst du das so machen.
Iskender Dirik: Wenn ihr eine Intro zu Peter wollt, meldet euch bei mir. Kurzes Seitenthema, aber ich finde das spannend. Du hast mal gesagt, dass du Performance-Marketing oft für Verschwendung hältst. Woher kommt die Überzeugung?
Tim Stracke: Naja, nicht immer, aber man muss sich einfach schon sehr genau überlegen, welche Kunden akquiriert man mit Performance Marketing und insbesondere, wie viele Kunden akquiriert man, die auch so bekommen werden. Und wenn ich jetzt wirklich ein Startup bin, was wenig Leute kennen, dann macht das sicherlich eine ganze Menge Sinn. da auch Geld für auszugeben. Aber wenn man eine gewisse Bekanntheit hat oder gerade wenn man auch eine Kategorie wirklich dominiert, da muss man sich natürlich auch die Frage stellen, wie viele Kunden kommen auch so zu mir? Und wir haben schon immer gesehen, damals als es bei Google auch noch etwas leichter war, dass wir extrem viel SEO-Traffic hatten. mit der Search-Query Chrono24. Ich habe das damals immer als absurd angesehen. Wie blöd sind die Leute? Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass selbst mein eigenes Verhalten dahin gegangen ist, dass ich gar nicht mehr die URL eingegeben habe, sondern dass der Suchschlitz einfach mein Standardweg des Einstiegs in die Customer Journey. war. Und dann konnte ich es irgendwann auch nachvollziehen. Also ich habe am Anfang immer gedacht, das sind eher unerfahrene Internetnutzer, aber irgendwann habe ich gemerkt, nee, wahrscheinlich ist es auch das Gegenteil. Die haben es sich einfach einfach gemacht und das ist einfach der Beginn der Journey. Und da ist es halt so, dass man teilweise, also wenn ich nach Chrono24 suche, dann kann ich mal davon ausgehen, man kennt die Plattform. Und für diese Kunden sollte ich idealerweise nicht viel Geld oder gar kein Geld ausgeben. Es ist heute noch so bei mir, dass ich das auch mittlerweile tue und wenn ich eine Domain suche, dass ich über die Google-Suche gehe. Ich mache mir aber immer die Arbeit, dass ich die Paid-Clicks da ignoriere. Auch wenn es nur um Cent-Beträge geht, die ich noch nicht mal bezahlen muss, aber ich versuche, da einfach doch so einen ganz, ganz, ganz kleinen Beitrag zu leisten, von dieser Google-Abhängigkeit oder dieser Google-Tags loszukommen, weil man muss ehrlich sagen, das ist ja ein Stück weit mittlerweile eine Tax, die man zahlt, weil man es jetzt nur noch heute gar nicht mehr so genau differenzieren kann, woher kommt jetzt der Traffic. Und wir haben es irgendwann mal über Blackout-Tests versucht zu ermitteln, indem wir einzelne Märkte halbiert haben und haben in einer Hälfte Google einfach komplett abgeschaltet und in der anderen ganz normal weiterlaufen lassen und haben dann geguckt, wie sich die Zahlen entwickeln. Und da hat man natürlich dann einen sehr realistischen Blick auf den ROAS, also Return on Advertising Spend. Und der war komplett anders als das, was man rausbekommt, wenn man sich die Ausgaben für gekauften Traffic in Relation zu dem damit generierten Umsatz stellt. Was wahrscheinlich auch nicht richtig war, weil wir haben Payment komplett abgeschaltet. Damit ist die Company enorm profitabel gewesen. Wir hatten kaum Einbruch bei unseren Transaktionen. Traffic ist natürlich ein bisschen runtergegangen, aber auch überschaubar. Aber man muss natürlich auch ehrlich sagen, dass wir sicherlich auch diejenigen Kanäle abgeschaltet haben, die dann doch profitabel waren. Und das haben wir dann langsam auch wieder aufgebaut und da sehr vorsichtig geschaut, wo man dann doch dran glaubt. Und es gibt sicherlich auch Märkte, wo es sinnvoll ist, Google zu machen. Ich meine, Google hat eine große Berechtigung, ganz klar. Und der Traffic ist sehr wertvoll und da kann man auch Geld für ausgeben. Man muss sich nur sehr gut überlegen, welchen Traffic will man kaufen. Und man muss aufpassen, dass man nicht den kauft, den man auch so bekommen hätte.
Iskender Dirik: So, jetzt könnte ich, glaube ich, eigentlich schon sinnvollerweise nach unserem Podcast ein eigenes Projekt bei Claude für Uhren-Research anlegen. weil ich da schon sehr viel über Claude recherchiert habe zu Uhren. Das heißt, heute findet ja ganz viel Research dort statt und vielleicht wandert auch so ein bisschen das, was du gerade gesagt hast, was früher bei Google gemacht wurde, nicht nur vielleicht, sondern wandert zu Claude, ChatGPT und Co. Wie, was heißt das für ein Chrono24 oder ähnliche Marktplätze?
Tim Stracke: Also wir sehen natürlich auch eine deutlich stark steigende Nachfrage von der Generated AI. Keine Frage, enorme Wachstumsraten, aber immer noch auf einem sehr, sehr, sehr kleinen Niveau. Auch wahrscheinlich sind wir jetzt im Zeitraum noch erwartbar. Und die Frage, was macht... KI mit Marktplätzen ist eine sehr spannende. Wenn man sich jetzt an den Börsen anschaut, da sind ja bei dieser Sarzokalypse die Unternehmenswerte eingebrochen und auch bei Marktplätzen sind viele Werte ziemlich eingebrochen. Aber ich glaube, dass es erstmal ein pauschaler Wertabschlag war, weil viele Investoren auch gar nicht so richtig verstanden haben, welche Marktplätze sind ein Stück weit immun. Und welche Marktplätze sind es dann doch nicht? Also insbesondere Marktplätze, die sehr statischen Content haben, den man auch so im Internet gut findet, die sind natürlich hochgradig gefährdet, weil dann die KI diesen Content eben auch finden kann, die Angebote eben auch finden kann.
Iskender Dirik: Hast du ein Beispiel?
Tim Stracke: Also ein relativ statischer Content zum Beispiel sind halt Hotels. Die entstehen nicht ständig.
Iskender Dirik: Die
Tim Stracke: Verfügbarkeit ist dann wieder was anderes. Die ist dann doch nicht so leicht zu sehen. Aber wenn ich jetzt ein besonderes Resort suche mit gewissen Leistungen, Das ist halt schon sehr statisch und da kann die KI das wahrscheinlich schon tun. Der Content auf einer Plattform wie Chrono24 ist aber sehr, sehr dynamisch und insbesondere durch die Großzahl, es sind mittlerweile 30.000, 40.000 Private Seller zu jedem Zeitpunkt, die auf der Plattform sind, diese natürlich nicht zu finden. wenn ich meinen Bot einfach suchen lasse. Die Händlerangebote kann der Bot vielleicht noch ganz gut finden, aber die ganzen Private-Zelle-Angebote, da wird er sich schwer tun. Und es gibt einfach auch sehr, sehr viele Händler, die teilweise gar keine eigene Webpräsenzen haben, die einfach so klein sind oder die kaum zu finden sind. Insofern sehen wir das schon so, dass das schon eine gewisse KI-Resilienz bei einem Geschäftsmodell wie Chrono24 ist, was sicherlich auch für einige andere Marktplätze gilt. Aber man muss natürlich auch trotzdem immer aufpassen und das gut beobachten. Also die Frage, welche Uhr ist denn die richtige für mich? Da ist sicherlich die KI ein wirklich guter Ratgeber mittlerweile. Aber wenn ich jetzt den günstigsten Preis finden möchte oder das attraktivste Angebot für mich, was ja aus verschiedenen Faktoren besteht, dann würde ich schon vermuten, dass das den Marktplatz mittlerweile noch deutlich besser kann. Und was man halt auch noch sagen muss, Es gibt halt viele Kategorien, wo ich eine maximale Einfachheit in dem Kaufprozess haben möchte. Ich habe das damals schon häufiger diskutiert, bevor ChatGPT am Markt war, dass wir gesagt haben, wir Dieser ganze Kaufprozess einer Uhr, der gehört dazu, der ist Teil des Erlebnisses. Ich habe damals immer witzigerweise gesagt, wenn es utopisch eine Plattform gäbe, die genau weiß, welche Uhr ich möchte und mir auf Anhieb sagen würde, hier ist die Uhr, hier kannst du sie kaufen, das ist der Preis, das möchten die Nutzer nicht. So, jetzt sind wir gar nicht mehr so weit davon entfernt. dass wir ein solches Tool haben, was das zum größten Teil kann, aber dieser ganze Vergleich, das Jagen nach der Uhr, zu überlegen, will ich vielleicht auch ein bisschen mehr Geld ausgeben oder will ich vielleicht auch etwas weniger ausgeben und kaufe die Uhr dafür in Japan oder nehme in Kauf, dass die ein bisschen älter ist. Das ist ein Teil dieser Journey und wir haben, wenn wir bei Chrono24 unsere Kunden klassifiziert haben und da so Customer Personas entwickelt haben, dann war dieser Hunter, wie wir ihn genannt haben, eine der relevantesten Personengruppen. Und dieser Kaufprozess, der teilweise drei, sechs Monate dauert, der gehört dazu. Übrigens ähnlich wie bei der Suche nach einem Lebenspartner. Ich will auch nicht, dass jemand bei mir an der Tür klingelt und sagt, hier, das ist jetzt die Frau, die du schon immer gesucht hast, take it. Auch da will ich, ich will sie erobern, ich will auch dieses Erlebnis haben. Und das ist eben bei so einem Passion-Produkt wie Uhr sehr ähnlich.
Iskender Dirik: Ich will jetzt nicht, dass du gegen Chrono24 argumentierst, aber was wäre denn, ich überlege gerade, was wäre denn die Gegenposition dafür, dass es solche Marktplätze in Zukunft, damit sage ich wirklich solche, nicht jetzt speziell Chrono24, nicht mehr bräuchte, weil du hast, ich überlege jetzt mal laut, du hast einen Bot, der sucht für den Käufer und du hast dann irgendwie einen Verkäufer-Bot und die müssen sich ja irgendwo irgendwie finden. Du hast eben ja schon gesagt, Bei Privatverkäufern ist die Discovery-Auffindbarkeit alleine schon ein Problem.
Tim Stracke: Ja, wenn mir diese Journey nichts bedeutet, diese Kauf-Journey. Also wenn ich sage, bei vielen Produkten, die ich kaufe, gebe ich das liebend gerne an einen Bot. Und ich nutze mittlerweile auch für sehr viele Einkaufsprozesse Claude. Ich finde auch die Produktberatung sensationell gut. Es gibt dann so ein paar Themen, wo ich eine Leidenschaft drin habe, da habe ich gar keine Lust, das an Cloud zu geben. Das macht mir auch Spaß. Und immer da, wo es mir Spaß macht, da ist dann der Bedarf auch gar nicht so groß. Aber ich stimme schon zu, dass das in vielen Kategorien vermutlich passieren wird. Also macht es mir Spaß, einen Friseurtermin auszumachen? Nein, macht es mir nicht. Oder macht es mir Spaß, irgendwas zu kaufen, was ich fürs Haus brauche? Ich habe gestern Filter für unsere Lüftungsanlage gekauft. Das macht mir keinen Spaß. Und da bin ich froh, wenn das irgendwann so stabil funktioniert, dass sich das der KI überlassen kann.
Iskender Dirik: Okay, jetzt ist ja für jede Art von Deal, egal ob jetzt man eine Firma kauft oder eine Uhr, ist ja Vertrauen ein ganz wichtiges Bestandteil, damit so ein Deal zustande kommt. Und bei einem Chrono24 ist es so, dass da Uhren im Wert von einem Auto teilweise den Verkäufer wechseln über Landesgrenzen hinweg und es scheint ja zu funktionieren. Was war übrigens die teuerste UDI, die bei euch verkauft wurde? Weißt du das?
Tim Stracke: Die teuerste UDI lief sehr, sehr, sehr vertraulich ab.
Iskender Dirik: Okay.
Tim Stracke: Deswegen möchte ich da noch nicht mal sagen, was das für ein Modell war. Die Marke kann man erraten, aber der Preis war über 3 Millionen Euro.
Iskender Dirik: Über 3 Millionen Euro. Okay, und das war dann aber irgendwie ein händischer Service, also da haben Mitarbeiter dran, an dem Deal gearbeitet, nehme ich an.
Tim Stracke: Da gibt es einen VIP-Service, der sowohl auf der Käuferseite als auch auf der Weltkäuferseite eine sehr intensive Treue macht. Es ist oft so, dass solche Verkäufe von den Verkäufern getriggert werden, dass die eine Uhr verkaufen möchten und wir dann helfen, einen adäquaten Käufer zu finden, der so eine Uhr kaufen möchte. Und da gibt es auch sehr individuelle Bedürfnisse hinsichtlich Vertraulichkeit, hinsichtlich abwirkenden Transaktionen. Aber sowas machen wir schon häufiger. Aber das sind dann keine Klicks und Eingabe der Kreditkarte nochmal auf der Plattform.
Iskender Dirik: Das ist jetzt ein Extrembeispiel, aber über Klicks werden ja auch schon mal Uhren im fünfstelligen Bereich verkauft. Wie schafft man das, diesen Trust zu genießen von der Zielgruppe, dass die das machen online? Vielleicht ohne jemals einen Menschen gesehen zu haben in dem gesamten Prozess.
Tim Stracke: Ja, zum einen muss man sagen, und das ist so ein bisschen kontraintuitiv, je teurer die Uhr, desto erfahrener und insbesondere auch entspannter sind die Käufer. Also die Käufer, die die meiste Sorge haben, das sind diejenigen, die für... 2.000, 3.000 Euro eine alte Omega kaufen, als Beispiel. Und jetzt muss man sich das nicht mehr vorstellen, dann versetzt man sich in die Lage, ich habe häufig auch mit solchen Leuten gesprochen, telefoniert, und da merkt man, das ist dann oft irgendwie ein Zwei-Monats-Gehälter. Eine Familie, die da sehr darauf angewiesen ist, die vielleicht seit fünf Jahren auch diese Uhr sparen. Und denen dann einfach unglaublich wichtig ist, da darf nichts schiefgehen. Die sich das auch vorher nochmal telefonisch versichern lassen. Und derjenige, der 50.000 Euro für eine Uhr ausgibt, das ist wahrscheinlich nicht die erste Uhr. Und es ist wahrscheinlich auch eine Geldsumme, wenn sie denn weg wäre, die den Lebensstandard nicht verändert. Und deswegen sind diese Menschen häufig viel entspannter. Sie haben es schon mal gemacht, sie haben gesehen, es funktioniert. Und da hilft natürlich diese Gewissheit, dass so eine Plattform wie Chrono24 nicht erst seit einem Jahr oder zwei Jahren, sondern seit deutlich über 20 Jahren am Markt ist und dass Chrono24 da einfach auch konsequent und kontinuierlich sehr rigide agiert hat und immer, wenn Händler sich nicht an die Richtlinie gehalten haben, wenn irgendwas mit den Transaktionen nicht richtig abgelaufen ist und insbesondere wenn es Fälschung war, die Händler im Extremfall runtergeschmissen wurden. Da war also das Vertrauen in die Marke von Chrono24 immer wichtiger als jetzt der Umsatz mit irgendwelchen Händlern. Also auch so Wenn ein Händler die Plattform verlässt oder verlassen musste, dass das in der Regel auf den Handelsblumen von Chrono24 gar nicht so eine große Auswirkung hatte, dann wurden die One-Halber anders gekauft. Und deswegen konnte man da auch immer entspannt eine Entscheidung treffen, dass man Händler runternehmen konnte, wenn sie sich nicht adäquat verhalten haben. Und das wissen die Händler natürlich auch. Und sind deswegen da auch, achten einfach drauf, ihre Reputation, ihre Menschen, ihre Bewertung auf der Treffung hochzuhalten.
Iskender Dirik: Jetzt habe ich diesen Vertrauensfaktor, habt ihr es ja hinbekommen, den international zu skalieren. Und ich weiß, dass ganz viele Unternehmergründer zuhören für die Internationalisierung, gerade ein wichtiges Thema ist. Da würde ich gerne von dem... Co-Founder des weltweit größten, weltweit größten Luxusuhrenmarktplatzes, ein paar Learnings mitnehmen für unsere Zuhörer. Was sind so die zwei, drei Sachen, die du jemandem mitgeben würdest, heute einem Gründer, an dem du investierst, wenn es um Internationalisierung geht?
Tim Stracke: Boah, das ist gar nicht so eine ganz einfache Frage, weil das sicherlich auch für jede Kategorie anders ist. Und da muss man sagen, dass die Uhr da eine sehr, sehr dankbare, auf der anderen Seite aber auch sehr herausfordernde Kategorie ist. Die Uhr ist wahrscheinlich das globalste Konsumgut, das es gibt. Wenn ich dich jetzt frage... Iskender, welches Produkt könntest du dir vorstellen, in Japan zu kaufen? Ja, dann sind viele Sachen einfach zu günstig, dass sich die ganze Logistik nicht lohnt. Weil du kaufst keine Produkte für 20, 30 Euro. Also dann ist es wirklich was einzigartiges Japanisches, was du jetzt unbedingt brauchst. Aber ein globales Gut. Das Zweite ist, die Uhr ist einfach global übergleich. Gleich beschrieben, gleiche Referenznummern. Das heißt, wenn du da eine Uhr gefunden hast und es ist die Referenznummer, dann ist es genau die Uhr, die du möchtest. Und es ist genau die gleiche Uhr wie in Berlin. Und deswegen weißt du ganz genau, was du bekommst. Und unten. Und die Uhr ist klein, also du kannst sie gut verschicken. Sie ist klein, also leicht zu verschicken. Sie ist teuer, sodass es sich lohnt. Und sie ist global überall gleich. Und da gibt es einfach wenig Produkte, auf die das zutrifft. Und deswegen ist der Uhrenmarkt per se einfach ein extrem globaler Markt. Also mir fällt auf Anhieb kein anderer Konsumgutmarkt ein. der eine ähnliche Globalität hat, auch gewisse Preisschwankungen, die ja teilweise auch allein durch die Währungen schon das verursachen, dass es sich lohnt, in gewissen Währungsformen zu kaufen. Zum Beispiel ist der japanische Yen gerade sehr, sehr niedrig. Der Dollar war im Bezug zum Yen in den letzten Jahren immer sehr, sehr hoch und dann haben wir auf Chrono24 einfach eine enorme Warenbewegung von Japan in Richtung USA, aber auch von Japan in Richtung Europa gesehen. Also Japan ist mittlerweile auch der zweitstärkste Sell-Side-Markt auf Chrono24, der zweite oder drittstärkste. Der stärkste Markt ist sowohl auf der Sell-Side als auch auf der Buy-Side USA. Also es ist ein sehr globaler Markt und das hilft natürlich. Und dann ist Chrono24, und das ist schon vor unserer Zeit passiert, schon von Beginn an einfach in vielen Sprachen entwickelt worden. Wir hatten einfach von Anfang an, das ist wie die Plattform, als wir die Marke übernommen haben, hat Chrono24 schon, ich glaube, 13 Sprachen unterstützt. Und das hat eben dann auch ganz gut funktioniert. Insofern, wenn jetzt ein Gründer mit einem klassischen Softwareprodukt, mit einem SaaS-Produkt auf mich zu käme, da bin ich oft gar nicht so pushy, was eine schnelle Expansion angeht. Ich glaube, das ist wirklich eine... Eine sehr individuell zu treffende Entscheidung, wann macht man welchen Schritt hinsichtlich der Internationalisierung, wann macht man auch andere Büros auf. Wir haben lange das alles aus Karlsruhe herausgetrieben und haben dann erst später angefangen, Büros in... in Hongkong, in New York, in Tokio aufzumachen. Da ging es uns zum großen Teil auch um die Abdeckung der verschiedenen Zeitzonen, dass wir rund um die Uhr erreichbar waren, aber auch, dass wir da eine gewisse Nähe zu den lokalen Händlern aufbauen konnten. Wir haben ein vielsprachiges Team aufgebaut. sodass wir viele relevante Sprachen auch muttersprachlich abbilden konnten. Das ist auch etwas, was, glaube ich, einfach eine große Rolle spielt, dass du einfach die Sprache richtig, richtig gut sprichst, idealerweise auf Muttersprachniveau. Und das ist schon ganz interessant, dass du da auch... vielleicht Tätigkeiten in deinem Office hast, die vielleicht gar nicht so spannend sind, also jetzt, sagen wir mal, ein Customer Support Mitarbeiter, könnte man jetzt argumentieren, dass das jetzt gar nicht so eine intellektuell anspruchsvolle Tätigkeit ist. Aber, wenn man dann den Kollegen anbieten konnte, dass sie gewisse Sprachen auch nutzen konnten, teilweise auch Kollegen, die mehrere Sprachen gesprochen haben, Dann hat das aufgrund der sprachlichen Herausforderung für viele auch ein sehr attraktives, war das ein sehr attraktives Jobportal, eine Jobbeschreibung, sodass dann viele auch gerne gekommen sind und gesagt haben, ne, da kann ich halt meine Sprachen einsetzen und wir haben auch oft in, oder auch gerne so in Sprachumfeldern, so Dolmetscherschulen rekrutiert.
Iskender Dirik: Ist das nicht auch ein großer Vorteil von AI für Marktplätze heute, dass die Sprachbarriere durch AI sehr stark genommen wird? Also wir haben zum Beispiel Dominik Stein von EQT, habe ich im Podcast drüber gesprochen, in Bezug auf Vinted, wo es aus meiner Sicht schon ein Game Changer war, dass du jetzt mit jedem Käufer in Europa kommunizieren kannst in deiner nativen Sprache. dann halt AI die Übersetzung übernimmt, bis hin ja dann irgendwann zu Themen wie Callcenter, die du heute auch durch AI übernehmen kannst.
Tim Stracke: Ja, wir haben schon sehr früh auch da KI-basierte, damals hieß das noch gar nicht so, KI-Übersetzungssysteme eingesetzt, weil es auch immer ganz wichtig war, an die lokalen Sprachen hatten. Und zwar immer so ein bisschen das Ziel, dass jedes Land denken sollte, Chrono24 kommt aus meinem Land. Also das haben wir auch oft erlebt. So die Italiener sagten, wir dachten immer, Chrono24 kommt aus Italien. Und da muss man natürlich schon auch gewisse Tools haben, so Translation Memories. Also Lange& Söhne heißt auch in Amerika Lange& Söhne und nicht Long& Sons. Aber wenn du einfach keine guten Übersetzungstools hast, dann ist man schnell geneigt, das mal mit Long& Sons zu übersetzen. Also wir haben lange mit DeepL zusammengearbeitet. die schon sehr früh auch auf diese LLM-Modelle gesetzt haben. Also bevor wir alle ChatGPT und den Begriff LLM kannten, haben die schon auch ähnliche Methoden gesetzt und haben das einfach damals schon immer sehr, sehr gut gemacht. Aber klar ist für Chrono24 wahrscheinlich KI an ganz vielen Stellen einfach auch ein Tool, was... den Customer Service noch erhöhen kann, Prozesse im Unternehmen noch viel effizienter machen kann, wie du gerade sagtest, wenn man da über so KI-Systeme einfach vielsprachig Telefonsupport anbieten kann. Also ich habe schon oft mit KI-Agenten telefoniert und dann fand ich die Erfahrung oft echt gut. Also teilweise, je nach Unternehmen, wo man angerufen hat, habe ich mir gedacht, so besser als wenn da jetzt ein Mensch war, der am Ende doch nicht so richtig versteht, worum es geht. Weil das ja oft, muss man auch sagen, wenn es komplizierte Themen sind, man es auch gar nicht schafft, da die Qualifikation ans Telefon zu kriegen, weil man sich das gar nicht leisten kann, weil man die Leute nicht findet.
Iskender Dirik: So, jetzt ging es ja. Nicht nur stetig bergauf für euch. Du hast als CEO auch ein paar härtere Zeiten bei Chrono24 mitgemacht. Über die lange Zeit, 2023, habt ihr rund 65 Leute rausnehmen müssen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Anfang 2025 nochmal 110, was quasi ein Viertel der Belegschaft war. Magst du ein bisschen von der Journey erzählen und auch von dem, was du da für dich mitgenommen hast an Erfahrungen, an Erkenntnissen?
Tim Stracke: Ja, jetzt muss man auch ehrlich sagen, das Unternehmen war nicht im Überlebenskampf. Das Unternehmen war auch in dieser Zeit profitabel. Und deswegen war das für uns insbesondere eine extrem schwierige Entscheidung. Wir hatten in den Jahren davor, also insbesondere so 2018 bis April 2022, als der Markt gekippt ist, war unsere einzige Sorge mit einer kurzen Unterbrechung, also Beginn der Corona-Krise, Da hatten wir auch mal so fünf, sechs Wochen große Fragezeichen. Aber danach ging dann ja ein unglaublicher Boom, genereller E-Commerce-Boom und der nochmal multipliziert mit einem Uhrenboom einher. Also wir hatten eine enorme Wachstumsphase und haben da als eine unserer ganz großen Herausforderungen einfach gesehen, wie kriegen wir schnell hoch das richtige Personal. Und Recruiting war eine unserer ganz, ganz großen Herausforderungen. Wir haben, also wir hatten am Ende, ich glaube, wir hatten 13 Recruiter im Unternehmen. So, und dann ist der Markt halt gekippt, die Uhrenabsätze sind nicht zurückgegangen, aber sie sind einfach auch nicht mehr gestiegen, Uhrenpreise sind zurückgegangen, das Handelsvolumen, das war dann mehrere Jahre ungefähr gleichbleibend, so zwei, drei Jahre, sodass wir einfach gesagt haben, brauchen wir jetzt noch 13 Recruiter? Und die ganzen Leute, die wir angestellt hatten, brauchen wir die gerade noch. Und wir hatten einfach aufgrund dieses enorm aggressiven Personalwachstums auch eine Situation, dass wir in vielen Abteilungen unserer Meinung nach nicht mehr so effizient waren, wie wir gerne gewesen wären. Und deswegen haben wir diesen... Wir sind in einen schwierigen Schritt gegangen. Wir hätten das sicherlich rückblickend zu einem Schritt machen sollen und nicht zweien. Aber da muss man sagen, waren wir beim ersten Schritt einfach zu vorsichtig, weil wir auch nach wie vor an ein langfristig starkes Wachstum geglaubt haben. Und haben auch gewisse Effizienzgewinne, die man auch mit solchen Schritten dann erlebt, vielleicht auch nicht richtig antizipiert, sodass es am Ende zwei Schritte geworden sind. Das war sicherlich ein großer Fehler. Das hätte man sicherlich zu einem Schritt machen müssen. Vielleicht ein bisschen länger darüber nachdenken, besser planen, auch vielleicht noch mehr Führungskräfte ins Boot holen. Aber es ist ja leider etwas, was man auch in vielen anderen Unternehmen sieht, wie das dann auch oft zu vorsichtig machen, gucken, wie sich die Zeit danach entwickelt und dann merken, wir waren doch nicht aggressiv genug. Das ist so eine chirurgische Maßnahme. Schneidest du genug weg? Und am Ende, den Fehler, dass wir diese Leute eingestellt haben, den muss man ganz klar im Gründerteam sehen. Das haben wir als Gründer oder als CEOs, wir haben das zu zweit damals geleitet, diese Entscheidung gefällt, dass wir auf dieses rasante Wachstum setzen wollen. Und haben da am Ende auch nicht immer an den richtigen Stellen die richtige Anzahl an Personen gehabt, sodass man das am Ende dann einmal oder zweimal über einen sehr schmerzhaften Prozess korrigieren musste. Aber ich glaube, wenn man sich das Unternehmen anschaut, hat das Unternehmen das sehr gut verkraftet und für das Unternehmen war es so traurig, dass für jeden Einzelnen ist einfach der richtige Schritt. Und das heißt auch gar nicht, dass die Leute, die dann das Unternehmen verlassen mussten, dass die nicht gut waren. Das können Top-Recruiter sein, aber wenn du einfach sagst, wir wollen gerade nicht weiter rekrutieren, dann ist das für dich auch hier nicht der richtige Arbeitsplatz. Und wir haben das schon so abgewickelt, dass wir das mit allen Überabfindungsvereinbarungen und Aufregungsverträgen gemacht haben. Also wir haben da großzügige Pakete angeboten, die dann auch alle angenommen haben, sodass wir nicht aktiv oder nur in sehr wenigen Fällen aktiv von uns kündigen und aussprechen mussten. Es waren Vereinbarungen, die wir dann mit den Mitarbeitern getroffen haben.
Iskender Dirik: Hast du nach der ersten Welle gespürt, dass die Organisation Angst hat, dass es eine weitere geben wird?
Tim Stracke: Ja, das muss man leider sagen, dass das schon so war. Da sind wahrscheinlich auch ein paar Dinge danach. In dem Übergang, wo ich das Unternehmen verlassen habe, wo dann der Nachfolger kam, da sind vielleicht auch nicht alle Dinge immer kommunikativ verlaufen. Das ist glaube ich etwas ganz Natürliches, dass wenn man so einen Schritt macht, dass alle denken, es passiert jetzt irgendwann nochmal. Ich glaube aktuell ist das Unternehmen so erfolgreich wieder, der Markt zieht gerade enorm an. die Zahlen in dieser ganzen Kategorie, da will ich jetzt nicht nur auf Chrono24 gucken, wie gesagt, ich bin ja nicht mehr operativ tätig dort, aber die ganze Kategorie hat gerade enorme Wachstumsraten und das sieht auch auf die nahe und mittlere Zukunft sehr, sehr, sehr gut aus. Und dadurch ist Chrono24 auch da. an vielen Stellen jetzt sehr effizient oder an den meisten Stellen sehr effizient und richtig aufgestellt. Das können, glaube ich, alle da gerade sehr entspannt drauf schauen. Das ist schon die Frage jetzt wieder, wie aggressiv will man gerade rekrutieren? In der Frage, wo auch viele Jobs, wie du eben schon auch gesagt hast, automatisiert übernommen werden können.
Iskender Dirik: Ja. Hast du ein, zwei konkrete Tipps für Unternehmer, die vor diesem Schritt stehen, gerade was die Kommunikation angeht? Kleine Anekdote aus meiner Vergangenheit. Bei einem Corporate, für den ich mal tätig war, gab es dann so eine Welle. Dann gab es zwei gleichzeitig stattfindende Zoom-Calls. Der eine war mit der Gruppe, die bleiben durfte und der andere mit der Gruppe, die gehen musste. Und dann wurden aus Versehen ein, zwei Gäste in den falschen Raum geschickt, was zum Beispiel dazu geführt hat, dass ein Mitarbeiter dann in dem Raum war, wo man sich gefreut hat, dass man bleiben darf. Und eigentlich war es ein Versehen, dass er da drin ist.
Tim Stracke: Also was kann ich da sagen? Ich glaube... dass die Kommunikation, wie man das kommuniziert, eine der wichtigsten Maßnahmen in diesem ganzen Umfeld ist. Und dass man da nicht, da kann man fast nicht genügend Zeit reininvestieren, um das richtig, richtig gut zu machen. Wir haben damals enorm viel Zeit da reingesteckt. Wir haben die Führungskräfte trainiert, die wurden alle gecoacht, sodass die... diese Gespräche führen konnten, dass sie damit umgehen konnten, wie sie mit Rückfragen umgehen konnten. Und ich fand auch, dass es unsere Führungskräfte absolut top gemacht haben. Passieren Fehler? Ja, auch da passieren Fehler. Auch uns sind Fehler passiert, dass plötzlich irgendwo in einem Termin mal gewisse Namen sichtbar waren, die in dem Termin nicht hätten sichtbar sein sollen. Das passiert. Da kann man aber auch einfach nur appellieren, checkt es zweimal, checkt es dreimal. Dass am Ende eine riesige Unzufriedenheit ist, wie mit Leuten bei sowas gesprochen wird, da kenne ich eigentlich nur schlechtes Feedback. Man kann das, glaube ich, nicht wirklich gut machen. Auch wenn man denkt, wir haben es so gut gemacht, wie wir es konnten. Alle beschweren sich immer. Ist der Zoom-Call das Richtige? Sind die Einzelgespräche das Richtige? Natürlich würde man idealerweise mit jedem einzelnen Betroffenen gleichzeitig ein Einzelgespräch führen, aber das geht nicht. Die muss ich in einer gewissen Reihenfolge führen. Müsste ich. Und wenn ich das tue, dann geht die Nachricht über den Flurfunk rum und ist am Ende nicht mehr kontrollierbar. Und deswegen sind oft diese großen Zoom-Calls... die einzigen Möglichkeiten, das wirklich zu parallelisieren. Ist das schön? Nein. Ist es persönlich? Nein, das ist natürlich nicht so persönlich. Und deswegen braucht man da, glaube ich, eine gute Mischung aus den großen Courts, wo alle informiert werden, dann sehr schnell danach die Einzelgespräche, die stattfinden. Da gibt es sicherlich auch wahrscheinlich zunehmend auch mehr Best Practices, wie man das in so einer Welt der Remote-Termine dann gut umsetzt.
Iskender Dirik: Und sich vorher überlegen, was die Next Steps sind.
Tim Stracke: Genau, das Allerallerwichtigste finde ich, dass man den Schritt so durchführt, dass man keine zwei Schritte braucht. Muss ich sagen, der Fehler ist uns halt auch unterlaufen und das Traurige ist, wir wussten das. Ich selbst habe das immer wieder gepredigt, das auch Unternehmer, andere Unternehmer gepredigt. überleg dir wirklich gut, wie tief du diesen Schnitt ansetzt, dass du auf keinen Fall eine zweite Maßnahme brauchst. Und dann ist genau das uns eben auch passiert. Jetzt muss man sagen, das war bei uns natürlich auch ein CEO-Wechsel zwischendurch. Ich will aber auch nicht sagen, dass deswegen die zweite Maßnahme nicht richtig war. es wäre auf jeden Fall besser gewesen, wenn man das zu einer Maßnahme hätte machen können. Und ich glaube schon, dass es in vielen Unternehmen, ich glaube, dass viele Unternehmer rückblickend sagen, ja, man hätte da eine Maßnahme draus machen können und wenn ich mutiger gewesen wäre, ich glaube, dass da viele Unternehmer vielleicht nicht mutig genug sind und vielleicht auch das Prinzip Hoffnung. Als Unternehmer ist man natürlich ein optimistisch denkender Mensch, das vielleicht zu viel Optimismus und Hoffnung ist und man da nicht eine Play-Safe-Maßnahme macht. Das ist natürlich auch nur so ein bisschen abhängig davon, Mache ich das, weil das Unternehmen in engen, ist das Unternehmen im Überlebenskampf, ist das Unternehmen einfach nicht mehr effizient, stimmen einfach nur meine Finanzzahlen nicht. Und bei uns war es in erster Linie eine Frage der fehlenden Effizienz. Was nicht heißt, dass die Leute nicht gut waren, von denen wir uns getrennt haben, aber auch wenn fünf gute Leute in einem Team sind, was eigentlich nur eine Person braucht, dann ist man nicht mehr effizient.
Iskender Dirik: Ist es leichter, den Schritt zu gehen als CEO, wenn es nicht überlebenskritisch ist, so wie in eurem Fall, oder schwerer?
Tim Stracke: Das ist eine gute Frage, auf die ich keine Antwort habe. Es ist immer so unglaublich schwer und traurig und hart. Das ist da, glaube ich, auch... Es ist schmerzhafter, wenn der beste Freund oder die beste Freundin stirbt. Es ist einfach unglaublich schwer und man kann das, glaube ich, gar nicht so sagen. Kommunikativ ist es natürlich, mag man vordergründig denken, es ist leichter, wenn ich es auf die harte Notwendigkeit der Überlebensfähigkeit des Unternehmens schieben kann. habe ich dann natürlich den Überlebenskampf. Da habe ich natürlich immer ein bisschen mehr Kräfte. Wenn man im Überlebenskampf ist, mobilisiert man Kräfte, an die man vorher vielleicht nicht gedacht hat. Auf der anderen Seite ist es natürlich einfacher, wenn ich vielleicht auch mehr finanzielle Mittel habe, in der Situation, wo man bei Chrono24 großzügige Abfindungsangebote machen kann. und versuchen kann, dass jeder da finanziell auch sich fair behandelt fühlt. Auf der anderen Seite ist natürlich die Frage, wir haben doch gerade eine große Finanzierungsrunde gemacht, das Geld ist ja noch da.
Iskender Dirik: Konntest du es nicht auf die Investoren schieben?
Tim Stracke: Das ist, glaube ich, das Schlimmste, was man tun kann. Da habe ich auch immer sehr vorgewarnt. Also Führungskräfte, die es auf andere Leute schieben, sind aber schlechte Führungskräfte. Das war mir ganz, ganz wichtig. Das war eine Entscheidung. Ich kann mich auch sehr gut daran erinnern, was wir gesagt haben. Das war unsere Entscheidung. Wir haben die Investoren davon informiert, wir haben sie überzeugt. Die Investoren stehen hinter dem Unternehmen, aber das Unternehmen führen wir. Und das kann ich auch jedem immer noch raten. Ist sehr, sehr verlockend zu sagen, das Board hat entschieden, es tut mir sehr leid. Ich muss euch hier eine Nachricht übermitteln. Dann spricht man nicht mit dem CEO, dann spricht man mit einer Mariette des Boards. Der CEO sollte idealerweise auch das Board führen. Also im Sinne von... nicht formal rechtlich, aber das ist schon wichtig, dass der, das ist als Gründer wahrscheinlich ein bisschen einfacher als jetzt als Angestellter CEO, so eine Rolle einzunehmen, aber das ist auf jeden Fall auch eine klare Empfehlung. Ihr müsst dahinter stehen, und wenn ihr nicht dahinter steht, solltet ihr die Maßnahme nicht machen als Gründer oder CEO.
Iskender Dirik: Jetzt saßt du auf der Käuferseite, wie du eben erklärt hast, als ihr Chrono24 gekauft habt. Aber du saßt dann auch nochmal auf der Käuferseite, als ihr zwei Unternehmen gekauft habt, wo ihr euch beteiligt habt. Einmal Watch Choice in Australien und dann habt ihr die Mehrheit an der Zeitauktion in Chemnitz erworben. Was war da die Idee dahinter?
Tim Stracke: Also Watch Choice, das kann man fast ignorieren. Das haben wir aus der Portokasse bezahlt. Okay. Das war auch kein richtiges Unternehmen. Wir haben aber zwei größere Akquisitionen gemacht. Wir haben Zoops in England gekauft und wir haben Zeitaktionen in Chemnitz gekauft. Das waren beides auch relevante Akquisitionen im höheren Einstellungsbereich. Da haben wir schon auch viel Geld ausgegeben. Die haben beide nicht so funktioniert, wie wir uns das überlegt haben, weil die beide zu einer Zeit gekauft wurden, als es nur nach oben ging. Das waren beides Unternehmen, die auch einen relevanten Lagerbestand an Uhren hatten. Also wir haben das reine, rein digitale, vermittelnde Marktplatzgeschäft damit verlassen und haben Unternehmen gekauft. die auch Uhrenhandel betreiben, also Uhren wirklich angekauft und verkauft haben. Warum haben wir das gemacht? Weil wir schon einige Unternehmen gesehen haben, die genau das getan haben und enorme Wachstumsraten hatten. Und das war zum einen ein Stück weit eine defensive Strategie, weil wir gesagt haben, es ist nicht hundertprozentig sicher, wer langfristig dieses Spiel gewinnen wird. Sind es die rein digitalen Marktplätze, die keinen Zugriff auf das Asset Uhren haben? Oder sind es vielleicht doch eher die gemanagten Marktplätze, die... zugegebenermaßen die Aufwände und Kosten einer Warenhaltung eines Warenlagers haben, aber natürlich auch ein anderes Sicherheitsversprechen und Vertrauensversprechen geben können, wenn man dann sagen kann, die Uhr liegt hier bei mir auf dem Schoß. Wenn du dem Kunden telefonierst und er hat eine Frage zur Uhr, sagen wir, ich habe sie hier vor mir liegen. Wir hatten ursprünglich eine Transaktion geplant, die deutlich teurer gewesen wäre, also die im höheren dreistelligen Millionenbetrag-Bereich gewesen wäre. Und die haben wir zurückgestellt und haben gesagt, der Schritt ist uns ja zu groß, weil das wäre so eine Art Betting-the-Company-Strategie gewesen. Und dann haben wir erstmal diese beiden kleinen Moves gemacht. Einmal Europa, einmal Großbritannien, einmal im etwas niedrigen Preissegment, einmal im hohen Preissegment. Und wir haben viel gelernt. Wir haben aus beiden Unternehmen auch spannende Themen erhalten, die für das Unternehmen heute auch sehr, sehr wichtig sind. Also gerade der Umgang mit Kunden, die sehr, sehr teure Urnen kaufen. Gerade das ganze Thema Authentifizierung, selbst eine Uhrmacherwerkstatt zu haben, wo man Uhren authentifizieren kann und so, da haben wir sehr viel von übernommen. Aber das eigentliche Kerngeschäft, was wir damals erworben haben, da haben wir gemerkt, das passt besser, wenn das unabhängige Händler von uns sind und haben es dann auch wieder in so eine Struktur überführt.
Iskender Dirik: Ich würde gerne über Fundraising mit dir sprechen. Das heißt, habt ihr mit Chrono24 über die Jahre rund 200 Millionen Euro, stimmt das, eingesammelt? Von bekannten Investoren wie Insight Partners, Sprints Capital, General Atlantic, 2021 noch Aglaé Ventures. Welche dieser Runden war, war die schwierigste?
Tim Stracke: Das kann ich so gar nicht sagen. Die haben eigentlich alle, die waren alle nicht schwierig, wenn ich ehrlich bin. Sie haben alle Spaß gemacht. Die hatten alle ihre Herausforderungen. Also die anstrengendste Dildedance kann man sich vorstellen war die letzte große Runde mit General Atlantic. Aber schwierig waren die alle nicht, weil wir auch in einer Situation waren, dass wir das Geld nie brauchten. Wir haben einmal eine kleine Zwischenfinanzierung gemacht, weil wir einmal eine Phase hatten, wo wir eine kleine Burnout aufgebaut hatten. Und es war eine sehr kleine Summe, es waren, glaube ich, 5 Millionen Euro, die ins Unternehmen reingeflossen sind. Am Ende war das die schwierigste, weil da brauchten wir das Geld. Also wir hätten sicherlich auch schnell Wege gefunden, das ohne diese Runde hinzukriegen. Aber da hätten wir gewisse Maßnahmen machen müssen, die aus Sicht der Company nicht sinnvoll gewesen wären. Da haben wir gerade so eine große strategische Maßnahme gemacht. Da haben wir von dem ursprünglich Classified-Modell auf ein transaktionales Marktplatz-Modell umgestellt. Und dieser Schritt hat nicht so funktioniert, wie wir das geplant hatten. Und deswegen war unser Zeitpunkt bei unseren Plänen. Brauchten da ein bisschen Geld für eine kleine Summe, wollten die aber auch nicht von neuen Investoren holen, sondern wollten die von Bestandsinvestoren holen, die da natürlich gemerkt haben, sie sitzen am längeren Hebel, sonst waren wir immer diejenigen, die am langen Hebel saßen. Und das war schwierig. Also wenn jetzt ganz konkret die Frage ist, Und was ist am wichtigsten? Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man in einer Situation ist, wo man das Geld nicht dringend kurzfristig braucht, sodass man einfach Raum zum Atmen hat, verhandeln kann, mehrere Gespräche führen kann. Als das Gegenteil, du hast genau einen, wir hatten genau einen, wir hatten einen großen eigenen Gesellschafter, der das Geld hätte bringen können und wollen. Wir brauchten es dringend und das war dann eine etwas schwierige Verhandlung.
Iskender Dirik: Wer hat der beste Zeitpunkt, um zu fundraisen, ist, wenn man kein Geld braucht. Hat das was mit... deiner Verhandlungsstärke gemacht, das Geld nicht zu brauchen?
Tim Stracke: Na klar, also es ist natürlich immer eine andere Kommunikation, wenn ich sage, ich brauche jetzt dringend Geld von euch, versus wir überlegen gerade eine Runde zu machen, sag mal. Würde dich sowas interessieren? Sollen wir dann mit jemandem darüber sprechen? Das ist eine ganz andere Ansprache. Natürlich versucht man immer, die Kommunikation so zu machen, wie ich es am Ende gesagt habe. Aber es ist sehr, sehr, sehr schwer zu spielen. Wenn man das Geld dringend braucht, aber den Eindruck hinterlassen möchte, man ist da sehr entspannt, das kann man kaum spielen. Und ich glaube generell, es ist schwierig, in Verhandlungen zu spielen, etwas vorzugeben, was man nicht ist. Also eine meiner ganz klaren Learnings bei Verhandlungen ist auch, klar, straightforward, ehrlich und direkt zu kommunizieren, was man möchte und wenn nicht irgendwas spielen, was man nicht ist oder sein kann. Also Ehrlichkeit ist einer der ganz wichtigen Prinzipien bei einer Verhandlung. Weil bei anderen fällt einem alles nur auf die Füße.
Iskender Dirik: Jetzt haben wir schon mindestens zwei starke Fundraising-Tipps von dir bekommen. Der eine ist zu fundraisen, wenn man das Geld nicht braucht. Den anderen hast du ganz am Anfang gesagt. dass du dich als CEO voll darauf fokussieren kannst, dein Co-Founder-Team dir den Rücken frei hält währenddessen. Was sind noch so ein, zwei Fundraising-Tipps, die du mit deiner Erfahrung Gründern mitgeben würdest?
Tim Stracke: Also ich würde immer darauf achten, dass man am Anfang sehr niederschwellige Angebote setzt. Beispiel. Ich bin jetzt gerade in einer frühen Phase, mache eine Business Angel Finanzierungsrunde. Ich spreche mit Investoren. Idealerweise wurde ich vorgestellt von irgendjemandem, sodass das nicht wie so ein Cold Call rüberkommt, sondern irgendjemand macht ein Intro, wie du. Hast du mal Lust, mit Tim zu reden? der hat da, glaube ich, was Neues vor und du möchtest, sprich doch mal mit ihm. Ganz niederschwellig. Sodass der Business Angel dann sagt, ja, mach mal ein Intro. Dann spricht man mit dem, stellt dem das vor, sollte natürlich über ein gewisses Storytelling eine gewisse Begeisterung erzielen. Und dann habe ich am Ende immer gefragt, wenn dich das interessiert, dann lasse ich dich gerne weiter im Loop. Wenn es dann soweit ist, sehr, sehr, sehr niederschwellig. Also schon gar nichts Schriftliches, aber selbst das Mündliche sehr, sehr weich. Man sagt sehr viel Ja. Und wenn man dann genügend Jahresversammlung hat, idealerweise vielleicht so das Drei- bis Fünffache der geplanten Summe, je nachdem, wie sicher man sich dann da fühlt, je stärker sollte man es sozusagen überkommetten, dann telefoniert man den nochmal ab und sagt, du, wir sind jetzt weiter, wollen jetzt die Runde machen. Dann haben wir es ungefähr so Zusagen in der größten Ordnung von 3x, x ist die Summe, die wir brauchen, möchte sie weiterhin dabei bleiben. Und vielleicht auch mal die Zahlen sehen, kann man ja einen Businessplan zeigen, haben wir bis jetzt noch nicht gemacht, wir haben ja so über die Vision, Story gesprochen. Dann ist es ein bisschen verbindlicher, aber auch da würde ich noch fragen. Erstmal das Ganze immer niederschwellig halten. Und dann habe ich auch immer mit denen eine Art Reverse-Due-Diligence gemacht und gefragt, erzähl mal, was bist du für ein Investor, sodass die auch spüren, ich nehme nicht jeden. Wie lange bleibst du gerne dabei? Wie involviert möchtest du sein? Welche Beiträge kannst du bringen? Mir war wichtig, dass es eine gleichberechtigte Partnerschaft wird. Die einen geben Geld und Input, ich investiere meine Lebenszeit und so macht man das dann zusammen. Und auch da wieder möglichst niederstellig. Und dann, wenn es dich weiterhin interessiert, wir haben immer noch großes Interesse, wir sind zweifach überzeichnet. dann würde ich dir gerne ein Termsheet mal schicken. Diese Termsheets hatte ich schon immer sehr konkret gemacht. Da standen alle wesentlichen Faktoren drin.
Iskender Dirik: Moment, du hast ein Termsheet.
Tim Stracke: Genau. In der Regel haben wir denen immer die Turnsheets geschickt. Das war nicht immer so, aber in den meisten Runden, selbst in der großen Runde am Ende, wo wir über 100 Millionen Euro geracet haben, haben wir die Turnsheets rausgeschickt. Die große Frage ist immer, schreibt man die Summe rein, schreibt man nicht rein. Wir haben die Bewertung immer vorgegeben. Wir haben immer gesagt, hier, das ist die Bewertung. Wir haben immer sehr fair gesetzt. In allen Runden hätten wir höhere Bewertungen durchsetzen können. Wir haben teilweise Turnsheets zurückbekommen, wo die Investoren die Summe durchgestrichen haben und eine größere reingeschrieben haben. Wir haben dann aber, ich erinnere mich noch an ein Telefonat, das einer gemacht hat, wir haben ihn nicht genommen, weil wir uns halt für General Atlantic aus verschiedenen Gründen entschieden haben. Da rief der an und meinte, hat sich entschuldigt, meinte, du kam das komisch rüber. dass wir die Summe von unserer Seite erhöht haben, weil wir nicht unbedingt mitmachen wollten. Nee, das war nicht der Grund, warum wir dich rausgenommen haben, aber wir haben die Werte so festgelegt und haben die fair gefunden. Es gibt natürlich auch Hype-Phasen, wo es vielleicht mal clever sein kann, in das Termsheet ein Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen reinzuschreiben und sagen, jetzt schreibst du die Summe rein. Unser Anwalt hat mir damals geraten, das anders zu tun. So 2021, ziemlich gehypte Phase, der hat gesagt, hey, du wirst wahrscheinlich größere Zahlen kriegen. Aber wir hatten ein Ziel, was wir in der Bewertung haben wollten und das war uns wichtig und deswegen haben wir da keine... Auktion rausgemacht sozusagen, sondern wir haben die Zahl reingeschrieben. Aber das kann man, glaube ich, nicht pauschal sagen. Aber dieser niederschwellige Weg, immer überzeichnet sein und dann die Termsheets, selbst wenn die Summe nicht drinsteht, da wird schon immer möglichst viel vorgeben, dass man da möglichst wenig Diskussionen hat. Und die Vorgaben natürlich so machen, dass sie angemessen ist. und beidseitig fair.
Iskender Dirik: Das ist ja ein starkes Zeichen für General Atlantic, was du eben gesagt hast, dass sie den Deal gewonnen haben, trotz niedrigerer Bewertung. Warum?
Tim Stracke: Eine niedrigere Bewertung ist zwar die, die wir vorgegeben hatten.
Iskender Dirik: Beziehungsweise, genau, niedriger als das Konkurrenzangebot, wo jemand nochmal einen draufgelegt hat. Warum hast du dich am Ende für General Atlantic entschieden?
Tim Stracke: Damals spielte für uns die Kompetenz eines Börsengangs, die General Atlantic da mitgebracht hat, eine sehr große Rolle. Und wir haben damals auch gedacht, dass wenn ein Börsengang, wahrscheinlich ein europäischer Börsengang, für uns das Richtige ist, da hatten wir das klare Gefühl, wir hatten glaube ich sechs Termsheets, dass General Atlantic derjenige ist, der uns da am besten unterstützen kann. Der Börsengang hat am Ende nicht stattgefunden. Trotzdem war man der Meinung, dass es ein, oder auch Rückblick muss man sagen, war es die richtige Entscheidung. Die haben uns noch sehr viel geholfen, die Company zu institutionalisieren.
Iskender Dirik: Jetzt hast du gesagt, du achtest auch darauf, den Investor zu validieren. Ganz wichtig, was der an Mehrwert reinbringen kann. Jetzt habt ihr, wie ich eben gesagt habe, ich weiß nicht, spreche ich die richtig aus, Aglaé?
Tim Stracke: Aglaé, also das ist das Family Office der Arnault-Familie.
Iskender Dirik: Genau, also da gehört auch LVMH dazu, größter Luxuskonzern der Welt. Wenn wir jetzt über Uhren sprechen, was da drin, TAG Heuer, Hublot, Bulgari unter anderem.
Tim Stracke: Zenith noch.
Iskender Dirik: Zenith, habt ihr da... mehr, also über das Geld hinaus, Value draus ziehen können?
Tim Stracke: Ich stelle die Frage jetzt aus der
Iskender Dirik: generellen Perspektive von Value eines strategischen Investors. Eine Frage, die viele Gründer umhertreibt.
Tim Stracke: Ja, also da bin ich immer sehr zurückhaltend, was die, der Nutzen eines strategischen Investors angeht. Da bin ich auch ganz offen und ehrlich. Das ist meistens nicht so viel. Was der Grund war, warum wir LVMH mit dazugenommen haben und ich sage ganz bewusst hier mal LVMH, weil es natürlich ein Name ist, der extrem viel Vertrauen überträgt. Wenn du in Gesprächen mit anderen Investoren bist und kannst sagen, dass der größte Luxusunternehmer der Welt und der größte Luxuskonzern der Welt bei dir beteiligt ist. Das ist natürlich sehr, sehr vertrauensbildend.
Iskender Dirik: Dann ist das auch strategischer Value, oder?
Tim Stracke: Das war ähnlich auch bei den, wenn wir auch einmal in der einigen private Person, die für ihre Uhrenleidenschaft stehen, dazu genommen. Da haben wir ja auch nicht erwartet, dass die uns jetzt täglich beim Geschäft helfen können, sondern es ist natürlich auch ein Stück weit Übertragung der eigenen Marke auf das Unternehmen.
Iskender Dirik: Ja, okay. Also die Story hast du wahrscheinlich jetzt schon oft erzählen müssen, aber ich als Fußball- und Uhrenfan muss die dir jetzt natürlich auch stellen. Also eine dieser Personen, von denen du sprichst, ist Cristiano Ronaldo, hat in euch investiert. Jetzt brauche ich dir wahrscheinlich die Frage nach dem Sinn und Zweck nicht stellen, weil du sie eigentlich gerade schon beantwortet hast. Wie kam der Deal zustande? Wie gewinnt man Cristiano Ronaldo als Investor?
Tim Stracke: Ja, wir haben uns grundsätzlich erst mal die Frage, generell die Entscheidung gefällt, dass wir, nachdem wir Investoren hatten, die sich sehr, sehr gut mit Marktplätzen auskennen, dann haben wir auch Investoren, die uns helfen konnten, das Geschäft zu institutionalisieren. Wir haben irgendwann auch asiatische Investoren dazugenommen, die uns... helfen konnten, dort ein Netzwerk aufzubauen. Und dann haben wir irgendwann gesagt, naja, eigentlich was da noch fehlt, sind einfach berühmte Privatpersonen, die halt auch mit ihrer Leidenschaft für die Uhren stehen. Und dann haben wir an Sportler gedacht und an Musiker. Wir haben so mit einem Musiker, mit einem Rapper Gespräche geführt. Jay-Z haben wir beispielsweise Gespräche geführt. Und eben mit einigen Sportlern und haben dann natürlich auch so versucht, verschiedene Sportarten abzudecken, also Basketball, Football, Fußball, Formel 1 und haben da einfach geschaut, mit wem man da sprechen kann. Und am Ende die zwei Namen, die bisher veröffentlicht wurden, sind da dann Charles Leclerc, der auch für seine Uhrenleidenschaft steht, großer Richard-Mille-Fan, Formel 1-Fahrer für Ferrari. Und im Fußballbereich war natürlich ganz oben auf unserer Liste Cristiano Ronaldo. Und da hat am Ende auch General Atlantic uns geholfen, die Kontakte herzustellen, die damals über einen der Operating Partner Achenberg. der kannte den Fernando Carro in Leverkusen, der wiederum vorher in Madrid war und dann über die Kontakte, das waren wirklich viele Ecken, das Intro gemacht hat zu dem Management von Cristiano. Dann haben wir das erstmal dem Management vorgestellt, das hat zwei, drei Monate gedauert
Iskender Dirik: und irgendwann
Tim Stracke: schickt er mir eine Mail und meinte, I talked to Cristiano, he wants to invest.
Iskender Dirik: Musste Cristiano neben Geld dafür auch was tun? Oder reicht euch der Name? Der reicht euch?
Tim Stracke: Ja, das war bewusst eine Entscheidung, dass wir gesagt haben, wir wollen jetzt nicht irgendwas von Cristiano verlangen. Haben wir von den anderen Gesellschaften ja auch nicht verlangt. Aber wir haben natürlich gesagt, wenn sich jemand für Uhren interessiert, dann wird man sich auch für Chrono24 interessieren und ganz automatisch auch Dinge tun. Und wenn du natürlich anfängst zu diskutieren, okay, wir wollen aber drei Instagram-Posts von dir haben, dann sprichst du nicht mal mit ihm, dann sprichst du mit der Agentur, die die Instagram-Posts verwaltet. Und dann heißt es, ein Instagram-Post, ich kenne die Zahlen nicht. würde ich mal schätzen, 200 Millionen wird der Wert sein. Dann wird das alles reingerechnet und am Ende kaufst du das dann ja auch. Du kriegst ja nichts geschenkt. Dann haben wir gesagt, du musst gar nichts tun. Wir finden dich super. Wenn du dich für Hohen interessierst, wenn du dich für die Company investierst, dann darfst du investieren. Wir haben Cristiano einen hohen Discount angeboten auf das Investment, weil wir ihn natürlich auch gerne wollten. Wir haben es ihm leicht gemacht, wir haben es niederschwellig gemacht und dann haben wir gesagt, natürlich freuen wir uns, wenn du einen Instagram-Post machst. Hat er auch gemacht, aber wir haben nicht dafür bezahlt. Und natürlich freuen wir uns, wenn wir uns mal treffen können und da auch ein Foto gemeinsam machen können. Aber in den Verträgen stand nichts dran.
Iskender Dirik: Was wir mitnehmen können unter anderem ist, vielleicht der verlässlichste strategische Value, den man von einem strategischen Investor oder einem Investor, den man aus strategischen Gründen aufnimmt, der verlässlichste strategische Value ist der Name, weil da braucht man nichts für tun und alles, worauf du deine Hypothese... baust, was damit zu tun hat, dass ein Corporate oder in dem Fall ein bekannter Name für dich Synergien hebelt.
Tim Stracke: Das will ich nicht pauschalisieren. Aber in unserem Fall haben die Namen, und ich sage bewusst die Namen, und es war nicht nur Charles Leclerc und Cristiano. Auch ein Name wie Insight Partners war für uns damals total wichtig. Wir waren ein kleines, noch relativ unbekanntes Unternehmen aus Karlsruhe und dann investiert ein großer, renommierter US-Investor in uns. Das hat uns so viele Türen geöffnet und auch so viel Vertrauen in die verschiedensten Richtungen ausgestrahlt. dass viele andere Investoren danach sagten, hey, das muss ein cooles Unternehmen sein. Und so, deswegen, welche Investoren du auswählst, spielt schon eine große Rolle. Die andere Sache ist auch, wie viele Leute kriegst du ins Board? Da hatten wir auch, waren wir total happy, wenn wir da dann, wer uns dann für ein jeweiliges Unternehmen betreut hat. Das haben wir uns natürlich auch vorher angeschaut und mit denen gesprochen. Wer geht dann ins Board rein? Jetzt investierst
Iskender Dirik: du ja selbst als Angel, auch aktiv. Wonach schaust du? Welche Art von Gründern sollte sich bei dir melden für ein Angel-Investment?
Tim Stracke: Naja, ich mag natürlich Marktplätze, aber ich bin jetzt auch nicht ausschließlich auf Marktplätze fokussiert. Und ich finde die Gründerpersönlichkeit, die spielt schon eine sehr, sehr große Rolle. Also was ich an Gründern wirklich mag, ist dieses Gewinnen wollen. Das ist vielleicht auch etwas, was man dann schnell auch von sich selbst, irgendwie projiziert. Ich war schon auch einer, ich wollte immer gewinnen. Und ich finde auch, das siehst du bei anderen Gründern, bei erfolgreichen Gründern häufiger, dass die auch, egal was sie machen, wenn du mit denen irgendwie ein Boardgame spielst oder irgendwie, es sind auch sehr kompetitive Menschen. Auch nicht ganz unanstrengend. Aber das ist schon etwas, was ich sehr mag. Ich mag es sehr, wenn ein hohes Verständnis von Kunden da ist, wenn man die Kunden gut versteht. Also entweder man kommt aus der Industrie, aber was ich auch schon sehr hilfreich finde, selbst wenn man nicht aus der Industrie kommt, wenn man wirklich ein regelmäßiger Kunde dieser Kategorie ist. Extremfall würde ich jetzt an einen Gründer investieren der einen Uhrenmarktplatz aufbaut, der keine Uhren trägt ehrlich, Schwierigkeiten aber ich glaube, du kannst dich nicht richtig in den Kunden reinversetzen da waren wir übrigens bin ich mir nicht mit allen Investoren immer einig gewesen, da gab es auch Investoren bei uns im Gesellschaftskreis die da eine fundamental andere Meinung hatten. Die sagten, es ist gerade wichtig, dass du nicht über deine Passion zu stark gefangen bist. Und das gilt vielleicht auch für einige andere Kategorien. In der Kategorie Uhr würde ich ganz klar sagen, wenn du keine Uhren trägst, verstehst du es einfach nicht. Dann wirst du dich sehr schwer tun, deine Kunden zu verstehen.
Iskender Dirik: Wir haben noch zwei Zuschauerfragen, bevor ich in den persönlicheren Teil wechseln möchte. Und da wird es nicht überraschenderweise um Uhren vor allen Dingen gehen. Die erste Zuschauerfrage kommt von dem lieben Björn Sikora vom HTGF. Der fragt mich, was ist schwerer zu erkennen? Eine unterbewertete Uhr, ein unterbewertetes Unternehmen oder ein unterschätzter Gründer? Ich glaube,
Tim Stracke: eine Uhr ist das schon am einfachsten. Ich meine, Uhren haben ja schon Marktpreise und Uhren sind mittlerweile eine vergleichsweise liquide Anlageklasse. Ähm... Aber jetzt geht die Frage wahrscheinlich gar nicht so sehr in den Marktpreis, sondern die Frage, wie entwickeln sich die Uhren dann in Zukunft? Ich glaube, wenn man sich in einer Kategorie richtig gut auskennt, wenn man sich mit Aktien und Uhren richtig gut auskennt, glaube ich, kann man mit Uhren mehr Geld verdienen als mit Aktien. Ich glaube, Aktien sind am Ende dann doch die Liquidere und ich meine, da gibt es ja auch viel Theorie, dass es schwierig ist, den Markt zu schlagen am Kapitalmarkt und da würde ich mal vermuten, dass du das am Uhrenmarkt leichter schaffst, den Markt zu schlagen als am Kapitalmarkt.
Iskender Dirik: Das ist eine starke Aussage, da möchte ich gleich nochmal drauf zurückkommen. Noch kurz die nächste Zuschauerfrage von Josef Johannes. Welchen Fehler aus deiner Laufbahn als Unternehmer würdest du heute trotzdem noch einmal machen, weil du so viel daraus gelernt hast?
Tim Stracke: Die beiden Akquisitionen, die nicht erfolgreich waren. Da glaube ich, dass die, nicht, dass ich da unbedingt so viel daraus gelernt habe, aber ich glaube, sie waren für das Unternehmen, für die Selbstfindung und die Definition des Unternehmens schon eine sehr, sehr, sehr wichtige Erfahrung. Gar nicht so sehr für mich, sondern auch für das ganze Unternehmen. Also diese Akquisitionen haben dem Unternehmen viel Geld gekostet. Ich würde trotzdem sagen, Sie waren wichtig. Aber ich bin auch heil, heil, heil froh, dass wir die ursprüngliche Akquisition, die wir in den Weg gezogen haben, nicht gemacht haben.
Iskender Dirik: Aus den ersten beiden Fehlern gelernt. Und nicht gemacht, oder? Oder hattet ihr die Learnings da noch nicht?
Tim Stracke: Nee, nee, wir haben die große abgesagt und die beiden kleineren dann gemacht.
Iskender Dirik: Okay, so war das.
Tim Stracke: Und da konnten wir verkraften, dass das nicht so geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt haben. Die große Akquisition, da bin ich mir nicht sicher, ob wir das überlebt hätten.
Iskender Dirik: Okay. Für alle, die kein Interesse an dem Thema Uhren haben, ist jetzt so ein bisschen der Breaking Point. bleibt gerne dabei, wenn ihr ein bisschen mehr über Uhren erfahren möchtet, aber es wird jetzt immer nerdiger, zunehmend nerdiger, weil ich möchte jetzt, wenn ich Tim da schon hab und ich hab auch eine Passion für dieses Thema, dann möchte ich das auch nutzen. Wir fangen erstmal an. mit dem persönlichen Gegenstand, den du mitgebracht hast. Wir haben schon eingangs gesagt, es ist die erste Uhr, die du bei Chrono24 gekauft hast. War das, bevor Chrono24 dir gehörte oder danach? Das war noch davor.
Tim Stracke: Das war davor, ja.
Iskender Dirik: Wow, du warst also sogar ein Kunde des Marktplatzes, den du dann gekauft hast.
Tim Stracke: Naja, wir hatten es schon im Auge. Die Verhandlungen liefen schon. Ich wollte es dann auch einfach mal ausprobieren. Ja, und es waren in mehrfacher Hinsicht, ist das eine besondere Uhr. Ich trage sie leider gar nicht mehr so häufig. Also, kannst du ja mal zeigen. Das ist eine Jaeger-LeCoultre Memovox. Also, 38 oder 37 Millimeter. Aber sie, also, erst mal von der Symbolik her ist es eine Uhr, die mir meine Eltern geschenkt haben. Mhm. Und ich habe damals meinen Eltern geholfen, das elterliche Unternehmen zu verkaufen.
Iskender Dirik: Was war das?
Tim Stracke: Das war ein mittelständisches oder kleines Handwerksunternehmen im Sauerland, was so Gaststätteneinrichtungen gebaut hat. Und das war natürlich auch mal so eine Frage. kommt der Tim ins elterliche Unternehmen oder nicht? Habe ich am Ende dann dagegen entschieden und meine Eltern haben dann auch hier bei Chrono24 ein klein bisschen investiert und haben wahrscheinlich mit diesem Mini-Angel-Investment mehr verdient, als mit 60, 70 Jahre harter unternehmerischer Arbeit über zwei Generationen. Aber meine Eltern haben mir dann diese Uhr geschenkt. Ich habe mir die dann aber selbst gekauft. Und ich habe mir die zu meiner Hochzeit, also das war sozusagen der Zeitpunkt kurz vor meiner Hochzeit, gekauft, dass ich die auch an meiner Hochzeit tragen konnte. Also es ist viel Symbolkraft drin, zur Hochzeit gekauft und meine Eltern haben sie mir geschenkt aufgrund dieses Unternehmensverkaufs. Und das war die erste, wo ich den Chrono24 gekauft habe. diese Memovox Railway, man kann das jetzt mal hören, die hat einen mechanischen Wecker.
Iskender Dirik: Oh wow.
Tim Stracke: Und ich fand das immer schon so ein toller Anachronismus in einer Welt, wo eigentlich alles nur noch piept und digital ist, eine Uhr zu haben, die einen Wecker hat, der mechanisch funktioniert. Nutze ich das jetzt so wahnsinnig oft? Nee, wenn ich morgens aufstehe, ist mir das iPhone dann am Ende etwas sicherer. Aber ich fand es irgendwie spannend. Die Marke G.L.C. hat mich auch schon mal begeistert. Und diese Memovox fand ich schon immer ganz cool. Ich habe mir da sogar noch mal eine gekauft, die Memovox International. Das ist so eine etwas größere. Weil irgendwann war mir die dann doch zu klein und deswegen habe ich mir noch mal eine größere später gekauft. Die International, die auch die ganzen Zeitzonen mit eingetragen hat auf dem inneren Zifferblatt.
Iskender Dirik: Also daran erkennt man schon mal einen Uhren-Nerd an der Aussprache dieser Marke. Der Tim sagt nämlich nicht Jaeger-LeCoultre, sondern GG. Die, die sich da fein raushalten, sagen einfach GLC.
Tim Stracke: Ja genau, ich wollte gerade sagen, GLC geht halt auch.
Iskender Dirik: Das ist, wie sagt man, der Uhrenmacher der Uhrmacher. Für die, die es nicht so kennen. beliefern mit ihren Werken sehr viele der ganz großen Marken, schon seit sehr, sehr langer Zeit.
Tim Stracke: Es gibt gerade auch, oder es gab Gerüchte, die sind jetzt ein bisschen verstummt, dass das die rausgekauft werden soll vom Richemont-Konzern. Ich hätte das sehr begrüßt, wenn das noch eine weitere unabhängige Marke gegeben hätte, aber ich habe mich schon immer sehr gefragt, warum sollte Richemont genau diese Marke, die halt für Uhrmacherkunst steht und so die Uhrenmarke der Uhrmacher, warum sollen sie die abgeben? Ist jetzt auch nicht passiert, aber ich hätte es auf jeden Fall gut gefunden, wenn es nochmal eine weitere unternehmerische Marke gegeben hätte.
Iskender Dirik: Warum Uhren, Tim? Warum hast du eine Passion für Uhren?
Tim Stracke: Mich hat Technik schon immer begeistert. Also meine Leidenschaft kommt eher über die Technik und Mechanik. Und weniger über die großen Marken. Ich habe als Kind schon immer Technik und Mechanik geliebt. Das war dann früher Lego Technik, irgendwann freigesteuerte Autos, dann Flugzeuge und kann mich heute noch für Technik und Mechanik begeistern. Und dann, als irgendwann mal mir klar wurde, dass man diese Mechanik auch am Handgelenk tragen kann, hat mich das einfach sehr, sehr begeistert. Aber ich muss auch ganz offen sagen, dass diese Begeisterung dann auch mehr über die Technik geht und ein Stück weit weniger jetzt über diese ganz großen Marken. Also ich kann mich wirklich auch einfach über die Mechanik begeistern und ich würde halt nie eine Quarzuhr tragen. Das ist für mich halt ein No-Go, auch wenn irgendwie ein Patek Philippe-Logo drauf wäre.
Iskender Dirik: Da bin ich ein bisschen offener, glaube ich. Aber gut, der Effe Fontänen hat eine Zuschauerfrage. Was war deine erste Uhr und zu welchem Anlass hast du sie bekommen? Die erste Uhr
Tim Stracke: war eine Swatch Red Ahead, die ich mir selbst gekauft habe.
Iskender Dirik: Ich kenne das Modell sogar noch.
Tim Stracke: und die war schon gebraucht damals und die hatte damals auch schon ein mechanisches Werk und das hat mich damals schon fasziniert, dass man da über den Glasboden dieses mechanische Werk auch sehen konnte. Die ist dann aber irgendwann weggekommen, aber ich habe sie mir vor ein paar Monaten nochmal neu gekauft und habe sie jetzt wieder. Aber ich habe sie noch nicht, um ehrlich zu sein, ich habe sie noch nicht aufgetragen. Auch im Tresor, im Bankschließfach, obwohl sie vielleicht nicht den Wert hat. Meine erste richtige Uhr. Also Luxus-Uhr war eine IWC-Fliegeruhr Mark 12. Das war auch ein Geschenk meines Eltern zu meinem Diplom. Aber ich habe mir die selbst gekauft. Und die habe ich, da gab es Chrono24 noch nicht, die habe ich bei eBay gekauft. Auch gebraucht, über einen treuen Service, den eBay damals hatte.
Iskender Dirik: Stimmt.
Tim Stracke: Den haben die irgendwann mit abgeschafft. Aldox hat den, glaube ich, abgewickelt hier in Deutschland. Und ich fand das echt ein ganz cooles Einkaufserlebnis.
Iskender Dirik: Ja.
Tim Stracke: Ich habe gedacht, so echt eigentlich ganz cool. Ich habe die wirklich auf einen sehr guten Preis bekommen. Und dann wollte ich die irgendwann mal verkaufen, weil ich mir eine andere Uhr kaufen wollte. Und dann habe ich gesehen, dass die mittlerweile sich im Wert verdreifacht hatte. Und dann habe ich sie schön im Schrank liegen gelassen. Ja, dann machen wir weiter so. Und bin sehr, sehr froh, dass die heute noch da liegt, auch vom komediellen Wert her.
Iskender Dirik: Ich habe meine erste zufällig vor ein paar Tagen auf einem alten Bild gesehen. War auch eine Swatch. Die sah aus wie so eine Daytona irgendwie. Ich wusste damals nicht, was eine Daytona ist.
Tim Stracke: Was trägst du denn heute?
Iskender Dirik: Also. Heute trage ich die erste teure Uhr, die ich mir hier gekauft habe. Und zweitens die erste Uhr, die ich mir bei Chrono24 gekauft habe. Nur das Armband, das NATO-Armband, habe ich mir später dazu geholt. Das ist eine Speedmaster Moonwatch, Omega Moonwatch, oder wie mein fünfjähriger Sohn sagt, die Mondsuhr. Der wird sie auch irgendwann bekommen, das gehört natürlich auch dazu. Ich habe vorhin vor unserer Aufnahme nachgeschaut, in Gmail habe ich die Mail gefunden damals, den Mailverkehr über Chrono24 mit dem Verkäufer damals, 3000 Euro gekostet, auch so ein bisschen zur Einordnung für diejenigen, die sich damit nicht so stark beschäftigen, also damals 3.000, in 2015 habe ich mir gekauft mit meinem ersten Bonus als VC, damals 2015, 3.000 Euro. Ich habe immer von Chatty irgendwie das Inflationsbereich nicht, das entspricht einer Kaufkraft von 4.000 Euro, sagt ChatGPT heute in etwa. Und heute kostet sie bei Chrono24 da 4.500 bis 5.500 so gebraucht und neu knapp unter 8.000. Also man kann, wie gesagt, für diejenigen, die mit dieser Welt noch nichts zu tun haben, man kann sie nur verkaufen, gekauft haben vor elf Jahren, sie elf Jahre lang tragen und sie für mehr Geld jetzt verkaufen. Das funktioniert schon. Wenn man die nicht die Uhr hat.
Tim Stracke: Nicht bei allen Modellen und Waffen, muss man ganz klar sagen. Aber wenn man die richtig erwischt, und zum Speedmaster gehört das ja auf jeden Fall dazu. Das ist ja eine wahnsinnig ikonische Story. Das war die erste Uhr, die auf den Mond getragen wurde. Dies übrigens, kennst du die Geschichte? Weißt du, dass die nicht mehr existiert? Neil Armstrong und Buzz Aldrin sind ja runter auf den Mond und Armstrong hat seine Ohren gelassen.
Iskender Dirik: Ah, nee, das wusste ich nicht.
Tim Stracke: Der hat sie im Mutterschiff gelassen und Buzz Aldrin hat sie mitgenommen. Also eine Ohr wollten sie halt haben. Und war wahrscheinlich auch Gewichtssparen der Grund. Und die sollte dann irgendwann in einem Smithsonian-Museum in Washington ausgestellt werden. Und dann hat das Audrin wieder hingeschickt, unvorsichtigerweise. Und diesmal ein versandter Pannen gekommen. Das Traurige ist halt, wer weiß, vielleicht existiert sie noch, aber niemand weiß, dass es halt diese Uhr war. Und das ist ja eine der ikonischsten Geschichten, die die Uhrenbranche erzählt. Immer noch. Heißt ja auch Moonswatch. Und die wäre ein Vermögen wert. Die wäre sicherlich hochschienenstellig wert, wenn man diese Uhr noch irgendwo mal wiederfinden würde.
Iskender Dirik: Ganz wichtig für das Storytelling von Omega, also wenn es die Geschichte nicht gegeben hätte, wäre das sehr wahrscheinlich nicht so ein großer Erfolg gewesen.
Tim Stracke: Das kann man sicherlich so sagen.
Iskender Dirik: Wie muss man sich denn deine Sammlung so vorstellen?
Tim Stracke: Die ist gar nicht so groß, wie die meisten denken. Ich habe da über einige Uhren auch schon immer wieder gesprochen. Ich mag Uhren, mit denen ich eine Geschichte verbinde. Entweder ein besonderer Moment oder die von einer besonderen Person ist. Und das ist etwas, was mich begeistert. Aber ich habe jetzt gar nicht 20 Uhren. Da denken viele, es wäre viel, viel mehr.
Iskender Dirik: Ja, 10. Das muss ich hier, wie Kollege Philipp Westermeyer, muss ich jetzt hier nachbauen. Sehen Sie hier 10 oder 8?
Tim Stracke: Nein, es sind 20.
Iskender Dirik: Es sind 20? Okay, es ist keine 20, dachte ich. Okay, es sind 20.
Tim Stracke: Es sind circa 20, glaube ich.
Iskender Dirik: Weißt du schon, was als nächstes kommt? Bist du so einer, der immer weiß, was dann oder viel Gedanken dazu macht?
Tim Stracke: Ich habe immer irgendwas im Kopf. Ich habe letzte Woche, vor drei, vier Wochen habe ich eine Uhr auf Chrono24 gekauft beziehungsweise ein Angebot abgegeben und das war die von Moser, die Swiss Alp, die Final Edition. Das ist eine Uhr, die genauso aussieht wie die Apple Watch 1, also die erste Apple Watch, also eine schwarze Uhr, genau das Gehäuse. Und sie hat unten auch wie diese Akku Zeiger. ein mechanisches Rad. Aber es ist komplett mechanisch. Und das war ein japanischer Käufer. Ich mag auch die Marke Moser sehr gerne. Dann habe ich sein Angebot abgegeben. Er hat ein Gegenangebot gemacht. Ich habe noch 200 Stunden drüber nachgedacht. Da habe ich mich ein bisschen geärgert. Auf der anderen Seite habe ich auch gedacht so, Ich bin ja schon so ein Freund von Understatement und das ist natürlich das maximale Understatement, wenn du eine mechanische Apple Watch sozusagen oder eine Uhr im Apple Watch Design trägst. Und Moser ist oft so eine Marke, die auch so Uhren mit so gewissen Augenzwinkern produziert oder auch bewirbt. Am Ende habe ich dann aber auch gedacht, vielleicht ist es doch nicht so gut, wenn Menschen plötzlich denken, ich würde wirklich eine Apple Watch tragen. Du würdest es wahrscheinlich noch merken, aber einige andere nicht. Ja. Und da habe ich gedacht so, ach, vielleicht ist es doch ganz gut, dass die jetzt irgendwo anders hingegangen ist. Aber so ein bisschen ärgert hat die mich schon.
Iskender Dirik: Aber das ist ein interessanter Punkt, jetzt diese, genau, was andere drüber denken. Dazu gehört ja auch, dass diese Welt schon einen signifikanten Teil davon lebt, auch wenn wir uns beide natürlich ausnehmen, davon, dass Menschen zeigen wollen, was sie sich leisten können. Wird dir das oder bar dir das manchmal zu oberflächlich? Oder kannst du dich davon distanzieren?
Tim Stracke: Da kann man sich, glaube ich, nicht von distanzieren. Ist es oberflächlich? Nee, ist es nicht. Ich meine... Die Klamotten, die ich kaufe, das ist ja nicht nur die Marke, sondern auch, wie sieht es aus, das Design, gehe ich zum guten Friseur oder schneide ich mir die Haare selbst, steige ich in ein williges Auto, also du zeigst immer so ein bisschen, wer du bist, du bist halt dessen, was du so um dich herum hast. Wir haben eine Studie gemacht bei Chrono24, wo wir mal angeschaut haben, in welcher Reihenfolge kaufen denn Menschen Marken. Und wir haben da so ein Tool, wo du deine Uhr fotografieren kannst und dann wird die Uhr in eine virtuelle Sammlung gelegt und dann kannst du den Wert dieser Uhr tracken über die Zeit. Ähnlich wie so ein Aktienportfolio. Also hast du wahrscheinlich auch schon mal gemacht, dass du deine Daten hochgeladen hast. Da liegen mittlerweile circa 70 Milliarden Euro in Form von Uhren drin. Das ist wertmäßig 7-8% des gesamten Uhren-Universes, also was es an Uhren in den weltweiten Schubladen und Tresoren gibt. Und wenn du so eine Uhr hochlädst, musst du halt auch sagen, wann hast du die gekauft und zu welchem Preis hast du die gekauft. Und da kann man sehr schön sehen, in welcher Reihenfolge kaufen Menschen Uhren. Und wenn du jetzt mal so die großen Marken nimmst, die Top 20 Marken, Was glaubst du denn, was so eine typische Einsteigermarke ist? Die am Anfang noch eine hohe Kaufwahrscheinlichkeit hat, die aber mit Nummer zwei, Nummer drei, Nummer vier immer weiter abnimmt. Also, was glaubst du, ist die Marke, die am stärksten abnimmt von der ersten Uhr in der Sammlung zur zwanzigsten Uhr in der Sammlung?
Iskender Dirik: Es wäre natürlich die safe, also ich weiß nicht, wie safe ist die Antwort zu sagen Rolex, weil das oft das Erste ist, an das jemand
Tim Stracke: mit dem Thema... Rolex ist interessanterweise die Marke, die eine absolute Konstanz in der Kaufwahrscheinlichkeit hat. Also die Wahrscheinlichkeit, dass deine erste Uhr eine Rolex ist, ist nahezu exakt so wahrscheinlich, wie die Wahrscheinlichkeit, dass da eine 20-Sewel in Rolex ist.
Iskender Dirik: Spannend.
Tim Stracke: Also die Kurve ist absolut gerade. Und korreliert die mit dem Preis?
Iskender Dirik: Also das wäre jetzt auch eine Annahme, dass das mit dem Preis korreliert, also dass die erste eher, die Marke eher günstiger ist als die, die dann folgen, oder gibt es da keine Abhängigkeit?
Tim Stracke: Zum Teil. Also Rolex ist ja grundsätzlich keine günstige Marke, aber trotzdem eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit. Also es ist auf jeden Fall die wahrscheinlichste Uhr, einfach aufgrund der Bekanntheit der Marke, ist Rolex immer noch die wahrscheinlichste Uhr, die ich am Anfang kaufe. Aber es ist eine Marke, wo die Wahrscheinlichkeit konstant bleibt. Und was ist die Uhr, schätze mal, was ist die Uhr, dessen Wahrscheinlichkeit sinkt?
Iskender Dirik: Wo die Wahrscheinlichkeit sinkt. Nee, Tudor ist ein relativ neues Phänomen, glaube ich, verhältnismäßig, oder?
Tim Stracke: Ja. Ist aber sicherlich auch eher eine Einsteigeruhr. Du fängst wahrscheinlich eher mit Tudor an. Also Omega? Das ist Tag Heuer.
Iskender Dirik: Tag Heuer, okay.
Tim Stracke: Also eine deutlich größere Wahrscheinlichkeit wird nachvollziehbar.
Iskender Dirik: Ja, stimmt.
Tim Stracke: Das macht Sinn. Noch eine spannende Frage. Was schätzt du denn ist auf der anderen Ende der Skala? Also welche, wo glaubst du, hat eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit an Platz 20 zu stehen versus Platz 1?
Iskender Dirik: Jetzt denken wir alle an Patek. Jetzt denken wir alle an Audemars.
Tim Stracke: Das denkt man natürlich an Patek, aber es gibt viele Menschen, die kaufen sich eine einzige Uhr und das ist eine Patek Philippe. Es gibt schon viele, die auch als eine erste Uhr eine Patek Philippe kaufen.
Iskender Dirik: Okay. Also dann Rolex. weil das so beständig ist, wie du eben gesagt hast.
Tim Stracke: Rolex ist konstant, ja.
Iskender Dirik: Genau. Ach so, okay. Und jetzt geht es um eine Uhr, die am Ende steht, aber nicht am Anfang.
Tim Stracke: Ja, die deutlich wahrscheinlicher am Ende steht, als am Anfang.
Iskender Dirik: Jetzt so eine Richard Mille, eine John.
Tim Stracke: Das weiß ich nicht, ob die Marke in der Studie mit drin war. Das ist wahrscheinlich auch zu. Wir haben das mit über 20 Marken gemacht. Das war ein Rassent.
Iskender Dirik: Das macht richtig Sinn. Da hätte ich eigentlich drauf gehofft. Finde ich auch. Das macht richtig Sinn.
Tim Stracke: Ja.
Iskender Dirik: Das macht richtig Sinn. Weil die ist ja auch gerade wieder so ein großes, ich finde. sehr gehypt, die Overseas
Tim Stracke: und auch die 222. Ja, ist es, aber ich habe auch eine Overseas und ich war vor einem Jahr mal auf so ein Fußballspiel eingeladen und da saß mir jemand gegenüber, der auch eine Vacheron hatte und dann habe ich natürlich auch gedacht, das muss ein Uhrensammler sein, du kaufst selten eine Uhr und das ist eine Vacheron. Das stimmt. Und war aber nicht so, war auch eine Overseas Und dann meinte er auch, dass er bewusst eine Uhr gesucht hat, die maximal Understatement ist. Aber unter Sammlern sehr hoch angesehen.
Iskender Dirik: Ja.
Tim Stracke: Und wenn man jetzt schaut, eine Patek oder eine Richard Mille ist vielleicht gerade eine Patek unter Sammlern schon auch sehr angesehen, aber ist kein Understatement. Kennen dann doch viele. Aber Vacheron kennen viele nicht. Ist aber dann doch sehr angesehen.
Iskender Dirik: Und ist Teil der Holy Trinity. Also du hast trotzdem, bist du in der Champions League ganz oben.
Tim Stracke: Und interessanterweise, obwohl es eine Uhr ist, die nicht in Familienhand liegt, sondern bei Richemont. Aber ich trage die auch ganz gerne, eben auch aus genau diesem Grund.
Iskender Dirik: Das macht richtig Sinn. Da bin ich jetzt enttäuscht von mir selbst. aufkommen müssen. Gibt es gerade eine kleine Marke, von der du glaubst, dass sie in 10 Jahren zu einer
Tim Stracke: großen wird? Also generell laufen diese kleinen Marken wie Ambien F, Moser, F.P. Journe, die entwickeln sich gerade sehr, sehr, sehr gut. Aber man muss trotzdem sagen, dass diese Entwicklungen sehr, sehr langsam gehen. Also heute klein, in zehn Jahren groß, ich glaube, das gibt es nicht. Selbst wenn groß jetzt nicht Omega-groß ist. Ich weiß schon, wie du das gemeint hast. Weil du musst natürlich auch, um die Glaubwürdigkeit einer Marke zu halten, darfst du nicht deine Produktionsprozesse irgendwie... Du willst die ja selbst bauen, die Uhren, sonst hast du natürlich auch da nicht die Glaubwürdigkeit. Und allein die Produktionsprozesse lassen es einfach nicht zu, dass man so explosionsartig wächst. Es ist vielleicht, dass die Begehrlichkeit immer weiter wächst, aber generell sind diese kleinen Marken... ganz gut im Kommen gerade, vielleicht auch ein bisschen bei einer gewissen Langeweile bei den großen Marken gekommen ist, auch wenn man jetzt gemerkt hat, dass nach dem Hype das erstmal so eine Durchartenphase gibt. Das wird viel in der Wohnbranche diskutiert, aber es ist jetzt nicht so, dass es da so den einen Namen gibt, der da gerade heraussteht. Ich frage das übrigens auch viel. wenn ich so in der Branche unterwegs bin. Aber es ist, glaube ich, gar nicht so leicht zu sagen. Da wird ja auch Gründer geführt, da hängt es ja oft davon ab, sind die Gründer auch langfristig dabei oder schaffen die es, das auch weiterzugeben. Das ist dann ja auch immer eine sehr große Challenge.
Iskender Dirik: Was sind sonst noch so die Top-Trends gerade am Uhrenmarkt, aus deiner Sicht?
Tim Stracke: Ein etwas größerer Trend ist schon so, nachdem vor 5-6 Jahren, also während der Hype-Phase, sehr stark die Sportmodelle im Fokus standen, sind das jetzt schon wieder deutlich stärker. Also die Fashion-Uhren, auch Gold-Uhren, kleinere Uhren, die man da wieder trägt, sieht man auch an dem explosionsartigen Wachstum von Cartier. Das ist wahrscheinlich zum Beispiel eine große Marke, wenn man Schmuck mit hinzunimmt. Im Uhrenbereich sind sie ja gar nicht so riesig groß. Aber die haben wahrscheinlich das beeindruckendste Wachstum in den letzten drei, vier Jahren hingelegt. Ich muss ganz ehrlich sagen, bei mir ist es nicht so richtig angekommen. Aber ich bin da schon mittlerweile ein bisschen so eine Außenseiter. Also alle reden gerade viel von Cartier.
Iskender Dirik: Oh nee, Tim, komm. Ist nicht so einer. Ich liebe Cartier. Ich liebe Cartier. Ich habe eine Santos Carrée, 29 cm. Da würde Tim Stracke jetzt sagen, eine Frauenuhr. Darüber können wir uns jetzt streiten. Das erspare ich jetzt meinen Zuhörern.
Tim Stracke: Ich bin auch damals, als wir eben über die erste richtige Uhr gesprochen haben, die IWC Mark 12. Ja. Da bin ich auch ganz ehrlich, ich bin damals auch auf die Werbekampagne reingefallen. Ich habe mich dafür inspirieren lassen. Kennst du den auch?
Iskender Dirik: Was war das? Nee. Ich bin relativ spät zu einem Enthusiasten geworden, was Uhren angeht. Leider.
Tim Stracke: IWC hat... Ich weiß nicht, ob man das losging, aber die haben sehr, sehr lange eine sehr, sehr ikonische Werbekampagne geführt. Eine der erfolgreichsten Werbekampagnen ever, auch über die Kategorie Uhr hinaus. Also unglaublich effektiv und effizient. Und das waren immer so ganzseitige Anzeigen einer IWC-Uhr, wo eine große Uhr abgebildet wurde. Und darüber war ein Spruch, den du heute nicht mehr bringen könntest. Sie haben das so vor 8, 9 Jahren eingestellt. Das waren so Sprüche wie, fast so kompliziert wie eine Frau. Ach du Scheiße. Tickt aber richtig. Boah. Äh. Scheiben putzen ist Männersache, bis 42 Millimeter. Und einer war, sie trinken unseren Lagavulin, sie rauchen unsere Cohiba, lasst uns unsere IWC. Und gegipfelt hat das dann mit einer Kampagne, wo nur noch stand, der Uhr. Und das Interessante war, dass der Marktanteil von IWC-Trägern von Frauen sogar gestiegen ist. Also Frauen fanden es noch inspirierender.
Iskender Dirik: Oh, und begegnen halt dann erst recht, oder? Okay.
Tim Stracke: Ja, auch so ein bisschen, weil das eine Phase war, wo Frauen auch sehr gerne Männerwolle getragen haben, wo das auch so zur modernen Frau galt, so vor zehn Jahren Männerwolle zu tragen. Hat sich wieder ein bisschen gedreht und IWC hat damals gesagt, obwohl die weiter gut funktioniert, in Asien hat sie damals schon nicht funktioniert, die Kampagne und heute natürlich auch in Europa, undenkbar. Aber mir hat damals der Humor gefallen und auch so ein bisschen das Unkonventionelle.
Iskender Dirik: Ich muss schon einmal gegenhalten jetzt. Ich muss einmal gegenhalten und dann können wir weitergehen in meinen Uhren fragen. Ich habe eine relativ starke Meinung, was kleine Uhren angeht, nämlich meine relativ starke Meinung, da bin ich sehr überzeugt von, ist, dass der durchschnittliche männliche Träger einer kleinen Uhr deutlich mehr Style hat, als der durchschnittliche Style und Geschmack und Sense für Ästhetik, als der durchschnittliche Mann, der große Uhren trägt. Das musst du jetzt nicht weiter bewerten, Tim.
Tim Stracke: Nee, das kann ich sogar, das würde ich sogar unterschreiben. Oh, wow, okay. Trotzdem trage ich lieber große Ohren, etwas größere. Und ich habe auch jetzt größeres Handgelenk als der Durchschnitt vielleicht. Ich würde mich jetzt aber auch nicht als jemand in der allerersten Reihe, was das Thema Style und Ästhetik bei Fashion angeht, ansehen. Ja, genau. Und da darf bei mir die Uhr dann auch gerne etwas hervorstehen und vielleicht das überdecken, was mir bei Fashion fehlt.
Iskender Dirik: Fair, fair enough. Wenn wir über große Uhren sprechen, dann müssen wir auch über Rolex sprechen. Und ich würde einmal kurz gerne über das System Rolex mit dir sprechen. Das System Rolex... Übrigens einer meiner Lieblings-Acquired-Podcasts, kennst du den, über die Geschichte von Rolex?
Tim Stracke: Ja, super, super. Den kann ich jedem nur empfehlen, vor allen Dingen auch diejenigen, die vielleicht zu Rolex ein ambivalentes Verhältnis haben. Es gibt ja viele außerhalb der Uhrenbranche, die die Marke als extrem schwierig ansehen und dann total begeistert sind, was Patagonia gemacht hat, das Unternehmen in einer Stiftung einzubringen.
Iskender Dirik: Ich muss zugeben, er hat mich tatsächlich zurückgebracht zu Rolex, diese Podcast-Folge, als ich sie damals gehört habe. Weil ich war auch so, ich hatte eine Antipathie ein bisschen gegen Rolex. Holt sich jeder irgendwie, egal ob Geschmack oder nicht. Ist halt irgendwie die No-Brainer-Choice, geht oft um. Es ist die Kellner-Uhr. Und da waren so zwei Strömungen, die mich zurückgebracht haben. Das eine ist, dass ich diese Geschichte einmal studiert habe, auch durch den Podcast und die ich schon sehr, auch aus unternehmerischer Sicht, sehr, sehr faszinierend finde. Wie da die verschiedenen Teile tatsächlich irgendwie zusammengefügt wurden zu einem Business, erst als White Label gestartet und so weiter. Also wirklich unternehmerisch eine sehr faszinierende Geschichte. Dann das, tatsächlich die Stiftung dahinter. Und gleichzeitig habe ich für mich dann auch entdeckt, also bei mir war das dann genau umgekehrt, was denken die anderen, kein Bock, dass die denken, dass ich jetzt hier so ein Proll bin, wegen meiner Uhr, aber ich habe dann irgendwie auch für mich, am Ende mag ich die Ästhetik sehr, nicht jetzt die der Bling Bling Modelle, aber ich mag die Ästhetik einfach sehr, die ist sehr ich, die ist sehr simpel, sehr straight, mal die Bling Bling Modelle ausgenommen. Das habe ich aber auch von vielen gehört, dass es auch so eine Journey gibt, wo du mit einer Rolex anfängst. Ich habe jetzt mit einer Omega angefangen und dann so, ja, jetzt will ich auch, ich bin was Besonderes. Ich brauche jetzt keine Rolex. Ich habe Geschmack, ich kenne mich aus. Und man dann doch am Ende wieder zurückfindet.
Tim Stracke: Ja, man muss einfach sagen, es ist ja unter Sammlern eine kaum zu... überschätzende Marke. Also Rolex ist einfach eine Top-Uhr. Ich finde eine beeindruckende Unternehmensgeschichte dahinter. Und klar, wenn man vordergründig draufschaut, dann denkt man, dass da ein profitgieriges Unternehmen sitzt und uns völlig überteuerte Uhren verkauft, aber das ist ja genau das Gegenteil. Ein sehr großer Teil der Gewinne geht in wohltätige Zwecke, weil die Hans-Wilsdorf-Foundation ist ein extrem werteorientiertes Unternehmen, ein Unternehmen, was wirklich sehr auf Langfristigkeit setzt. Also diesem Unternehmen nehme ich wirklich ab, dass die sich nicht die Frage stellen, wie können wir nächstes Jahr mehr Gewinn machen, sondern was für ein Unternehmen. Und insofern, was für eine Marke möchte ich der nächsten Generation übergeben? Und diese extreme Langfristigkeit und auch sich nicht beeindrucken lassen von kurzfristigen Trends. Und kurzfristig heißt... In zwei, drei Jahren, wir hatten zwei, drei Jahre lang den Wahnsinns-Uhren-Hype, wo man einfach keine Uhren kriegen konnte. Da hätte wahrscheinlich jeder, jeder, jeder CEO eines anderen Unternehmens gesagt, hey, lass uns mehr Uhren produzieren. Wir können dir das Vermögen unseres Lebens machen. Und die machen es einfach nicht. Die haben eine langfristige Strategie. Wenn da mal zwei, drei Jahre Hype ist oder mal fünf Jahre Krise, wurmt uns doch nicht. Wir machen einfach weiter. Wir denken in 10, 20 Jahreszyklen, das ist nicht super.
Iskender Dirik: Jetzt gibt es ja aber schon was, wo die Sympathiepunkte sehr stark verloren gehen. Die gesamte Wartelisten-Thematik. Für die, die es bis hierhin durchgehalten haben, ohne Uhrenfans zu sein. Du kannst nicht einfach so bei einem Händler reinmarschieren und eine Rolex-Uhr kaufen, in der Regel nicht, sondern du kommst erstmal auf eine Warteliste und dann gibt es da viele Gerüchte darum, was dann dazu führt, ob du dann eine Uhr manchmal nach zwei, manchmal nach acht Jahren vielleicht eine Daytona bekommst. Und dann gibt es diese Beikäufe, ja, das ist ja schon ein bisschen absurd, auch wenn man da mal so von außen drauf schaut. Beikäufe heißt, du musst erstmal vorher Geld ausgeben bei einem Händler, vielleicht auch Schmuck kaufen, damit man dir überhaupt eine Rolex verkauft. Wie stehst du denn dazu? Ist das Teil der Erfolgsgeschichte? Macht das heute noch Sinn?
Tim Stracke: Ja, da ist natürlich ganz, ganz, ganz viel darüber diskutiert worden. Ich würde das wahrscheinlich auch anders machen. Also generell würde ich erst mal sagen, dass du sehr lange auf diese Uhren warten musst, tut der Marke gut. Das wollen die auch. Dass die Wartezeiten vor drei, vier Jahren eine Größenordnung hatten, die der Uhr nicht mehr gut getan haben, das ist halt der Preis, den man zahlen muss, wenn man nicht auf kurzfristige Markttrends reagieren will. Also ich glaube auch, ja, ist halt so. Zurzeit sind die Wartezeiten ja wieder ein bisschen kürzer. Dass da einige Juweliere das über so Beikäufe versuchen zu navigieren, das finde ich natürlich auch nicht gut und das würde ich, glaube ich, auch anders machen. Ich würde da schon als Uhrenmarke mich vielleicht auch so ein bisschen von der Sneaker-Welt inspirieren lassen. Die versuchen es ja sehr stark über die Verlosung. Das würde ich auch nicht tun. Das passt zu einer Marke natürlich auch nicht, dass die unverlost werden. Aber ich denke schon, dass ich, wenn ich da jetzt Verantwortung hätte, aber ich maße mir auch nicht an, das besser zu machen als die, die werden schon ihre Gründe haben. Aber wenn man da vielleicht etwas klarere Mechanismen hat. Und das nicht alleine den Juwelieren überlässt, sondern da auch ein bisschen mit reinrennt. Das tun sie bei den großen Juwelieren auch, da wird schon auch geguckt, naja, wer ist denn der Käufer, erzähl mal was so ein bisschen über den Käufer. Das ist vielleicht auch nicht immer so leicht handhabbar. Aber da glaube ich schon, dass ich als Unternehmen Rolex vielleicht auch etwas mehr Überblick über die Kundenkarteien haben würde und dann die Zuteilung vielleicht etwas zentraler machen würde und das nicht den Jubiläern überlassen würde. Aber auf der einen Seite muss man sagen, ist Rolex ein extrem loyaler Partner und wenn du dich richtig verhältst, dann kannst du auch damit rechnen, lange mit Rolex zusammenzuarbeiten. Und das ist halt vielleicht auch das Commitment, das sie dann ihren Juwelieren geben, dass sie sagen, hey, ihr habt uns groß gemacht und ihr dürft jetzt auch entscheiden, wer diese Wohle bekommt. Aber dass es natürlich dann manchmal danach geht, wer vielleicht noch parallel ein bisschen Schmuck gekauft hat, das finde ich jetzt auch überhaupt nicht gut.
Iskender Dirik: Gibt es denn diese Warteliste überhaupt? Ich habe gestern ein Reel bei Instagram gesehen von einem ehemaligen Rolex-Händler. Er sagt, das ist Schwachsinn, diese Warteliste ist auch viel zu kompliziert.
Tim Stracke: Doch, es gibt eine Warteliste, aber sie wird nicht chronologisch abgearbeitet.
Iskender Dirik: Ja, genau.
Tim Stracke: Also es gibt eine Liste, kommt auf diese Liste auch drauf, aber ob du den Anruf bekommst oder nicht, das ist nicht, da ist Patek angeblich deutlich konsequenter, was die chronologische Abarbeitung der Warteliste angeht.
Iskender Dirik: Rolex hat 23 Bucherer in der Händerkette komplett gekauft und verkauft ja inzwischen selbst geprüfte Uhren, also gebrauchte. Was bedeutet das für einen unabhängigen Marktplatz für Chrono24?
Tim Stracke: Das bedeutet, dass es da auf der einen Seite einen sehr ernstzunehmenden, relevanten Marktteilnehmer gibt, der das, was wir tun, auch sehr gut macht. Zu deutlich höheren Preisen, aber sicherlich auch zu einem etwas anderen Vertrauenslevel. Dass ein Bucherer mit Rolex im Rücken ein anderes Vertrauenslevel herstellen kann als ein Internetmarktplatz, ist, glaube ich, nicht überraschend. Auf der anderen Seite ist es aber auch jemand, der viele, viele neue Kunden in das ganze Segment der Pre-Owned Watches reinbringt. Und ich glaube, wer bereit ist, so 20, 30 Prozent mehr zu bezahlen bei Bucherer als jetzt bei Chrono24 beispielsweise, hätte vielleicht Alternative gar nicht bei Chrono24 gekauft und Alternative vielleicht gar nicht gekauft. Und uns ist es immer so, jeder, der kauft, ist uns lieber als als wenn dieser Kauf nicht stattfindet. Selbst wenn es bei jemand anders ist, der dann vielleicht ein zweites, drittes, viertes Urkurs kauft.
Iskender Dirik: Okay. Ich muss zugegeben, ich folge so ein paar Watch-Influencern. Ich kenne da so ein paar Formate bei Instagram. Kennst du die Formate auch? Sagen so...
Tim Stracke: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich nicht so ein ganz regelmäßiger Nutzer von Social Media bin, weil ich einfach festgestellt habe, dass der zeitliche Nutzen da leider nicht so groß ist, wie das zeitliche Nutzen. Das ist sehr gut für dich. Das ist ein sehr guter Investment. Mir ist schon bewusst, dass ich im Wohnbereich da wahrscheinlich ein paar Dinge verpasse, die auch spannend wären. Aber ich bin sehr wenig präsent auf Social Media. Mit der Ausnahme von LinkedIn, wo ich aber auch dann regelmäßig über Wohlen schreibe.
Iskender Dirik: Ja, da gibt es so zwei, drei Formate, die sieht man relativ oft und dann wirst du sie jetzt kennenlernen. Weil ich würde die gerne einmal anwenden. Ich würde einmal einen auf Watch Influencer machen. Wenn du mitspielen magst. Ich würde jetzt gerne einmal auf Watch Influencer machen. Ich stelle dir jetzt ein paar Fragen. zu Uhrenmodellen, so, wenn du mitmachen magst. Fangen wir mal an mit einer Kaufberatung. So, jemand kommt zu dir, will eine Uhr kaufen, so ein Durchschnittsmensch, in verschiedenen Preiskategorien. Was wäre deine Empfehlung? Bis 1.000 Euro, fangen wir mal an. Klar, starke Preiskategorie. Bis 1.000 Euro?
Tim Stracke: Ja. Na, alles Omega. Muss man wahrscheinlich schon so ein bisschen hingucken, dass man damit auskommt, aber Omega, es gibt noch sehr, sehr, sehr viele Omega weit überall. Ich weiß gar nicht, wie viele Millionen Omega-Uhren produziert werden, gerade in den 70er, 80er Jahren war das ja eine der stärksten Marken, deswegen gibt es da auch noch relevantes Angebot und dann würde ich wahrscheinlich eine alte Omega kaufen. Als Einstieg. Würde ich jetzt eher sagen, wenn es jetzt eine neue Uhr sein müsste, die wahrscheinlich nur so Richtung Nomos schauen kann, als Deutscher, dann sagen wir vielleicht eher eine deutsche Marke oder Sinn.
Iskender Dirik: Finde ich stark. Bis 5000 Euro.
Tim Stracke: Bis 5000 würde ich empfehlen, eine 4-5 Jahre alte Omega Speedmaster Professional. Und nicht, weil ich sie gerade bei dir gesehen habe, sondern ich finde, das ist einfach ein Modell, gerade so für Einsteiger. Ich finde, der Speedmaster ist zeitlos, eine wahnsinnige Story dahinter und ist für Einsteiger, glaube ich, eine der Top-Modelle, die auch optisch, finde ich, sehr, sehr vielen Leuten gut steht. Man sieht es selten bei Frauen, aber ich finde es auch bei Frauen steht hier total gut.
Iskender Dirik: Es gibt ja auch einen kleiner als Reduced, wenn man es kleiner mag.
Tim Stracke: Also nicht du. Aber ja. Das ist schon die Originale.
Iskender Dirik: Zwischen 5.000 und 10.000 Euro.
Tim Stracke: Also es ist natürlich immer sehr, also ich kriege die Frage regelmäßig in Real Life gestellt. Ja, das glaube ich. Natürlich die Frage, was ist dir wichtig? Also Dann frage ich schon mal, ist dir Werterhalt wichtig? Und die Sachen, die man dann schon häufig hört, gerade von jemanden, die Fragen kriegt man natürlich auch häufig gestellt von Einsteigern, die noch nicht so viel Erfahrung mit Winduhren haben. Und da spielt das Thema Werterhalt dann oft auch eine echt große Rolle, weil man sagt, hey, wenn ich so viel Geld ausgebe, soll das nicht sofort weg sein. Aber man muss natürlich sagen, bei vielen Marken sind die Käufe dann auch schon etwas schwieriger. Um zwischen 5.000 und 10.000 Euro würde ich dann schon sagen, ist man bei Rolex beim Stahl-Sportmodell, ob das jetzt irgendwie eine Submariner ist oder eine verschiedene, was dir da gefällt. Aber da wäre meine kleine Empfehlung, würde ich mir Richtung Rolex geben.
Iskender Dirik: Ja, man muss jetzt auch noch sagen, Sub mit oder ohne Datum? Das ist die geringste Frage.
Tim Stracke: Ikonisch ist natürlich, ich weiß, dass es manchen Leuten nicht so gut gefällt, aber bei Rolex ist es natürlich schon sehr ikonisch, durch diese Bubble. Kennst du ja wahrscheinlich an die Geschichte, auch wenn du den The Coin Podcast gehört hast, wie die Idee da zustande kam, würde ich schon auf jeden Fall sagen mit Datum.
Iskender Dirik: Für mich ganz klar ohne Datum, finde ich ästhetisch.
Tim Stracke: Ja, sehe ich ganz genauso, aber es ist halt das Ikonische.
Iskender Dirik: Ja, das stimmt. So zwei noch, 10.000 bis 20.000?
Tim Stracke: ich mache es jetzt mal gar nicht so abhängig von 10.000 bis 20.000, aber einfach mal so die, und es ist meistens gar nicht so, dass die Frage kommt, in welchem Preis, sondern was bist du für ein Typ. Und wenn du jetzt Rolex, das ist natürlich schon eher derjenige, man darf es sehen, dass ich eine tolle Uhr habe. Und jetzt würde ich mal sagen, bei den 10 bis 20, du darfst es nicht, oder ich möchte, dass man es nicht sieht, dass man nicht weiß, ob die über 2.000, 2.000, 200, 2.000 oder 20.000 kostet, dann würde ich, glaube ich, eine Overseas empfehlen.
Iskender Dirik: Ja.
Tim Stracke: Ich finde die einfach total schick und eine totale Understatement-Uhr im oberen Segment.
Iskender Dirik: Das Tolle an der ist auch, man kann sie mit drei verschiedenen Armbändern tragen, Straps, Kautschuk, Leder und Stahlarmband. Man kann es relativ leicht austauschen, das heißt man hat gleich drei Uhren quasi. So kann man sich das auch schön rechnen. Okay, dann hast du die erste Runde überstanden. Jetzt kommt nochmal ein anderes Format. Das ist nämlich extrem beliebt auf Social Media, nämlich ein Uhren-Shootout. Das heißt, zwei Uhren werden gegenübergestellt und du musst dich für eine entscheiden. Und der Sieger aus der Runde geht dann in die nächste Challenge über. Traust du dir das zu?
Tim Stracke: Wir probieren es.
Iskender Dirik: Wir haben drei Preiskategorien. Wir fangen mal an bei bis 1000 Euro. Tissot PRX Powermatic 80 gegen Hamilton Khaki Field Mechanical. Wenn du jetzt die ganz genauen Modelle nicht kennst, dann zumindest so generell die Familie Hamilton. Dann Hamilton gegen Seiko Prospex Alpinist.
Tim Stracke: Ich glaube, da müsste ich mir die Uhren einfach kurz anschauen. Spontan? Also von den Marken von den Marken, genau, spontan Marke. Von den Marken wäre ich bei Seiko. Was interessanterweise unter Sandmann ja eine ziemlich respektierte Marke ist. Unfassbar.
Iskender Dirik: Dann gibt es ja noch, kennen die meisten nicht, die Grand Seiko. Das ist nochmal für die Reise nach Japan, wo viele sich im Ziffernblatt verlieren, weil das so besonders ist. Also Seiko gegen Certina, DS Action Driver. Diver, nicht Driver. Seiko gegen Junghans Max Bill, Handaufzug. Den finde ich ganz schwierig.
Tim Stracke: Ja. Optisch mag ich die Junghansuhren sehr. Ja, ich auch. So wie das extrem schlichte Bauhaus-Design. Da müsste ich mir jetzt die Modelle wahrscheinlich auch im Detail anschauen. Ich bleibe jetzt hier. Ich gehe mal zu Junghans.
Iskender Dirik: Ah, sehr gut. Junghans gegen Casio G-Shock. Und dann nochmal gegen...
Tim Stracke: G-Shock ist irgendwie nicht meins. Aber ich weiß, unser Sammler schon, erstaunlicherweise hoch angesehen, aber da würde ich
Iskender Dirik: bei der Junghans. Ich habe eine, ich finde die total cool. Und dann noch die Junghans gegen die Moonswatch. Swatch meets Omega Speedmaster.
Tim Stracke: Da würde ich die Moonswatch nehmen, ich finde das einfach eine kleine Geschichte, was die da gemacht haben. Ich weiß, es ist extrem kontrovers diskutiert worden, natürlich noch viel mehr jetzt mit der Royal Pop. Aber äh Das ist schon eine gute Geschichte. Es ist leider ein Quarzwerk drin.
Iskender Dirik: Ja. Bei der Royal Pop bin ich tatsächlich überrascht.
Tim Stracke: Da ist ein mechanisches Werk drin.
Iskender Dirik: Genau, bei der Moon Swatch. Bei der Royal Pop bin ich überrascht, da habe ich jetzt tatsächlich, die habe ich jetzt an Handgelenken mehrerer sehr bekannter Fußballer gesehen. Also das ist jetzt auch in den Kreisen anscheinend teilweise
Tim Stracke: cool. Ja, man liest wenig davon. Ich habe sie auch noch nicht oft gesehen. Ich muss ehrlich sagen, ich habe keine. Aber ich glaube, wenn ich das mal im Laden mache, dann kriegt die ja wahrscheinlich. Die werden ja häufig so um 11 beliefert, die Swatch-Läden. Und ich kann mir vorstellen, dass die Schlangen ja nicht mehr so lang sind, wenn es überhaupt noch Schlangen gibt. Und ich würde sie aber auf jeden Fall nur mit Armband tragen.
Iskender Dirik: Ich als Taschenuhr. Okay, ich finde, das hast du sehr gut gemacht. Es gibt aber auch zwei Preiskategorien, dann sind wir durch mit den Preisfragen. Die Kategorie 7.000 bis 15.000 Euro, die finde ich sehr, sehr spannend, die Kategorie. Da sind wir bei der Speedmaster. Ich glaube, jetzt wirst du die Modelle auch noch mal besser vor Augen haben. Da sind wir bei der Omega Speedmaster gegen die Explorer von Rolex. Zwei Uhren, die ich sehr schätze.
Tim Stracke: Tough One. Würde ich die Speedmaster nennen.
Iskender Dirik: Dann die Speedmaster gegen die Grand Seiko Snowflake.
Tim Stracke: Da würde ich auch die Speedmaster, ich bin nicht Speedmaster-fein, ich mag die Uhr, da würde ich auch bei der Speedmaster bleiben.
Iskender Dirik: Okay, dann brauche ich jetzt gar nicht Speedmaster gegen Cartier-Santos fragen. Nee, brauchst du nicht. Nee, brauche ich nicht. Für mich die Cartier, obwohl ich die Speedmaster gerade anhabe. Dann gegen die Speedmaster, mal gucken, ob jetzt irgendjemand gewinnt. Wahrscheinlich nicht. Die Jaeger-LeCoultre Reverso. Ikonisch.
Tim Stracke: Ja, super ikonisch. Auf ihre Art und Weise.
Iskender Dirik: Das ist auch wieder zu klein für dich.
Tim Stracke: Nee, nee, gibt's ja auch ein größer. Ich finde, auch mir ist hier nicht männlich genug.
Iskender Dirik: Ich überspringe den nächsten, weil die Antworten sind klar.
Tim Stracke: Nee, sag mal was.
Iskender Dirik: Okay, okay. Speedmaster gegen IWC Portugieser.
Tim Stracke: Die hätte ich mir fast mal gekauft. Da habe ich lange, lange dran, die Portugieser, also die schwarzen mit den kleinen weißen zu verblättern. Am Ende ist für mich aber das IWC keine richtige Sammlermarke. Ich glaube, sie haben ein paar gute Sachen in letzter Zeit gemacht. Ich finde IWC auch gerade eine sehr gute Entwicklung, kenne auch ein paar Leute, die ich sehr mag, aber hier müsste ich dann leider noch mal bei der Speedmaster bleiben.
Iskender Dirik: Speedmaster gegen Zenith, Chrono Master Sport.
Tim Stracke: Ja, da bleibe ich dann leider auch wieder bei der Speedmaster, weil ich finde es auch eine ganz coole Uhr.
Iskender Dirik: Speedmaster gegen Nomos Lambda?
Tim Stracke: Keine Chance, ne? Okay, dann das
Iskender Dirik: harte Finale. Speedmaster gegen die Rolex Submariner. Für dich Mid-Date. Der ist tough, ne?
Tim Stracke: Der ist tough, ja. Also Trangur, ich hab jeden Fall die Speedmaster mehr. Die hab ich hier auch. Ich hab die Ultraman. Ähm... Aber wenn ich es jetzt anderen empfehlen würde, ist so ein bisschen die Frage, für wen, welcher Kontext. Da kann man auch die Submariner nehmen. Das ist auf jeden Fall schon noch eine sehr ikonische Uhr. Die ganze Story dahinter. Top Qualität. Sicherlich die bessere Uhr.
Iskender Dirik: Ich finde das Armband besser. Ich finde leider bei der Speedmaster, ich habe es immer wieder versucht, zu lieben, das Armband des Speedmaster. Ich mag das nicht, deswegen frage ich es lieber am NATO. Also das Stahlarmband meine ich. Okay, letzte Kategorie ab 25.000 Euro. Das ist die erste Frage. Direkt die Vacheron Overseas. Das haben wir eben schon gehört, dass du die gar nicht mal so schlecht findest. Gegen die Daytona. Also die Rolex Daytona, für die, die es nicht kennen, das ist so das klassische Modell gerade für Sehen und Gesehen werden. Auch wenn es ganz viel da draußen gibt, die man sicherlich schätzt, ohne das Sehen und Gesehen.
Tim Stracke: Das bis hierhin gerade hat, no surprise, aber die Daytona hat hier auch ein mega klassisches Modell, da bin ich natürlich bei der Overseas.
Iskender Dirik: Dann die Overseas gegen die Lange& Söhne, Lange 1.
Tim Stracke: Dann nehme ich mal die Lange 1, obwohl die, ich habe die Overseas, ich mag die auch sehr, aber Lange ist natürlich auch eine sehr besondere Marke. Nicht in meiner Sammlung, aber den Platz würde ich schon noch frei halten.
Iskender Dirik: Okay, Lange gegen Audemars Piguet Royal Oak. Ja?
Tim Stracke: Ja.
Iskender Dirik: Guck mal, ich hätte jetzt gedacht, du bleibst bei der Lange. Das war mir ja klar,
Tim Stracke: meine Vermutung war bei dieser Kategorie, dass es am Ende bei der Royal Oak bleiben wird.
Iskender Dirik: Mal gucken, wir haben noch ein paar Herausforderer. Als nächstes kommt die Patek Philippe Nautilus.
Tim Stracke: Royal Oak? Selber Designer, ich weiß, das ist ultra ikonisch, aber die Nautilus, ich weiß nicht, ist irgendwie nicht so meins.
Iskender Dirik: Selber Designer, Gerald Genta, eine Ikone. die für einige sehr, sehr ikonische Uhren zuständig ist, verantwortlich ist. Okay, wir sind geblieben bei der Royal Oak gegen ich kann ja gar nichts mit anfangen, Richard Mille, RM011, ne, das war immerhin eine sympathische Wahl. Die Royal Oak gegen die H. Moser & Cie. Streamliner.
Tim Stracke: Ich mag die Royal Oak einfach. Ich hatte sie gerade gestern Abend noch an, hier mit Freunden, und musste sie den halben Abend noch an einen Freund abgeben, der sie versucht hat, mir abzuschwatzen, aber ich konnte standab bleiben.
Iskender Dirik: Wie wär's denn, würdest du sie gegen einen F.P. Journe Chronomètre Bleu tauschen?
Tim Stracke: Das ist für mich auch eine Marke, die vielleicht ein bisschen zu schnell diesen Insider- oder In-Status gewonnen hat. Auch so ein bisschen gespielt über die Auktionshäuser in Himmler, glaube ich, auch uns alle so ein bisschen beeinflusst. Ist eine Top-Marke. Ich weiß, viele Sammler schwärmen drüber. Ich würde immer die Royal Oak nehmen.
Iskender Dirik: Dann hat wahrscheinlich auch die Breguet Klassik fünf Einzige keine Chance. Da kommst du schon nochmal kurz.
Tim Stracke: Die hat natürlich keine Chance gegen Royal Oak, aber... Das ist eine gute, ne? Die hat eine Chance, bald mal bei mir im Warenkorb zu liegen.
Iskender Dirik: Ah. Das ist aber auch so eine Uhr, wo man dann eher am Ende seiner Journey ankommt, oder? Ja, absolut.
Tim Stracke: Aber ich glaube auch, dass die Marke... Ich glaube, die Marke ist über viele Jahre auch schlecht geführt worden. Ich glaube, die haben viel liegen lassen. Da habe ich so das Gefühl, dass die auch in Zukunft vielleicht ein bisschen besser geführt wird.
Iskender Dirik: Dann kommt noch die letzte, mal gucken. Wo sind wir bei? Royal Oak gegen die Rexhep Rexhepi Chronomètre Contemporain. Neumodischer.
Tim Stracke: Da bin ich raus, irgendwie so ein bisschen bei dem Thema. Ist ja sehr Hat ja beim letzten Grand Prix da die Preise abgeräumt. Dann ist ja auch der Sammler sehr begehrt. Ich bleibe bei der Royal Oak.
Iskender Dirik: Wir sind bei der Royal Oak angekommen. Die bleibt. Okay, die Royal Oak hat gewonnen. Sehr, sehr schön. Tim, vielen Dank. Ich finde, du bist recht kompatibel, was dieses Social-Media-Format angeht. Eine letzte Frage hätte ich noch für dich. Jeder Gast darf bei uns ein Chapeau verteilen. Ein Chapeau heißt, ein Chapeau an jemanden, der Anerkennung verdient. Ein DEALMACHER. Ein Investor, der vielleicht nicht genug gewürdigt wird, ein Berater, der vielleicht nicht genügend gewürdigt wird oder schon gewürdigt wird und noch mehr verdient.
Tim Stracke: Das gebe ich an denjenigen, mit dem ich Chrono24 lange geführt habe, an Holger Felgner. Holger war sozusagen der Co-CEO, der mit mir das Unternehmen geführt hat. Ich war immer derjenige, der vorne sozusagen im Rampenlicht stand und das Unternehmen nach außen vertreten habe. Aber Holger ist derjenige, der maßgeblich zu dem Erfolg auch beigetragen hat, der das Unternehmen auch sieben, acht Jahre gemeinsam mit mir geführt hat und am Ende wahrscheinlich sogar mehr in die Führung reingebracht hat als ich. Aber das alles sehr im Hintergrund gemacht, mit ganz viel Vertrauen von allen Mitarbeitern, von mir, ohne da jemals irgendwie das Rampenlicht vorne sehen zu müssen. Aber wenn ich hier die Chance mal habe. Und übrigens auch einer der deutlich mehr Uhren gekauft hat in der ganzen Zeit als ich und da auch tief ins Rubber Troll eingestiegen ist. Also auch Holger, dir nochmal ein ganz persönliches Dankeschön für das, was du für das Unternehmen und für uns alle geleistet hast.
Iskender Dirik: Tim, vielen Dank. Wir schließen mit einem virtuellen High Five.
Tim Stracke: Vielen Dank, hat Spaß gemacht.
Iskender Dirik: Wenn dir DEALMACHER gefällt, abonnier auf Spotify, Apple Podcasts oder YouTube. Und fünf Sterne helfen dabei, dass mehr Leute den Podcast finden, die ihn brauchen. Für Tech-Deals, VC-Runden und M&A-Transaktionen sprich mit Peter Möllmann und PXR. Er ist der Anwalt, den ich seit 2015 empfehle. Intro gern über mich, einfach melden. Alles andere – Fundraising, M&A-Beratung, Executive Branding – findest du bei mir auf id.vc. Bis zur nächsten Folge.
Weitere Episoden

Filip Dames, Founding Partner Cherry Ventures – Europa muss jetzt abliefern!
Europa ist on fire, sagt Filip Dames. Aber nur, wenn hier in den nächsten 10 bis 20 Jahren die Firmen für AI, Energie, Defense und Space entstehen. Sonst zahlen wir Miete an die USA und China, um deren Firmen zu nutzen.
Filip hat Cherry Ventures 2012 mit Christian Meermann gegründet. Er erklärt, warum Deep Tech in Europa heute finanziert wird, was vor wenigen Jahren noch undenkbar war. Ein Beispiel ist die Finanzierungsrunde von 450 Millionen für The Exploration Company. Wie tief er selbst einsteigt, zeigt Proxima Fusion: Vor dem Investment sprach er mit fast allen Fusion-Teams. Inzwischen programmiert er selbst.
Es geht außerdem um Cherrys Bewertungsdisziplin und die Ausnahmen, die sich gelohnt haben. Es geht darum, was AI in der Due Diligence verändert und was sie nicht ersetzt. Und darum, warum Filip LP-Fundraising Spaß macht, während die meisten GPs es hassen. Dazu: warum AI-Gründer nach San Francisco gehören statt nach New York, wann eine Runde wirklich preempted ist und warum Fonds ohne klares Produkt verschwinden.
Und Filip erzählt, warum er als Junge fast Opernsänger geworden wäre und warum es anders kam.
💰 Iskender ist CEO-Advisor für Fundraising, Exit und Executive Branding.
Mehr unter id.vc.
DEALMACHER entsteht in Partnerschaft mit PXR – der Kanzlei hinter vielen der größten Tech Deals in DACH. Intro zum Gründer Peter Möllmann über Iskender.
Dieser Podcast wird produziert von TLDR Studios.

Zoé Fabian-Frey, General Partner Noteus – 413 Mio. im ersten Fonds, Tink-Exit nach 6 Monaten
Tink war für Zoé Fabian-Frey und ihr Team, damals beim Pariser Investor Eurazeo, kaum zu erreichen. Den Zugang fanden sie über einen Angel-Investor. Dann stellten sie Tink eine Münchner Firma zum Zukauf vor und finanzierten den Kauf mit der eigenen Runde. Sechs Monate nach ihrem Einstieg ging Tink an Visa, nach einer Intro ihres Teams.
Damals war Zoé frustriert, weil sie gern nachinvestiert hätte. Heute ist sie froh: Nach 2021 kamen 2022 und 2023.
Inzwischen ist sie General Partner und Mitgründerin von Noteus Partners. Der erste Fonds schloss 2025 mit 413 Mio. Euro, deutlich über dem Ziel.
Bei Noteus bekommt jeder Deal einen zweiten Partner, der ihn nicht gemacht hat, oft den größten Skeptiker im Investment Committee. Der Grund: Verliebtheit in einen Deal lässt sich kaum abstellen.
Außerdem spricht Zoé über eine Frage, die sie nicht loslässt: ob es die Moats, nach denen sie selbst sucht, heute überhaupt noch gibt.
💰 Iskender ist CEO-Advisor für Fundraising, Exit und Executive Branding.
Mehr unter id.vc.
DEALMACHER entsteht in Partnerschaft mit PXR – der Kanzlei hinter vielen der größten Tech Deals in DACH. Intro zum Gründer Peter Möllmann über Iskender.
Dieser Podcast wird produziert von TLDR Studios.

Philipp Möhring, Partner Tiny – Der aktivste Early-Stage VC Europas
„Wenn man gut Fundraising machen möchte, braucht man ein interessantes Produkt und man muss ein bisschen arrogant sein."
Philipp Möhring, Gründungs-GP von Tiny, ist der aktivste Frühphaseninvestor Europas. Ein paar hundert Investments pro Fonds, darunter die Unicorns Wayve, Synthesia und n8n.
Mit Iskender spricht er über das Tiny-Modell: nie der Lead, immer am Tisch. Entstanden als 2,5-Millionen-Dollar-Nebenprojekt bei AngelList.
Philipp raist gerade seinen vierten Fonds. Er erzählt, was er von den besten Fundraisern seines Netzwerks gelernt hat und woran er selbst im LP-Fundraising scheitert.
Gründern erklärt er, warum ein Preemptive Offer meist keines ist und was ein Term Sheet über das Vierfache des Plans mit einem Solo-Founder macht.
Und er spricht über sich: drei Jahre Sneaker-Verkäufer bei Snipes, Hip-Hop-DJ, Pfadfinder. Und warum er für seine Töchter alles stehen lässt, ohne weniger zu arbeiten.
💰 Iskender ist CEO-Advisor für Fundraising, Exit und Executive Branding.
Mehr unter id.vc.
DEALMACHER entsteht in Partnerschaft mit PXR – der Kanzlei hinter vielen der größten Tech Deals in DACH. Intro zum Gründer Peter Möllmann über Iskender.
Dieser Podcast wird produziert von TLDR Studios.

