Torsten Martini, Insolvenzverwalter hinter Signa – warum Gründer immer zu spät kommen
Inhalt der Episode
„Du hast ein halbes Jahr verschleppt – ich hätte jetzt gern eine halbe Million von dir.“ So einen Satz muss Torsten Martini Gründern öfter sagen, als ihnen lieb ist. Jeder zweite, dritte Fall, der bei ihm landet, ist Verschleppung.
Martini ist einer der renommiertesten Insolvenzverwalter Deutschlands, Partner bei GÖRG, seit über 20 Jahren im Geschäft – und der Mann hinter den deutschen Signa-Projektgesellschaften um René Benko. In dieser Folge geht es um die drei teuersten Fehler vor der Insolvenz, um persönliche Haftung und D&O, um die Frage, wann Hoffnung auf die nächste Runde noch erlaubt ist – und wann sie strafbar wird. Dazu die Fälle, die hängenbleiben: der Geschäftsführer, der ihm als Einziger je die ganze Wahrheit über das Schmiergeld sagte, eine epische Gläubigerversammlung im Zoo-Palast und der Elbtower.
Eine Insolvenz-Masterclass, die jeder Gründer und jeder Investor einmal gehört haben muss.
💰 Iskender ist Advisor für Fundraising, Exit und Executive Branding.
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DEALMACHER entsteht in Partnerschaft mit PXR – der Kanzlei hinter vielen der größten Tech Deals in DACH. Intro zum Gründer Peter Möllmann über Iskender.
Dieser Podcast wird produziert von TLDR Studios.
Über den DEALMACHER Podcast
Der Podcast über den Fluss von Kapital – wer es bekommt, bewegt und vermehrt.
CEO-Advisor und Venture-Capital-Investor Iskender Dirik trifft die Menschen hinter den großen Deals im deutschsprachigen Raum – die Dealmacher.
Zu Gast sind Investoren aus Venture Capital und Private Equity, Gründer, CEOs und Aufsichtsräte – und die Berater an ihrer Seite. Alle saßen am Tisch, als es um viel Kapital ging.
Es geht um Fundraising, M&A, Exits und die Strukturierung komplexer Transaktionen. Und um das, was vor der Pressemitteilung passiert.
Für alle, die selbst Deals machen und wissen wollen, wie andere Dealmacher entscheiden.
Transkript der Episode
Iskender Dirik: Ich bin Iskender Dirik, CEO-Berater und Investor. DEALMACHER ist für Gründer, Investoren und Entscheider, die verstehen wollen, wie die großen Deals wirklich funktionieren – Fundraising, M&A, Private Equity … und die Menschen dahinter. Torsten, zum Insolvenzverwalter zu gehen ist wie als Mann zum Urologen zu gehen, hast du zu mir letztens gesagt. Warum ist das so?
Torsten Martini: weil es einfach sehr unbeliebt ist und die Leute die schlimmsten Befürchtungen haben, wie so ein Gespräch abläuft und was Ergebnis dieses Gesprächs ist.
Iskender Dirik: Dann freue ich mich umso mehr darauf, dass du uns heute über genau das aufklären wirst. Sehr gerne. Professor Dr. Torsten Martini, Partner bei der renommierten Rechtsanwaltskanzlei GÖRG, Honorarprofessor an der HWR Berlin, seit über 20 Jahren Insolvenzverwalter und nicht irgendein Insolvenzverwalter. Torsten Martini ist der Mann hinter den Verfahren von Signa Deutschland und vielen anderen prominenten Fällen und Gründerszene hat mal gesagt, er ist der Startup-Insolvenzverwalter Berlins. Deswegen freuen wir uns umso mehr, dass du heute da bist, Torsten.
Torsten Martini: Ich freue mich auch. Vielen Dank.
Iskender Dirik: Du hast uns einen persönlichen Gegenstand mitgebracht. Würdest du den einmal kurz in die Kamera zeigen und sagen, was es ist, ohne die Geschichte dazu?
Torsten Martini: Das mache ich gerne. Das ist ein Audi hundert Typ dreiundvierzig.
Iskender Dirik: Wir sind gespannt. Ich würde gerne loslegen mit ein paar Grundlagen zum Thema Insolvenz, weil ich der festen Überzeugung bin, erst brauchen mehr Transparenz und auch deswegen bist du ja hier, um der Gründerwelt da draußen ein bisschen mehr Transparenz zu dem Thema Insolvenz zu geben. Und vielleicht kannst du ja heute die Rolle des Urologen spielen, Torsten. Magst du mal als Basis drei Minuten erklären, was wirklich passiert, sobald ein Gründer Insolvenz anmeldet? So von der Antragstellung bis zu dem Moment, wo du im Büro stehst.
Torsten Martini: Also optimalerweise fängt das alles schon vor der Antragstellung an, nämlich bei der Vorbereitung. Das A und O eines erfolgreichen Insolvenzverfahrens ist nämlich tatsächlich die Vorbereitung des Antrages. Ja, also sich den richtigen Berater zu suchen, der einem schon mal im Vorfeld erklärt, was passiert eigentlich in einem solchen Insolvenzverfahren, welche Chancen gibt es, das Unternehmen zu sanieren, wann muss eben Worst Case liquidiert werden, also das, was die Leute typischerweise mit einem Insolvenzverfahren in Verbindung bringen und wenn dieser Fall eine bestimmte Größenordnung aufweist, dann gibt es gesetzliche Möglichkeiten Einfluss auf den Insolvenzverwalter zu nehmen. Auch das muss man vorbereiten. Dann kommt's zur Insolvenzantragstellung bei dem zuständigen Insolvenzgericht und entweder bekommt man dann den Insolvenzverwalter, den man vorgeschlagen hat oder mit Hilfe eines gesetzlichen Instrumentariums, hört sich sehr unschön an, aber auch erzwingen kann. Also je größer der Fall, desto größer die Chance, dass ich eben Einfluss darauf habe, wen ich bekomme und man sucht sich natürlich, wenn man Einfluss darauf hat, zusammen mit den Gläubigern einen Insolvenzverwalter aus, dem man zutraut, diesen Fall so zu bearbeiten, dass es alles unter den gegebenen Umständen glückliches Ende nimmt. Ja, und dann ist das Wichtigste das erste Gespräch mit dem, der ist dann noch Sachverständiger, es gibt noch keinen Insolvenzverwalter, mit dem Sachverständigen bzw. vorläufigen Insolvenzverwalter, der sich einfach erstmal erklären muss, was macht euer Unternehmen eigentlich, was ist das Problem und ich frage die Leute im ersten Gespräch immer, wo wollt ihr eigentlich hin bzw. ganz praktisch frage ich, wenn es die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht gäbe, wegen derer ihr jetzt hier seid, sondern ihr würdet bei Schulden von null starten, mit einer auskömmlichen Liquidität, würdet ihr das Gleiche noch mal machen und dann gibt's fast immer drei Reaktionsmöglichkeiten. entweder bekommen die Leute leuchtende Augen und sagen klar, würde ich sofort wieder machen. Das sind gute Voraussetzungen, um ihnen nachher zu erklären, dass man es noch mal machen kann, auch im Insolvenzverfahren. Oder mir sagt eben jemand, nee, ich will es nicht noch mal machen, das sind dann meistens leider wirklich die die Liquidationsfälle. Und wenn man dann als vorläufiger Insolvenzverwalter das Business verstanden hat, beschäftigt man sich mit den Zahlen. Das geht auf Augenhöhe zusammen mit dem Geschäftsführer oder dem Gründer, der ja das Business im Gegensatz zu mir kennt. Wir haben ja nur die Aufgabe, uns anzuschauen das Zahlenwerk und was rechtlich in so einem Verfahren möglich ist und dann entscheidet man sich, wie man das Unternehmen sanier. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, kann ich vielleicht nachher noch mal was zu sagen, durch einen ordinären Asset Deal, theoretisch auch ein Share Deal oder wenn man den Rechtsträger erhalten will, durch einen Insolvenzplan. Und optimalerweise kommt es dann so nach zwei, drei Monaten, das ist nämlich das Ende des Insolvenzgeldzeitraums, zur Öffnung des Insolvenzverfahrens eine Zukunfts Lösung haben. und äh dann koppelt sich quasi das Unternehmen ein bisschen von meiner Arbeit ab. Optimalerweise entlasse ich das Unternehmen quasi in eine gesündere Zukunft und ich kümmere mich um diesen ganzen Rattenschwanz an Aufgaben, die hinten dranhängen und weswegen Insolvenzverfahren eben typischerweise so lange dauern. Also die Insolvenztabelle, die Befriedigung der Gläubiger. Leider eben auch aus Gründer-Sicht die Prüfung von Haftungsansprüchen. So ein Verfahren dauert eben so lange, wie der letzte Rechtsstreit und die letzte Prüfung der Gläubigerforderung dauert. Deswegen gibt es, kann es eben auch schon mal ein paar Jahre dauern.
Iskender Dirik: Jetzt spule ich mal zurück zu zu dem Anfang deiner Kette. Wie finde ich denn den richtigen Berater? Das ist ja jetzt nicht üblicherweise ein Netzwerk, das man als Gründer hat.
Torsten Martini: Genau, hat man typischerweise nicht und will man ja auch nicht haben, womit wir wieder beim Urologen wären. Es gibt gibt eigentlich zwei Möglichkeiten, viele googeln das tatsächlich und es gibt einige Berater, wo ich mich manchmal wundere, warum die so oft in den Fällen vertreten sind, weil sie eben, weil man sie relativ schnell findet. Häufig werden die Berater empfohlen dem Allgemeinanwalt, den man vielleicht hat, oder von dem Liegel, den man im Unternehmen hat, oder dem Steuerberater, der eben Leute kennt und sagt, das ist ein vernünftiger Berater, der passt auch von der Chemie her, das ist wahnsinnig wichtig in der Insolvenz, dass die Chemie zwischen den Akteuren stimmt, also mit der gebotenen Distanz natürlich, aber wenn die Chemie nicht stimmt, sind die Voraussetzungen für eine Sanierung schlecht. Also man fragt eben im Umfeld, was typischerweise nicht so gut klappt oder selten klappt ist, dass man mal Leute fragt, von denen man glaubt, die wären schon mal in einer ähnlichen Situation gewesen, die reden nämlich typischerweise nicht gerne drüber. Also meistens kommt tatsächlich der der Vorschlag vom Steuerberater, vom normalen Anwalt oder von jemandem im Unternehmen.
Iskender Dirik: Als Startup Tech Startup vor allen Dingen macht es wahrscheinlich sehr viel Sinn, dass man versucht einen Berater zu finden, der Erfahrung mit Tech und Startups hat, oder?
Torsten Martini: Ja, mit einer Einschränkung. Ähm, ich werde ganz oft gefragt, ähm seid ihr eigentlich spezialisiert auf irgendwelche Branchen? Es gibt einige Kollegen, es gibt Kollegen, die auf auf Krankenhäuser und Gesundheitswesen spezialisiert sind. Es gibt in Hamburg natürlich Kollegen, die sehr viel mit allem zu tun haben, was Schiffe und Seefahrt angeht. Das ist hier in Berlin eher untypisch. aber ansonsten hat ein typischer Insolvenzverwalter keine Spezialisierung, weil wir müssen das Business ja nur verstehen und das, was dahinter steckt an Arbeit, da ist es das gleiche, ob ich eine Pizzeria betreibe oder irgendwie ein Reisebüro. Klar, man muss eine Affinität dazu haben. Es ist auch immer sinnvoll, wenn man das versteht, das Unternehmen, mit dem man sich gerade beschäftigt, denn der erste Fall einer Branche, mit der man noch nie zu tun hatte, da ist der Aufwand natürlich sehr viel höher. Sowas spricht sich aber tatsächlich rum. Ja, also dieser Satz, den Gründerszene irgendwann mal brachte mit Startup Insolvenzverwalter, da war ich auch noch ein paar Jahre jünger. Das möge jetzt die Generation nach mir machen, die dann eher die das Alter der Gründer haben. Aber klar ist, man kann sich auch einen Ruf erarbeiten im Tech-Bereich, im Startup-Bereich, im Automotive-Bereich. Das ist sinnvoll, weil wenn wenn es eines im Insolvenzverfahren nie gibt, dann ist es Zeit. Ich habe keine Zeit, mich im Prinzip mit Branchen zu beschäftigen und die zu verstehen, sondern ich muss ja an dem Tage, wo ich durch das Gericht bestellt werde, schon die ersten Entscheidungen treffen.
Iskender Dirik: Dazu haben wir gesagt, dass es eine gute Gelegenheit für mich ist, etwas nachzuholen, das ich gerade vergessen habe. Ich habe nämlich auch etwas Persönliches mitgebracht. Ach, nehme ich dieses wunderschöne Gebäude hier, ein Bild von diesem wunderschönen Gebäude hier, das ich mit dir inzwischen verbinde, aber das auch einen emotionalen Wert für mich hat, wir kommen auch dazu heute noch. Du hast zu mir gesagt, dass viele viele Gründer falsch beraten werden, an die falschen Berater geraten. Was meinst du damit?
Torsten Martini: Ähm, muss aufpassen, wie ich das, wie ich das formuliere. Also, ähm, ich will es mal so sagen, es ist alles immer besser als ohne, äh, als mit Insolvenzverfahren, ja? Ich würde nie jemandem dazu raten, vorschnell in Insolvenzverfahren zu gehen. Es gibt gibt ja auch andere Möglichkeiten, legale andere Möglichkeiten, sich zu sanieren mittlerweile, äh auch in Deutschland seit ein paar Jahren. Aber was jeder Insolvenzverwalter wahrscheinlich in seiner täglichen Arbeit erlebt, ist, dass wenn die Fälle kommen, kommen sie zu spät. Das war schon, also solange ich das mache, sind die Fälle zu spät gekommen. Und sie sind meistens deswegen zu spät gekommen, weil Gründer überhaupt nicht beraten waren oder sie waren beraten von Steuerberatern oder Anwälten, die in dem Bereich keine Erfahrung haben. Und ich habe nur eine Gestaltungsmacht im Insolvenzverfahren, wenn ich einen lebenden Betrieb habe und wenn ich auch noch Liquidität habe. Ich kann Unternehmen nicht fortführen, ich kann Unternehmen nicht sanieren, wenn ein Insolvenzantrag gestellt wird und auf dem Konto es Ebb, ja, und genauso wenig wie ich mir zutraue, im Familienrecht oder im Verkehrsrecht substanziell gut zu beraten, behaupte ich, dass das bei einigen anderen eben auch so ist.
Iskender Dirik: würden würden viele sich einen Gefallen tun oder ähm mehr Insolvenzen gerettet werden, wenn die Gründer deutlich früher Insolvenzanträge gestellt hätten.
Torsten Martini: Das ist mit Sicherheit so. das hat sich ein bisschen gebessert, also ich mache das jetzt ja auch schon über 20 Jahre, die Berührungsschwierigkeiten sind vielleicht nicht mehr ganz so ausgeprägt wie vor 20 Jahren, das ist sicherlich auch eine Generationsfrage, weil im angloamerikanischen Raum ist ja eine ganz andere Herangehensweise an solche Situationen gibt. Ähm, aber es ist nach wie vor so, dass ich oft hier sitze und sage, wäre ich mal vier Wochen vorher gekommen, dann wäre eben nicht Ever auf dem Konto gewesen. Ganz klar.
Iskender Dirik: Wann genau muss man denn als Gründer Insolvenz anmelden und ab welchem Tag macht man sich strafbar, wenn man es nicht tut?
Torsten Martini: Wann man muss, ich würde dazu gerne noch danach etwas sagen, wann man sollte. Also man muss einen Insolvenzantrag stellen, wenn die Zahlungsunfähigkeit eingetreten ist oder die Überschuldung oder beides. Und dann gibt es gesetzliche Fristen und die werden immer missverstanden. Also man muss einen Insolvenzantrag stellen, ähm bei Eintritt der Zahlungsunfähigkeit spätestens aber nach drei Wochen bzw. bei Eintritt der Überschuldung spätestens aber sechs Wochen. Diese drei oder sechs Wochen sind aber kein Zeitraum, den ich jetzt habe, um abwarten zu können. Also, wenn ich als Gründer sehe, mein Unternehmen ist zahlungsunfähig, die nächste Finanzierungsrunde steht nicht an, ich weiß nicht mehr, wie ich nächste Woche meine Rechnungen bezahlen soll, ich habe auch nichts in der Pipeline an neuen Geldern, dann muss ich den Insolvenzantrag unverzüglich stellen. Das ist halt so ein Juristenwort. Die Jurist definiert das mit ohne schuldhaftes Zögern, das ist was anderes als sofort, aber es ist eben auch nicht in zwei Wochen. Sondern ich habe im Prinzip nur noch Zeit, die Formulare auszufüllen, mir einen Anwalt zu suchen, der mir dabei hilft, diese Formulare auszufüllen, was auch nicht besonders sexy ist. Viele denken halt, dass sie dann eben noch drei Wochen Zeit haben, aber diese drei oder sechs Wochen, meint der Gesetzgeber, die hat man nur, um die einmal eingetretene Insolvenzreife wieder zu beseitigen. Ja, wenn ich der Überzeugung bin oder eine überwiegende Wahrscheinlichkeit sehe, dass ich in den nächsten drei Wochen oder sechs Wochen diesen Insolvenzgrund wieder beseitigen kann, dann darf ich warten. Wenn ich aber weiß, ich kann ihn sowieso nicht beseitigen, weil es ist keine neue Finanzierung in Sicht, dann muss ich eben unverzüglich tätig werden. Sonst mache ich mich strafbar.
Iskender Dirik: Was ist denn, wenn da, wenn die Finanzierungsrunde im Gange ist, man merkt schon oder man weiß es anhand der Fakten, das waren jetzt mehrere Monate, die nicht gefruchtet haben und jetzt sind da noch so ein, zwei in der Pipeline. Das Gefühl sagt, puh, das ehrliche Gefühl sagt, äh das wird schwer, aber natürlich ist da ganz viel Hoffnung. Wie geht denn das Recht mit dieser Hoffnung um?
Torsten Martini: Ja, die Hoffnung ist der Tod des Kaufmanns, sagt man so schön. Und das Problem ist, dass die Insolvenzgründe nach meinem Dafürhalten basieren eben nicht auf der Prämisse eines eines Startups, ja. Das ist das große Problem, sondern die Insolvenzgründe basieren eben aus historischen Gründen auf einem Unternehmen, was bereits Geld verdient, klassische Industrie, ja, schwäbischer Maschinenbauer, der ein Problem hat und der eben nicht so was hat wie Finanzierungsrunden. und basiert eben auf einer Durchfinanzierung, was ich ja bei einem klassischen Startup in der Wachstumsphase nicht habe. Die Hoffnung hilft mir nicht, ja? Also das ist ähm ich berate selten, weil ich überwiegend Verwaltung mache und quäle mich immer sehr, wenn ich in einer solchen Situation sitze und mich ein Gründer fragt, wie konkret muss denn jetzt meine Hoffnung sein, dass es möglicherweise hier doch noch zu einer Finanzierungsrunde kommt und ich muss ihm sagen, na du musst davon überzeugt sein. Es muss mindestens überwiegend wahrscheinlich sein und die Hoffnung reicht nicht. Äh es reicht auch nicht die Möglichkeit. Ich habe auch die Möglichkeit im Lotto zu gewinnen. Das interessiert nicht. Also, ich muss verschriftlichen, dass ich davon ausgehe, in diesen drei oder sechs Wochen das benötigte Geld zu bekommen, um die Insolvenzreife wieder zu beseitigen, und zwar dauerhaft und wenn ich davon nicht überzeugt bin, bin ich eben verpflichtet, einen Antrag zu stellen.
Iskender Dirik: Um es mal konkreter zu machen, in Sales Pipeline spricht man von der Realisierungswahrscheinlichkeit und hinterlegt dann immer eine Wahrscheinlichkeit
Torsten Martini: 50 Prozent plus
Iskender Dirik: Genau das wollte ich gerade sagen. Genau. 50 % plus müsste man intern hinterlegen, mit gutem Gewissen.
Torsten Martini: und das ähm sollte man eben auch nicht nur im Kopf haben und sich mündlich mit seinen Mitgründern oder seinen Liegeleuten oder den Finanzlern austauschen, sondern man sollte das auch, das rate ich immer, hinterlegen, warum man glaubt, dass es eine 50 % Plus Wahrscheinlichkeit gibt, dass man das Problem noch äh beseitigt bekommt. Ja, also verschriftlichen, weil das Problem der Insolvenzen ist immer, dass es eine Prognoseentscheidung, aber wenn es dann daneben gegangen ist und es kommt zur Insolvenz, dann kommt der Insolvenzverwalter und in strafrechtlicher Hinsicht der Staatsanwalt, der schaut in die Vergangenheit, der weiß ja, dass es daneben gegangen ist. und er hat deswegen immer das Problem, dass er sagen kann, ja, ihr seht doch, es ist daneben gegangen. Warum seid ihr noch davon ausgegangen, dass ihr das schafft und da werden ihm mündliche Angaben nicht reichen.
Iskender Dirik: Heißt das konkret, ich mache ein Google Doc oder ein Word Doc auf und schreib einmal zusammen für mich, warum ich davon ausgehe, dass es 50 % plus sind
Torsten Martini: genau das. Und damit mir nachher keiner vorwirft, dass ich dieses Google-Dokument in einer Nacht-und-Nebel-Aktion designed habe, sage ich immer ganz plump, schickt euch doch, schreibt das Google-Dokument und meldet euch das hin und her. Man, da wird's heute andere technische Möglichkeiten geben oder tauscht euch bei Teams aus, warum ihr der Meinung seid, ihr könnt damit rechnen, so dass, wenn vielleicht ein Jahr später der Staatsanwalt kommt, dass ihr guten Gewissens sagen könnt, nein, wir haben diese Planung, die haben wir nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gefaked, auf gut Deutsch gesagt, sondern die gab es damals schon.
Iskender Dirik: Da können jetzt, glaube ich, auch meine Investorenkollegen mithören, weil das sind ja Themen, wo die Investoren auch mithelfen können, oder? So, hey, schick mir mal dieses oder mach das mal, schick mir das mal. Oder vielleicht auch umgekehrt, oft wird ja über Brückenfinanzierung gesprochen, um genau solche Situationen zu vermeiden, wo aber bis kurz vor Ende alle noch hoffen, dass die, dass die Runde was wird und am Ende wird dann vielleicht doch nichts aus der internen, aus der internen Runde, weil sich dann doch einer zurückzieht. Also auch da dann anscheinend ein guter Rat, das vorher zu verschriftlichen. und wenn es nur eine E-Mail von einem Investor ist, ne, der sagt, hey, ich stehe, äh ich ich würde nach Stand heute habe ich, muss jetzt nicht verbindlich sein, weil anscheinend gibt es ja dann einen Grund in dem Szenario, was ich gerade vor Augen habe, warum es noch keine verbindliche Zusage gibt, weil man vielleicht erstmal abwarten möchte, aber zumindest eine Willensbekundung gibt, die für den Gründer als Basis dienen kann zu sagen, okay, da gibt es eine Bereitschaft, die ich mir jetzt nicht ausgedacht habe.
Torsten Martini: Also, wenn der Insolvenzgrund einmal eingetreten ist, das heißt, ich habe eine eingetretene Zahlungsunfähigkeit, dann darf ich tatsächlich nur noch abwarten, wenn ich der Überzeugung bin, dass das Geld kommt. Da reicht eine Willenserklärung nicht, da würde eine E-Mail reichen eines Investors. Ich weiß, ihr braucht jetzt eine Million innerhalb von drei Wochen, ihr bekommt die von mir. So und wenn das jemand ist, wo ein Außenstehender auch sagen kann, der ist dafür finanziell gut. Ja, das muss ich ja auch in die Waagschale werfen. Ähm, dann würde das ausreichen. Vorher, solange die Insolvenzreife noch nicht eingetreten ist, habe ich diese 50-prozentige Wahrscheinlichkeit. Klar, das kann sich zerschlagen, aber ich muss in dem Moment eben davon ausgehen, dass ich äh dass es wahrscheinlicher ist, dass das Geld kommt, als dass es nicht kommt und wenn es im Ergebnis dann nicht kommt, dann habe ich halt dann den Handlungsdruck.
Iskender Dirik: Wenn wir schon bei dem Thema sind, haben Sie viele Fälle gesehen, wo Sie gesagt haben oder gedacht haben, sorry, ähm, da hat's jetzt der Investor verkackt.
Torsten Martini: Ich weiß nicht, ob es der Investor verkackt hat. Der Investor wird meistens ja einen Grund dafür haben, dass er sich nicht zu einer Zusage durchgerungen hat, ja, also Schuldzuweisungen bringen auch aus meiner Erfahrung im Insolvenzverfahren überhaupt nichts. Muss irgendwie die die
Iskender Dirik: Ja, um eine neue Runde geht und Bestandsinvestoren eine neue Runde blocken, weil sie auf bestimmten Dingen, auf bestimmte Dinge bestehen, die dann dazu führen, dass eine Runde platzt.
Torsten Martini: Ja, ich habe schon, habe schon Fälle erlebt, wo ich, wo mehrere Finanzierungsrunden ganz locker durchgingen und dann plötzlich Anforderungen gestellt worden sind durch Investoren, die faktisch überhaupt nicht erfüllbar waren, wo ich dann denke, warum kommen die jetzt mit diesen Anforderungen ums Eck, ja, mit mit der Gefahr, dass es scheitert. Ich habe natürlich auch schon erlebt, dass sehr viel Geld investiert worden ist und eigentlich nicht nachvollziehbar war, dass dann plötzlich bei der jetzt anstehenden Runde ein Investor Nein sagt, obwohl die Zahlen vorher schlechter waren und es erkennbar nicht an seiner mangelnden Liquidität liegt. Klar, so was sehen wir natürlich auch.
Iskender Dirik: Jetzt ist eine der größten Ängste von Gründern zu scheitern. Wahrscheinlich gibt es nur vielleicht nur eine Angst, die noch größer ist, wenn es um das eigene Business geht und das ist mit dem eigenen Privatvermögen haften zu müssen. Vor allen Dingen, wenn ein bisschen was da ist. Wann haftet ein Gründer plötzlich mit oder vielleicht nicht so plötzlich mit Privatverschulden verbunden?
Torsten Martini: Na ja, er haftet, wenn der Insolvenzantrag verspätet gestellt worden ist. Das ist ja erstmal die strafrechtliche Komponente und dann in der Situation der eingetretenen Insolvenzreife, also jetzt sehr vereinfacht, es ist eine sehr komplexe Vorschrift, noch Zahlungen geleistet worden sind. Diese Zahlungen, die nach Eintritt der Insolvenzreife noch geleistet werden dürfen, die sind gesetzlich sehr beschränkt in einer sehr komplexen Vorschrift. Also viele denken immer, sie dürfen nach Eintritt der Insolvenzreife noch alles bezahlen. was zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes notwendig ist. Ja, so nach dem Motto, ich darf ja noch Personal bezahlen, ich darf noch die Serverkosten bezahlen und Amazon Web Services, aber das stimmt nicht. Die gesetzliche Herangehensweise ist, ich darf noch das bezahlen, was im Ergebnis einen Vorteil für die Gläubiger Gesamtheit hat und ich kann jeden nur warnen, wenn wir uns in diesen Graubereich, das ist schon unterschrieben, wenn wir uns in diesem Bereich der eingetretenen Insolvenzreife befinden und Da muss man umswitchen zu einer Art Notgeschäftsführung, wo ich nur dringend dazu raten kann, sprecht das mit eurem Berater ab, was ihr hier wirklich noch bezahlen dürft, ohne in die persönliche Haftung zu kommen. Denn eins kann ich sagen, wenn sie eine oder wenn man in einer Situation einer eingetretenen Insolvenzreife drei, vier Monate Ohne Rücksicht auf das, was man nach 15 B der Insolvenzordnung, da steht das drin, noch darf Zahlungen leisten, wird das sehr, sehr schnell für die Gründer existenzgefährdend.
Iskender Dirik: Wie oft passiert das? Kannst du mir ein Gefühl vermitteln?
Torsten Martini: für jetzt keine für jetzt keine Statistik dazu, wie viele Insolvenzverschleppungsfälle es gibt, aber ähm ich glaube, wenn ich sagen würde, jeder zweite dritte Fall schon ist in der Verschleppung, ist das wahrscheinlich nicht übertrieben und ähm ich habe auch natürlich schon ganz viele Fälle gesehen, wo das Haftungsvolumen der Vorstände oder Geschäftsführer eine Größenordnung erreicht hat, wo völlig klar war, das kann keiner leisten. Ja, das ist ja auch nicht so, das ist jetzt meine Wahrnehmung, aber noch nie begründet. Es ist ja nicht so, dass die Gründer sich ab Tag eins übertriebene Gehälter bezahlen, aus denen sie Rücklagen bilden können, sondern das sind ja ganz häufig junge idealistische Menschen, die einen Großteil ihrer Arbeits- und Lebenszeit in dieses Startup stecken, sich ein bisschen Geld entnehmen, aber sagen, wenn wir irgendwann Geld verdienen, dann muss sich das mal für uns lohnen, aber im Moment tut's das noch nicht. Und dann kommt ein Insolvenzverwalter und sagt, du hast hier ein halbes Jahr verschleppt, ich hätte jetzt mal gerne eine halbe Million von dir. Der Fall ist nicht selten.
Iskender Dirik: Was sind weitere teurere Fehler, die die Gründer machen? Teilweise auch lange bevor sie zu dir kommen. Also zu spät anmelden haben wir schon mal mitgenommen.
Torsten Martini: Der zweite Hauptfehler ist, sich nicht rechtzeitig um eine sogenannte D&O-Versicherung zu kümmern, also um eine Managementversicherung, die Fehler der Geschäftsführung abpuffert und die sich ausdrücklich auch auf eine Insolvenzverschleppung beziehen muss. Es gibt auch Versicherungen, die das ausklammern. Das ist kein Discount, ja, wie eine Haftpflichtversicherung. Es kostet richtig Geld, also man muss sich dann anschauen, ob diese Versicherung mich tatsächlich auch abschirmt gegen die Schäden, die ein Insolvenzverwalter geltend macht. Die meisten tun es, aber eben nicht alle. Der dritte wesentliche Fehler ist, dass Gesetz verlangt seit Anfang 21, vorher verlangte es die Rechtsprechung in Paragraph 1 des StARUGs, also das Gesetz, was wir seit einigen Jahren in Deutschland haben und in jedem Land der EU, weil es eine EU-Richtlinie ist, das Gesetz verlangt von jedem Geschäftsführer und Vorstand, dass er jederzeit Risiken identifiziert, die den Bestand seines Unternehmens gefährden können und dagegen lenkt und das bedeutet, dass es eine Planung geben muss und ich bin immer wieder geschockt. dass es auch größere Unternehmen gibt, also jetzt kein Großunternehmen, aber durchaus Unternehmen mit ein paar dutzenden oder hunderten von Mitarbeitern, die bestenfalls eine Liquiditätsplanung haben. Aber das hilft nicht, ich muss auch die Ergebnisse kennen. Das heißt, ich muss eine Liquiditätsplanung haben, abgeleitet aus einer Gewinn- und Verlustrechnung, weil das Gesetz von mir verlangt, dass ich so was habe. Und wenn ich so was nicht habe, dann habe ich auch keine Möglichkeit, mich nachher zu exkulpieren und zu sagen, wir haben mit anderen Zahlen gerechnet. Ja, das ist ja der Insolvenzverwalter kommt, der Staatsanwalt kommt und sagt, sag mir mal, warum, warum seid ihr nicht davon ausgegangen, dass das passiert, was passiert? Und wenn ich dann eine Planung präsentieren kann, die plausibel ist, habe ich schon eine ganz andere Ausgangsbasis, als wenn ich sagen muss, ich habe so eine Planung nicht. Und man denkt immer so, was gibt es nicht, aber es gibt es sehr oft oder es gibt eine Planung, es gibt eine Liquiditätsplanung, die von völlig falschen Prämissen ausgeht. der große Fehler ist eben, die die Augen vor der Wahrheit zu verschließen. Ja, die Zahlen werden nicht dadurch besser, dass ich mir von meinem Finanzler die Planung nicht geben lasse. Ja, das Haftungsrisiko wird nur höher und der Aufpreis wird härter, wenn ich nachher dann doch eben beim Insolvenzverwalter lande.
Iskender Dirik: Liebe Zuhörer, wir bewegen uns jetzt noch sehr in der Theorie, ganz bewusst, aber keine Sorge, wir kommen gleich zu ein paar spannenden Fällen. Aber an der Theorie, die Theorie ist soweit, glaube ich, schon mal sehr, sehr hilfreich für für unsere Zuhörer. Dazu habe ich aber auch noch ein, zwei weitere Fragen. ähm das Thema Insolvenzgeld, was es eben ganz kurz angerissen, für die, die es noch nie damit in Berührung gekommen sind, was heißt Insolvenzgeld?
Torsten Martini: eine der der wesentlichen Faktoren für Insolvenzverfahren in Deutschland. Ich will mal einen Satz vor die vor die Klammer ziehen. Man liest ganz oft in Pressemitteilungen über Insolvenzverfahren oder in kurzen Berichterstattungen, nicht in der Fachpresse, also nicht in der Wirtschaftswoche oder im Handelsblatt, sondern in der allgemeinen Tagespresse. Also es gibt hier ein Insolvenzverfahren und der vorläufige Insolvenzverwalter hat erklärt, die Leute müssen sich keine Sorgen um die Gehälter machen. Und ein Außenstehender, der sich nie mit Insolvenzverfahren beschäftigt hat, sagt toll, wie der vorläufige Insolvenzverwalter das macht." Aber der der Fachmann sagt, das ist überhaupt nicht toll, weil es relativ leicht ist. Es gibt in Deutschland das Insolvenzgeld. Das bedeutet, dass die Bundesagentur für Arbeit bis zu drei Monate lang die rückständigen Gehälter der Angestellten, nicht der Freelancer, der Angestellten zahlt, bis zur Beitragsbegrenzungsgrenze der Sozialversicherung, also 8000, ich weiß jetzt nicht, wo wir genau liegen, 8000 Euro, glaube ich circa, bis zu drei Monate spätestens bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Das Geld ist sicher, das heißt, ich habe optimalerweise, wenn der Antrag rechtzeitig gestellt wird, eben drei Monate keine Personalkosten. Vielleicht habe ich sogenannte Übersteiger, also Leute, die mehr verdienen als dieses Geld, dann würde man die bezahlen müssen, weil natürlich die qualifizierten Leute sonst sagen, wir suchen uns einen anderen Arbeitgeber. Aber sie haben im Wesentlichen drei Monate lang keine Personalkosten. Das ist das, was bei Galeria auch jüngst wieder diskutiert worden ist. Das ist ein Institut, was andere Rechtsordnungen nicht haben. Es gibt in Österreich so was Ähnliches, ist aber nicht ganz das Gleiche. Und das ist vor allem, das ist keine Leistung des Steuerzahlers oder der Allgemeinheit, sondern das ist etwas, wofür der Arbeitgeber im Wege der Insolvenzgeldumlage bezahlt hat. deswegen, wenn es immer wenn es große Insolvenzen gegeben hat, dann steigt auch irgendwann die Insolvenzgeldumlage. So und wenn man sich mal vorstellt, dass man drei Monate keine Personalkosten hat in einem Unternehmen, was eben personalintensiv ist, dann ist das schon mal ein wesentlicher Baustein einer erfolgreichen Sanierung, weil das eben die Liquidität erheblich entlastet.
Iskender Dirik: Eine Frage bekomme ich von Gründern konstant: Welchen Anwalt für VC und M&A? Meine Antwort seit über zehn Jahren: Peter Möllmann, PXR. Erfahrungen, High-Stakes-Transaktionen, Steuer-Know-how, echte Tech-DNA – kaum jemand vereint das so. Was Michael Schrezenmaier über ihn sagt:
„Der Peter ist der rundeste, im Sinne von nicht körperlich, sondern der war bei McKinsey, der ist Steuerberater und der ist Anwalt. Der kann alles. Und ich persönlich mag ihn. Es gibt eine Menge andere Superanwälte, aber zumindest aus vielen Angel-Zeiten und sonst was und auch sehr kollegial, mal auch per WhatsApp kurz mal wieder geholfen, ohne … Also das ist schon sehr gut.“ – „Kann ich bestätigen. Ja, du kennst ihn ja auch gut, oder?“ – „Ja, der ist einfach sehr gut. Der ist schon rund. Also da kommt immer zurück: Das würde ich so machen. Okay, dann weißt du eigentlich, dann musst du das so machen.“
Iskender Dirik: Wenn ihr ein Intro zu Peter wollt, meldet euch bei mir. Wir kommen gleich noch mal zu den Besonderheiten von Startups. Eine ist ja, dass Mitarbeiter vielleicht noch mal ein bisschen mehr wert sind sogar als in anderen Unternehmen. Überall viel Wert, aber so ein Startup, gerade wenn es jung ist, der Wert besteht vor allen Dingen aus den Mitarbeitern, das möchte ich damit sagen. Jetzt ist die Gefahr ja groß, gerade wenn es sehr gute sind, dass die sobald sie mitbekommen, wie es um das Unternehmen steht und das Wort Insolvenz hören, dass die den Abflug machen. Das ist die eine Perspektive, die eine Dimension. Die andere ist Kunden. Großes Problem für Startups. So, jetzt bist du in der Misere, jetzt musst du rauskommen, jetzt bist du umso mehr eigentlich als als jemals auf deine Mitarbeiter und Kunden angewiesen. Ähm, jetzt haben wir aber dieses Signaling einer Insolvenz. Ganz lösen kann man es ganz sicher nicht, aber hast du vielleicht praktikable Tipps, wie wie man diese Probleme angehen kann als Gründer?
Torsten Martini: Kunden unterscheiden sich ein bisschen von Mitarbeitern. Also, ich fange mal mit mit den Mitarbeitern an. Das A und O einer erfolgreichen Sanierung im Insolvenzverfahren ist sowohl von Gründerseite als auch von Seiten des vorläufigen Insolvenzverwalters die Transparenz. Sie können nie versprechen, dass etwas funktioniert. Ich verspreche aber immer, ich erkläre, was ich hier tue. Ich erkläre, was passiert. Ich versuche zu erklären, in welche Richtung das geht und ich halte euch auf dem Laufenden und ich sage euch rechtzeitig und ehrlich Bescheid, wenn ich denke, euer Arbeitsplatz ist möglicherweise gefährdet und ihr müsst euch was Neues suchen. Und diese Transparenz müssen auch die Gründer an den Tag legen. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn ich auf einer Betriebsversammlung erscheine, der Worst Case ist, die Leute wissen nichts. Es wird eingeladen zu einer Betriebsversammlung per Zoom oder Teams. äh, ich stehe da im Verteiler drin, die Leute googeln mich und merken irgendwie, ich mache kein Markenrecht. Sondern ähm es ist wichtig, dass die Gründer, ich sag mal ein paar Stunden vor der Betriebsversammlung oder einen Tag vor der Betriebsversammlung offen transportieren und transparent transportieren, dass es ein wirtschaftliches Problem gibt und dass man einen Insolvenzantrag stellen musste und das Laienverständlich nicht in Juristen-Deutsch erklären, dass es keine Notwendigkeit gibt, sich arbeitslos zu melden, da gibt es keine Verpflichtungen, dass ein Großteil aller Insolvenzverfahren, nicht alle, aber mit Sanierungen endet, dass man Town Hall Meetings rechtzeitig macht, in denen man erklärt, in welche Richtung geht das und genauso muss auch der Insolvenzverwalter agieren. Deswegen, wir haben ja immer nur wenige Minuten und die wenige Minuten, wenn ich die Leute das erste Mal sehe, entscheiden darüber, wie das Verfahren wird, ja. also das haben wir ja schon oft genug gemacht, man steht da vorne und sie sehen ja den Gesichtsausdruck der Leute und äh da hat man nicht viel Zeit, um Vertrauen zu gewinnen und bei den Leuten den Eindruck zu zerstreuen, äh dass wir äh quasi jetzt will ich nicht laufend die armen Urologen hier bemühen, dass wir hier Onkologen oder Urologen sind, sondern äh wir müssen äh transportieren, welche Möglichkeiten es im deutschen Insolvenzverfahren gibt und vor allem, weil wir die Leute davon abhalten müssen zu googlen. Das ist wie mit den Krankheiten, sie landen halt typischerweise auf den falschen Seiten. und letzter Satz dazu, in den Köpfen der Leute verankern sich ja normalerweise die nicht erfolgreichen Insolvenzverfahren. Ja. Und nicht die erfolgreichen, die ja manchmal geräuschlos passieren, weil es Eigenverwaltungen sind, die eine Zeit lang überhaupt nicht öffentlich werden oder weil es Restrukturierungsverfahren sind, die überhaupt niemals öffentlich werden. Und man liest aber über die Galerias dieser Welt und nicht die erfolgreichen Verfahren, die möglicherweise nachher zu einem Ergebnis geführt haben, wo die, wo alle die gesamte Belegschaft dabei geblieben ist und wo die Zahlen besser werden, weil die Probleme gelöst worden sind. Die Kunden muss man mitnehmen. Dann die Kunden, da muss man unterscheiden zwischen Kunden der öffentlichen Hand und privaten Kunden. Es hängt ein bisschen davon ab, ob der Kunde wirklich auf die Leistung angewiesen ist. Ja, es gibt, meine Erfahrung ist, man muss mit offenem Visier den Kunden sagen, in welcher Situation man ist. Wenn der Kunde nicht informiert wird, gibt es ja keine Verpflichtung ihn zu informieren, muss nur weiter die Leistung erbringen. Wenn der Kunde dann aber insolvent bekannt machen und die DE liest und sieht, da gibt es eine vorläufige Insolvenz, dann ist das Vertrauen zerstört. Deswegen proaktive Kommunikation den Kunden gegenüber, den Zeitplan erklären. Dann und dann soll das Verfahren eröffnet werden. Unser Ziel ist ein Insolvenzplan. Wir haben vernünftigen Berater, wir haben vernünftigen Sachwalter oder Insolvenzverwalter. Niemand spricht hier über eine Liquidation oder dass abgeschlossen wird und wir erbringen die Leistung, macht euch keine Sorgen. Meine Erfahrung ist sehr, sehr selten, dass Kunden dann wirklich sagen, wir bleiben nicht mehr dabei. Selbst wenn die öffentliche Hand der Kunde ist, hat sich das in meiner Wahrnehmung sehr verbessert in den letzten Jahren. Wenn Sie ein gutes Produkt oder eine gute Dienstleistung haben und transparent kommunizieren, in welcher Situation Sie sind, würde ich sagen, die meisten Kunden unterstützen das.
Iskender Dirik: Das ist schön zu hören. So, wie komme ich denn jetzt raus aus der Misere? Was eben von Sanierungsformen gesprochen, ohne dass wir jetzt zu sehr in die Theorie abdriften, aber vielleicht mal so, dass man so sieht, zwei, drei Wege, die, wenn sie funktionieren, dann in der Regel funktionieren.
Torsten Martini: Also erstmal muss man sich, ähm, wenn der Antrag rechtzeitig gestellt wird, dann hat man eben die Wahl zwischen Eigenverwaltung und Regelverwaltung. Regelverwaltung ist das klassische Insolvenzverwalter, wie die Leute sich das so vorstellen. Ja, ähm so ein Alpha-Männchen, der da einfällt und den Leuten erklärt, wo es langgeht. Wenn das Verwalter klassischer Prägung sind, also vielleicht noch älter als ich. Wenn man den Antrag rechtzeitig stellt und man hat die Möglichkeit, sollte man immer in die Eigenverwaltung gehen, dann gibt es keine Insolvenzverwalter. Das ist schon vom Namen her klingt Eigenverwaltung mit einem Sachwalter einfach schöner als Insolvenzverwalter. Die Möglichkeit gibt's seit 1999. richtig praktisch und planbar ist sie erst ein paar Jahre später geworden. Das setzt aber eben voraus, dass der Antrag nicht verschleppt worden ist. Dafür braucht man einen vernünftigen Berater und dann hat man eben keinen Insolvenzverwalter, sondern einen Sachwalter. Der Berater übernimmt dann wesentliche Aufgaben des Insolvenzverwalters und den Berater suche ich mir selber aus, zu dem habe ich da suche ich mir einen aus, zu dem ich Vertrauen habe. Und der Sachwalter passt auf, dass die Geschäftsführung zusammen mit dem Berater sich an die gesetzlichen Vorschriften hält. Das ist schon mal das erste. Das zweite ist, dass man ergebnisoffen die verschiedenen Alternativen gegenüberstellt. Es gibt Fälle, wo eine übertragende Sanierung, also ein Asset Deal, einfacher und schneller ist und das gleiche Ergebnis erzielt wie ein Insolvenzplan, aber man sollte einen Berater oder Insolvenzverwalter haben, der sich eben auch mit Insolvenzplänen auskennt. ich behaupte mal, die meisten Berufskollegen können das mittlerweile. Ähm vielleicht nicht alle, weil einige sagen, habe ich nie gemacht, ich mache auch weiter übertragen Sanierung, aber es gibt eben Fälle, wo ohne ähm einen Insolvenzplan man nicht sanieren kann, weil man Vermögenswerte hat, die man eben einfach nicht übertragen kann. Kann ich vielleicht nachher noch was zu sagen. Und dann ist das A und O der erfolgreichen Sanierung die Zusammenarbeit mit Berater und Insolvenzverwalter und Sachwalter auf auf Augenhöhe. Man darf das eben, wir arbeiten nicht gegeneinander. Klar, ich muss eine professionelle Distanz wahren als Sachwalter oder Insolvenzverwalter, aber nirgendwo im Gesetz steht, dass ich nicht Dinge erläutern darf. Ja, ich bin ja darauf angewiesen, dass die Geschäftsleiter vor Ort tatsächlich mit Begeisterung und realistisch ihrer Arbeit nachgehen. Ja, das ist immer einer meiner ersten Sätze in der Betriebsversammlung. Wenn ihr jetzt hier geschockt seid, dass wir hier waren, wenn ihr morgen nicht mehr zur Arbeit kommt, ohne die Leute kriegen sie keine Sanierung hin. Das ist halt leider so.
Iskender Dirik: Jetzt ist das Gründerleben an sich ja schon unfassbar belastend mental. So eine Insolvenz, aus meiner Sicht eine Feuertaufe. Also mehr geht ja nicht an Belastung für einen Gründer. Was kannst du da aus deiner Erfahrung Gründern mitgeben, um mental stabil zu bleiben? Ich denke mir, dass ein Teil deines Jobs auch freiwillig oder unfreiwillig ist, ein bisschen Therapeut und oder Psychologe zu spielen.
Torsten Martini: Ja, ich würde mal sagen 70 Prozent, ne? Jura ist... Jura ist... Jura und BWL sind am wenigsten. Also, was ich leider häufig bemerke und was ich für schade und für einen Fehler halte: Die meisten Gründer, mit denen ich zu tun habe, das sind ja sowieso schon Duracell-Häschen, die 24/7 sich in ihren Unternehmen einbringen. Und dann kommt die Insolvenz und der Insolvenzverwalter beliefert plötzlich noch andere Sachen an. Und das kommt noch oben drauf. Und ich erlebe das ganz oft, dass Leute sowieso schon wirklich körperlich, also physisch und psychisch fertig bei mir sitzen. Ich sie darum bitte, mir das Business zu erklären, aber in Wirklichkeit machen die dann Pitch, muss dann immer intervenieren, sagen, ich gebe ja kein neues Geld, sondern ich will mein Bestes tun, euer Unternehmen zu sanieren. Und ich würde vielen Gründern gerne immer sagen, nehmt euch die Freiräume. Ja, auch am Anfang. Wenn mir ein Gründer sagt, Herr Martin, wir können 24/7 telefonieren, aber am Freitagabend um 18 Uhr gehe ich irgendwie zum Yoga, dann sage ich, das ist okay. Ja, weil wir haben hier zwei, drei Monate zusätzliche Belastung, wo ich arbeite als Insolvenzverwalter nicht alleine. Ich habe ein Team an Leuten um mich, die verschiedenste Aufgaben haben. Von allen Seiten kommen wir und wollen Dinge, wo du möglicherweise gar nicht weißt, was du willst, Es ist okay, wenn du mal übers Wochenende wegfährst und nicht die ganze Zeit erreichbar bist, weil niemand hat was davon, wenn ich so mitten in so nem Verfahren einen Gründer habe und das habe ich leider schon erlebt, der mir gesagt hat, ich kann einfach nicht mehr.
Iskender Dirik: Okay, bevor wir jetzt zu ein paar konkreten Fällen kommen, gibt es noch eine Zuschauer-, eine Publikumsfrage. Die kommt nämlich von Erik Sigmund. Das ist einer der beiden Co-Founder von TLDS Studios, der Podcastproduktionsagentur, die mich mit dem Jeemacher auch unterstützt. Und Erik fragt: Hast du als Insolvenzverwalter nicht einen eingebauten Zielkonflikt? Zeit gegen Erlös. Je länger du auf den besten Preis wartest, desto teurer wird das Verfahren.
Torsten Martini: Also die die Sanierung hat man ja optimalerweise schon in trockenen Tüchern im Zeitpunkt der Öffnung des Insolvenzverfahrens, weil dann habe ich ja wieder volle Personalkosten. Ansonsten kann man das nicht, das kann man nicht pauschal sagen. Also, was viele immer denken, dass wir in Insolvenzverfahren Vermögen verschleudern, das ist Quatsch. Also die meisten Insolvenzverwalter in den meisten Insolvenzverfahren versucht man ja das Unternehmen an den Markt zu bringen mit einem professionellen M&A-Dienstleister, der auf Distressed M&A spezialisiert ist. Klar, ich finde nicht für ein größeres Unternehmen in der Woche einen Käufer, aber wenn der Antrag rechtzeitig gestellt worden ist, dann habe ich ja sechs oder acht Wochen. Das reicht, um tatsächlich optimalerweise weltweit nach einem Käufer zu suchen. Also den Zielkonflikt sehe ich nicht. Man muss sich in jedem Einzelfall immer anschauen, kann ich es mir leisten weiterzusuchen. Nur wenn Sie einen professionellen M&A Berater haben, dann hat er nach ein paar Wochen die in Betracht kommenden ernsthaften Interessenten, die es auch finanziell leisten können, identifiziert. Ich kann nie ausschließen, dass möglicherweise jetzt noch drei Monate später einer gekommen wäre, wenn ich mir Zeit gelassen hätte. Ja, aber ich muss ja in der Zwischenzeit auch weiter das Unternehmen betreiben und jeder Monat beim Startup, das noch kein Geld verdient, kostet Geld, aber nee, das Problem sehe ich nicht wirklich.
Iskender Dirik: Passiert es signifikant oft, dass ein Unternehmen verkauft wird nach einer Insolvenz und dann für die Gründer noch ernsthaft was übrig bleibt?
Torsten Martini: Ja, es gibt die Fälle, wo die Gründer teilweise in anderer Zusammensetzung, die sind nicht selten, weitermachen. Ja, es gibt ja häufig eine Zusammensetzung eines eines Cap Tables, die eben nicht mehr dem entspricht, was die Gründer sich vorgeschlagen haben. Das sind einige, die sind nicht mehr Investitionswillig. Andere können vielleicht nicht mehr investieren, weil ihre finanziellen Möglichkeiten erschöpft sind und dann ist so eine Insolvenz eine schöne Möglichkeit, um weiterzumachen mit denjenigen, die es noch wollen und noch können. Klingt immer so illegal, wenn die bisher Agierenden weiter an Bord sind, ist es überhaupt nicht illegal. Illegal wäre es, wenn ich als Insolvenzverwalter nicht darauf Wert legen würde, dass auch ein anderer zum Zug kommen kann. Wenn aber jeder andere abwägt, weil das eigentliche Asset ist das Brain im Unternehmen und steckt hier oben bei den Gründern und nicht in irgendwelcher Hardware. Und jeder andere sagt, ohne die Gründer kann ich das nicht machen, ist uninteressant und die Gründer machen dann weiter, vielleicht mit einer anderen Zusammensetzung an Shareholdern. Das sind ja auch die Fälle, wo man als Außenstehender dann häufig, also Gründerszene merkt, aber wo man als Außenstehender häufig gar nicht merkt, dass jetzt plötzlich ein anderer Rechtsträger dahinter ist und eine Insolvenz dazwischen gekommen ist.
Iskender Dirik: Das ist eine wunderbare Brücke zu, was ist denn eigentlich fundamental anders bei einem bei einer Tech Insolvenz oder bei einer Startup Insolvenz? Du hast beide schon einen Faktor genannt, da ist ganz viel Wert in den Köpfen.
Torsten Martini: Da ist viel Wert in den Köpfen und da ist möglicherweise ein kaum zu berechnender Wert in einer Entwicklung, in einem Source Code, in einem Geschäftsmodell, was noch kein Geld verdient. Ja, da ist, sagt mir der Gründer, wir haben so und so viel Geld in die Entwicklung einer Software gesteckt, die noch nicht fertig ist oder die vielleicht fertig ist, aber wir verdienen noch kein Geld damit. Eine typische Tech Insolvenz hat eben nicht wie ein klassischer Maschinenbauer, der irgendwelche Maschinen rumstehen, wo ich einen Bewährter hinschicke, der mir nachher sagt, das ist ein paar hunderttausend Euro wert. sondern ich habe eine Software, von der niemand weiß, was sie was sie wert ist. Klar, die kann ich bewerten lassen. Es gibt Unternehmen, die darauf spezialisiert sind, so was zu bewerten. Meine Erfahrungen damit sind schlecht, weil der Wert der Software oder der Wert des Geschäftsmodells hängt eben davon ab, ob ich damit irgendwann Geld verdienen kann und wenn ja, wie viel. Und da bringt mir ein Gutachten nichts, in dem drin steht, die Software ist zwischen null und einer Million wert. Das bewerte ich nicht. Na, also den wahren Wert bekommt man nur raus, indem man damit an den Markt geht und sagt, liebe Mitbewerber, liebe Finanzinvestoren, Privatinvestoren, das ist das, was wir anzubieten haben. Bietet ihr dafür? Und wenn am Ende des Tages keiner dafür bietet, weil jeder sagt, ohne die Gründer geht's nicht, denn was die im Kopf haben, brauchen wir, dann läuft's eben auf die Fälle hinaus, wo die Gründer mit ihrem Unternehmen weitermachen.
Iskender Dirik: du hattest auch viele Crowdfinanzierte Startups, die du betreut hast. Ein paar Namen zu nennen: Panono, Frontrow Society, Retourbo. Was ist anders, wenn du nicht nur mit zwei VCs am Tisch sitzt, sondern hunderten von Kleininvestoren als Gläubiger?
Torsten Martini: Wenn es klingt unschön und führt auch immer wieder zu Frustration, gerade wenn das Investoren aus dem Ausland sind, die Gesellschafter sind zunächst einmal nicht als solche nicht beteiligte eines solchen Insolvenzverfahrens. Ein Insolvenzverfahren dient, auch wenn wir gerne sanieren und das meistens eine höhere Quote bringt als zu liquidieren, aber ein Insolvenzverfahren ist am Ende des Tages ein Verfahren im Sinne der Gläubiger. Das heißt, die Gesellschafter kann ich eigentlich komplett außen vor lassen. Ich mache das nicht, sondern ich spreche mit Gesellschaftern, weil man die ja möglicherweise auch in Zukunft noch braucht, um um neu zu investieren. Ich kann mit drei, vier Ankeraktionären oder Anker Gesellschaftern sprechen, aber ich kann natürlich bei einer Crowdfinanzierung nicht mit jedem Crowdfinanzierer sprechen, ja, sondern denen muss ich sagen, also euer Startup ist pleite gegangen und die 1000 €, die ihr investiert habt, sind nach menschlichem Ermessen weg. Man sollte vorsichtig damit sein zu schreiben, ihr habt ja keine Rechte. Ich erinnere mich noch ziemlich gut an Panono, das ist ein paar Jahre her, deswegen weiß ich nicht mehr, wie wir das da mit der Kommunikation gemacht haben. Normalerweise sagt man den Gründern, ihr müsst das kommunizieren gegenüber der Crowd, was hier passiert ist. Mit denen kann man aber ja schon aus logistischen Gründen nicht sprechen. Mit allen anderen könnte ich theoretisch sagen, ich spreche mit euch im Moment nicht, weil es ein Gläubigerbefriedigungsverfahren ist, halte ich für einen Fehler. Man spricht mit denen alleine, um zu vermeiden, dass man Chancen übersieht, weil die sagen, wir sind noch mal Investitionsbereit.
Iskender Dirik: Native instruments ein, ich glaube Weltmarktführer, einer der führenden Anbieter für für Audioproduktionssoftware Hardware, ähm steckt in in vielleicht Millionen von Produktion da draußen. PE, PE-geführtes Unternehmen und ist trotzdem oder gerade deshalb, ich weiß es nicht, in der Insolvenz gelandet. Was kann ein Gründer aus so einem Fall über über Schulden und auch weitgehend über Insolvenz lernen?
Torsten Martini: Also, ich muss mich bei Native Instruments ein bisschen zurückhalten, weil der Fall ist ja noch relativ neu, das oder die Verfahren sind ja mehrere Gesellschaften sind, ähm, ja, ist vor kurzem eröffnet worden. Es ist ja auch erst gerade konnte man ja lesen, gerade verkauft worden und ich bilde mir nicht ein, äh so schlau zu sein, schon nach wenigen Wochen zu wissen, welche Fehler ähm gemacht worden sind, aber es ist eben ein Unterschied, wer in ein Unternehmen investiert, ja, ob eben jemand aus der Branche investiert, der auch die Leidenschaft hat tatsächlich für das Produkt und die Dienstleistung ein reiner Finanzinvestor ist, der am Ende des Tages auf die Zahlen guckt. Ich will nicht unbedingt sagen, dass das schlecht ist, ja, aber der muss natürlich auch das Business verstehen und hoffentlich werden seine finanziellen Erwartungen dann nicht enttäuscht, weil das sind dann häufig die Fälle, wo die sich zurückziehen und es kommt dann zur Insolvenz. Also man hört mir an, dass ich mich bei Native Instruments etwas zurückhalte, weil ich noch nicht, glaube ich, den abschließenden Überblick darüber habe, was man hätte anders machen können, was auch im Moment auch keine Rolle spielt, ja, weil der Verkauf hat funktioniert und die Verantwortlichkeiten und die Fehler wird man irgendwann noch aufarbeiten können.
Iskender Dirik: Stealth Robotics ist ein Begriff in der in der Startup Szene. Du hast Stealth mit einem Mitarbeitern an Indus verkauft. Was war da der Hebel, was würdest du sagen, war da so der eine Hebel, der die Rettung möglich gemacht hat?
Torsten Martini: ähm, an den Fall erinnere ich mich gut, ein sehr sympathisches, sehr engagiertes und vor allem sehr strukturiertes Team. Ist ja nicht immer so, als hätten wir nur mit Leuten zu tun, die strukturiert und mit Fachkenntnis an die Sachen herangehen. Das war ein, ich will es jetzt nicht übertreiben für den Fall, dass es mal einer der Beteiligten hört, aber es war sehr angenehmes Zusammenarbeiten und das ist auch das A und O, dass die Leute die Chancen und Risiken realistisch darstellen, weil nur dann kann ein Insolvenzverwalter helfen. Ja, deswegen sage ich bitte kein Pitch, sondern ehrlich sagen, was das Problem ist und ehrlich sagen, wo die Chancen des Produktes sind und dann haben wir auch eine ehrliche Chance das zu verkaufen, weil wir müssen ja im Insolvenzverfahren das Problem lösen. Und wenn ich das Problem nicht erfahre oder das wird unter den Tisch gekehrt, dann verkaufe ich möglicherweise das Problem mit
Iskender Dirik: Bernd das Brot ist ein Fall, bei dem du gesagt hast, das war das erste Mal, wenn ich dich, wenn ich dich richtig, wenn ich mich richtig erinnere, das war das erste Mal in deiner Karriere, dass ein Manager mal die Wahrheit gesagt hat bzw. ein Fehler eingestanden hat. Magst du uns kurz Kontext dazu geben, was war der Fall?
Torsten Martini: Ja, es gibt, den erzähle ich gerne, die behaupte schon, die meisten sagen die Wahrheit, aber wo jemand aus seinem Herzen keine Mördergruppe gemacht hat. Also, die die typische Situation ist natürlich, dass die Geschäftsführer zu einem kommen mit Berührungsängsten. Ja, muss direkt mal vorwegschicken, es ist mit den meisten versteht man sich nachher gut, ja, tatsächlich auf einer professionellen Ebene, aber es gibt jetzt niemanden, vor dem ich Angst haben müsste, wenn ich nachts über über den Kudamm laufe, sondern, aber dieses Vertrauen muss ja erst entstehen und deswegen kann ich nicht erwarten, dass am Anfang jemand sofort mit den Fakten rausrückt. Jetzt ist ein Geschäftsführer dazu verpflichtet, dem Sachverständigen und vorläufigen Insolvenzverwalter alles das zu sagen, was er wissen muss, um den Fall zu bearbeiten, aber die meisten sind verständlicherweise zurückhaltend. Und während das Brot war folgender Fall: Es ging in Insolvenz eine eine Gesellschaft, Dienstleistungsgesellschaft, die für Fernsehsender im konkreten Fall konkret halt den MDR, der den Kinderkanal betrieb oder betreibt, ich weiß es gar nicht mehr, ob es den linear noch gibt, also damals war es lineares Fernsehen Produktionsleistungen erbracht hat neben tausend anderen auch. Es war ein Berliner Unternehmen. Und dieser Geschäftsführer war anwaltlich vertreten, die Gesellschaft, der saß vor mir und dann habe ich, äh, muss immer aufpassen, man spult das natürlich immer wieder runter, gesagt, Sie müssen mir alles sagen, was es für das Verfahren von Belang ist. Sie müssen sich auch, müssen mir auch Sachen sagen, die sich möglicherweise strafbar machen und ähm, aber immer wenn ich das sage, weiß ich, dass, äh, sagt macht trotzdem keiner, ja? Und erkläre trotzdem, also wenn Sie hier Dinge mir sagen, wegen derer Sie strafbar machen, ich bin nicht die Staatsanwaltschaft, ich möchte nur den Fall verstehen, ja? Also, ich möchte wissen, wo sie das Geld verbuddelt haben und dass sie sich dann wegen Untreue strafbar gemacht haben, ist Sache der Staatsanwaltschaft. Trotzdem sind die meisten zurückhaltend. und dieser Geschäftsführer war nicht zurückhaltend, sondern aus dem Brach ist raus, weil ein sehr emotionales Gespräch. Und es stellte sich dann heraus, dass diese Gesellschaft vom MDR unter anderem für diese Sendung Bernd das Brot über Jahre eben beauftragt worden ist von einem Mitarbeiter, der dann nachher auch ins Kreuz der Justiz geraten ist. Ich würde den Fall auch nicht erzählen, weil man nicht so viel darüber finden würde über den Kika Skandal. Und es stellte sich dann heraus, dass über einen längeren Zeitraum das einfach ein Fall war, wo diese Aufträge nur gekommen sind, weil die jetzt pleite gehende Gesellschaft Bargelder im großen Umfang in DVD-Höhlen nach Erfurt gesandt hat und das war die Gegenleistung dafür, dass man eben weiter mit diesen Leistungen beauftragt worden ist. Und der Geschäftsführer konnte das irgendwann einfach nicht mehr und in der letzten DVD-Höhle lag dann eben kein Bargeld mehr bei, sondern ein Zettel, dass er das nicht mehr kann. Der war nervlich total am Ende und hat mir auch gesagt, ich weiß, dass ich wahrscheinlich privat pleite gehen werde, ich weiß, dass ich mich strafbar gemacht habe, aber ich schaffe das nervlich nicht mehr. Der saß dann mit seinem Anwalt, der das Gespräch auch gar nicht unterbunden hat, Normalerweise, wenn Anwälte daneben sitzen, in diesem ersten Gespräch unterbinden die das immer. Hat er es hat gar nicht gemacht und man merkte, wie wirklich dem ein Gebirge vom Herzen fiel, dass er das jetzt endlich mal jemandem erzählen konnte. Ja, das wenn ich es richtig in Erinnerung habe, beendete das auch tatsächlich mit seiner Privatinsolvenz. Nachher es endete dann ich ähm, dass sich herausgestellt hat, was da Jahre passiert ist. Aber das war dann ein Geschäftsführer, dem mit dem ich in der Folge, hatte man nach wie vor meine absolute Hochachtung, mit dem ich in der Folge sehr gut und auf Augenhöhe zurechtkam. Es ist mir nur vorher nie passiert und nachher nie passiert. Also, dass die Leute mir ihr Herz ausschütten in dieser Art und Weise, habe ich seitdem auch nicht mehr gehabt.
Iskender Dirik: Warum ist das so? Angst erklären, ja?
Torsten Martini: Ja, Angst, sich strafbar zu machen, Angst, Fehler einzuräumen, ist sehr sehr deutsche Herangehensweise. Ja, ganz anders als bei US-Amerikanern. Angst im Prinzip zugeben zu müssen, dass das Unternehmen oder das Geschäftskonzept, wo man lange Zeit und Geld investiert hat, möglicherweise doch nicht so toll ist, wie man sich das überlegt hat. Das ist einfach schwierig, sich selber einzugestehen, dass man möglicherweise ein ein Geschäftskonzept verfolgt hat, was nie funktioniert hat und möglicherweise auch nie funktionieren kann. Ist die Angst, das Scheitern zuzugeben, die Angst vor der strafrechtlichen Verantwortlichkeit, vor der zivilrechtlichen Verantwortlichkeit. Aber ich glaube, als maßgeblichen Faktor wirklich die Angst einzugestehen, ich bin hier gescheitert. Das ist leider deutsch, ja? Das erlebt man eben in Amerika wäre das ein Fresh Start. Bei uns wird sowas eben nach wie vor stigmatisiert. bedauerlicherweise Wobei es ja häufig so ist, wenn die Leute dann das erste Mal mit dem Insolvenzverwalter gesprochen haben, ähm dann merken sie ja, oh, erstaunlicherweise ist das ja auch ein Mensch, der so gar nicht dem entspricht, was ich an schlimmsten Vorstellungen hatte.
Iskender Dirik: Panono, eine per Crowdfunding finanzierte Kamera, die man in die Luft werfen sollte und die dann irgendwie oben am höchsten Punkt eine 360-Grad-Aufnahme machen sollte, ging 2017 insolvent. Was lief da schief?
Torsten Martini: Ich würde korrigieren, man sollte die Kamera nicht in die Luft werfen, man sollte es möglichst nicht tun, denn die Kamera durfte nicht auf den Boden fallen, sonst wäre sie kaputt gegangen. Also das ging da schief. Also es wird eine Kamera entwickelt, das war anfänglich, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, wirklich ein B2C-Geschäft, also eine Kamera in einem sehr auffälligen Grün, die am höchsten Punkt eben Panoramaaufnahmen macht, hochauflösend mit einer riesigen Datenmenge und die war aber technisch so konstruiert, dass wäre sie auf den Boden gefallen, sie mit einiger Sicherheit kaputt gegangen wäre. Das war ein befremdliches erstes Gespräch mit den Gründern, das ist denen offensichtlich nicht gelungen. jemanden zu finden, der das so baut, dass das eben nicht passiert. Und die Kamera war einfach viel zu teuer. Das war natürlich längst, ich meine, das ist zehn Jahre her. Da hatte noch nicht jeder für ein paar Euro sich eine Drohne kaufen können oder ein GoPro oder ein GoPro Zwilling. Und äh ich weiß den genauen Preis nicht mehr, ich glaube 1500 € oder so was hat das den kosten sollen. Also nichts, ähm was jemand mal im Mediamarkt einfach kauft. und dieses Produkt war auch wertlos in dem Moment, wo ich eben nur die reine Hardware in Händen halte, weil die Fotos, die da gemacht worden sind, eben datenbasiert über einen Server dann tatsächlich in Bilder umgewandelt werden müssen. Zu teures Produkt, Nischenprodukt und ernsthaft, wenn ich eine Kamera habe, die anderthalbtausend Euro kostet und ich werfe die in die Luft, damit sie am höchsten Punkt ein Bild macht, ich würde sie nicht werfen. Und in dem Moment, wo ich da so ein Selfiestick dran mache, hat sich das natürlich ehrlich gesagt wieder pervertiert.
Iskender Dirik: Also da war die Insolvenz eigentlich schon bei der Gründung.
Torsten Martini: Nicht bei der Grundidee, sondern ich glaube, die nicht Umsetzbarkeit des des angestrebten, ne, wie bei diesem amerikanischen Startup, äh der Blutmessung, mir ist gerade der Name entfallen. Ähm das waren sicherlich Hero und gute Ideen, aber wenn sich irgendwann herausstellt, dass das nicht umsetzbar ist, dann muss man halt auch irgendwann sagen, so cut, das ist nicht das, was wir uns versprochen haben. Wir machen jetzt einen Break und machen was Neues. Ja, aber das funktionierte eben nicht.
Iskender Dirik: Lass uns kurz über Hard Candy sprechen. Eine Fitnesskette der Brüder Jopp benannt nach einem Madonna Album. Die Gläubigerversammlung ist äh ja fast schon legendär, die Gläubigerversammlung in Berlin. Warum nehmen wir uns mal mit? Was was war da los und wie kam es dazu?
Torsten Martini: Also ich fange vielleicht mal mit der Gläubigerversammlung an, weil es das Herausragendste war. Die Gläubigerversammlung fand statt im Berliner Zoo-Palast, also ein großes, auch den Nicht-Berlinern teilweise bekanntes großes, sehr traditionsreiches Premierenkino in Charlottenburg. Gläubigerversammlungen finden normalerweise in kleinen deutschen Gerichtssälen statt und äh die Berliner Kapazität, also je nachdem 20 bis 40 Plätze. Ähm, diese Insolvenz hatte aber Tausende von Gläubigern und dann hat das Gericht die Aufgabe eben eine Veranstaltungstätte zu suchen, wo alle Gläubiger reinpassen und ich habe das zusammen mit dem Gericht gesucht. Das sollte hier in der Nähe meines Büros sein, es sollte in der Nähe des Amtsgerichts Charlottenburg sein und weil wir alle in Charlottenburg sitzen, kamen wir im Ergebnis auf den Zoo-Palast, der erstaunlicherweise nicht nur die baulichen Gegebenheiten hatten, die wir brauchten, das muss ja auch baupolizeilich alles in Ordnung sein, sondern es war auch preislich eben sehr gut, weil es zu einer Zeit war, keine Filme liefen und das war meine erste und bis dato auch letzte Gläubigerversammlung in einem Kino. Es wird auch meine letzte bleiben. Ich erzähle gleich den Fall, den ich eines gelernt habe. Es hat manchmal einen Sinn, dass man auf den typischen Stühlen eines deutschen Gerichtssaals nicht wirklich auf Dauer gut sitzt. Dann enden nämlich solche Veranstaltungen, wenn aber Leute in einem so bekannten Kino mit, äh, ich kenne das ja privat auch, hochwertigen Sitzen, wo man mehrere Stunden gemütlich sitzen kann, sitzt. Haben Sie Popcorn? Nein, und ich kann auch die Frage, konnte ich nicht mehr hören, bin hundertmal gefragt worden, hattet ihr vorne Cola? Ich bekennender Cola Junkie bin, hattet ihr Popcorn? Nein, wir hatten nicht. Ich glaube, wir hatten vorne Flasche Wasser, aber die Leute saßen einfach zu gut und deswegen dauerte diese... Veranstaltung zu lange und wir hatten den Saal nur für ein paar Stunden gemietet und nach uns lief irgendwann in der Nachmittagsvorstellung Findo Dori und meine große Horrorvorstellung war, dass ich überziehe und solange es Fragen gibt, ich kann die Leute nicht rausschmeißen, solange es Fragen gibt, muss ich die beantworten. Und ich wollte nicht am nächsten Tag in der BZ stehen als derjenige, der den Kindern diesen Film verleidet hat, indem ich nicht rechtzeitig fertig geworden bin. Soll ich erzählen, worum es bei dem Unternehmen geht? Ganz kurz. Große Fitnessstudio-Kette, verschiedene Konzepte, Frauenstudios, andere Studios. Ein Studio namens Heart Candy zur Eröffnung war bei einem Club Madonna da. Viele Leute haben gedacht, Madonna ist da beteiligt, war ein Lizenzgeschäft. Das hat alles nicht funktioniert. Die haben sich übernommen und in einer Situation einer ausgeprägten Insolvenzreife kam es zum Insolvenzverfahren. Wir hatten fast überhaupt keine Liquidität. Ich konnte nicht sanieren. Die haben kurz vor knapp Lifetime Mitgliedschaften verkauft. Das ist sehr beliebt. Also ich kann nur jedem raten, wenn Ihnen eine lebenslange Mitgliedschaft verkauft wird, wenn es zur Insolvenz kommt, ist das Geld weg, aber mit Trainieren ist nichts. Es gab nichts zu sanieren. Es gibt die Studios teilweise noch von anderen Betreibern, aber wir mussten relativ schnell merken, ähm, dass die Kosten uns davon galoppieren und weit unterhalb der Mitgliedsbeiträge sind, die da reinkommen und deswegen kam es da eben tatsächlich dann zur Abwicklung von Job-Querstrich Hartkendi.
Iskender Dirik: FC Victoria. Heute ein echter Begriff in der Berliner Start-up-Szene. Ein Verein, der sehr viele Investoren und Investorinnen aus der Berliner Tech-Szene hat und damit auch eine große Fanbasis inzwischen. Du hast dem Verein geholfen, die Insolvenz zu überstehen. Magst du dazu kurz was erzählen, wie das wie das geglückt ist?
Torsten Martini: Ja, ich hab's übrigens gar nicht mehr verfolgt, also ich weiß, dass Victoria irgendwann abgestiegen ist, also die die Herrenabteilung bist du aber jetzt ehrlich gesagt gar nicht mehr in welcher Liga, also ähm Victoria spielte damals in einer Liga, wo man einen Gönner brauchte. Also man braucht jemand, der eben investiert, weil in der dritten Liga, in der Regionalliga nicht wirklich Geld verdient wird, sondern da braucht man einen Sponsor und es gab jahrelang einen und dann ist ein neuer aufgetan worden aus China, aber der hat das Geld nicht geliefert, was zugesagt war, dann kam es zur Insolvenz. Natürlich war das ein emotionales Thema, ehemaliger Vorstand von FC Victoria war tatsächlich auch ein Berufskollege von mir, also selbst ein Insolvenzverwalter. Man kann Sportvereinen nur durch Insolvenzpläne sanieren, weil das Wesentliche, was der Sportverein hat, ist eben das Recht in einer bestimmten Liga zu spielen, spricht die Lizenz und die Lizenz kann man nicht übertragen. Wir haben dann den Profibereich ausgegliedert, das war immer, ich weiß nicht, ob es immer noch so ist, einer der größten Berliner Breitensportvereine. Es gab eben den Breitensportbereich, es gibt den Bereich der Frauen, es gibt den Bereich der Herren und wir haben dann eben den Herrenbereich ausgegliedert in eine GmbH. Dafür haben wir einen Investor gesucht und an dieser GmbH war der Verein beteiligt und eben dieser Investor mit dem Ziel, Victoria eben in eine Liga zu bringen, wo man Geld verdienen kann. Ja, das war weniger das Interesse des Vereins als solchen, der Pleite ging, sondern das Interesse des Investors. Das ist bisher nicht wirklich geglückt, aber damals war es erfolgreich, war auch ein schöner Fall. Haben wir auch ein paar Spiele angeguckt, bin danach nicht mehr hingegangen, weil die zwei, drei Male, wo ich da war, haben sie immer verloren. war besser, ich blieb zu Hause. damals ein schöner Fall, die Sanierung gelang, waren sportlich erfolgreich. Wenn es jetzt da noch mal zu einer Insolvenz kommen würde, dieser Fußball GmbH, würde das den breiten Sportbereich des sonstigen Vereins unberührt lassen und die Vereinsmitglieder waren glücklich, die Spieler waren zufrieden. Also ein schöner Fall und natürlich ein emotionales Thema. Es ist ja auch immer schön eben solche Branchen zu haben, die ganz was anderes sind.
Iskender Dirik: Einer noch, bevor wir zu meinem emotionalen Thema kommen, um dieses Gebäude hier herum. Schorsch Schorsch Marke Magis. Nee, wie spricht man das aus?
Torsten Martini: chorisch mag
Iskender Dirik: auch, Zungenbrecher für mich zumindest. Ist ein Spezialist für Schleusen und Wasserbau. Hatte soweit ich weiß fast nur öffentliche Auftraggeber und jahrelange Großprojekte. Trotzdem wurde es zu einer Erfolgsgeschichte. Wie? Also trotzdem, weil man denken könnte, dass das für eine Insolvenz vielleicht eher schwierig ist. So ein öffentlicher Auftraggeber Projekte Wie rettet man eine Firma, die so von Behörden abhängt?
Torsten Martini: Ja, also vor allem, wie wie rettet man eine Firma, die so von Behörden abhängt, abhängt und so langdauernde Projekte hat. Ja, also ein Insolvenzverfahren zu bearbeiten, wo ich irgendwie Burger herstelle und am Abend morgens kaufe ich die Sachen beim Anker, kriege ich das Geld, ist unproblematisch. Aber auch wenn man sich nie mit Schleusen beschäftigt hat, hört man dem ja schon an, dass es nichts ist, was man in zwei Wochen fertig gebaut oder fertig saniert hat. Ähm das fing mit einer Eigenverwaltung an, kippte danach in Regelverfahren, ich wurde Insolvenzverwalter, das ändert unter dem Strich nichts, weil man auch in einem normalen Insolvenzverfahren sanieren kann. Aber das war eben ein Unternehmen, was einen exzellenten Ruf hatte. Die hatten sich nur vergaloppiert aus Gründen, die hier nicht zusammen tun, die die haben ihr Handwerk verstanden, die gibt jetzt auch nicht Unternehmen an jeder Ecke, die sowas machen. Die waren, saßen in Brandenburg mit einem sehr schlechten Handyempfang, aber die waren eben bei den Auftraggebern bekannt als diejenigen, die das können. Und wenn die öffentliche Hand eben die Notwendigkeit hat, dass so was zu Ende gebaut wird und sie haben nicht nebenan jemanden, der das an deren Stelle machen kann, dann sind die eben auch zu Zugeständnissen bereit. Ja, es ist eben schwierig für einen Insolvenzverwalter eine Arbeit zu machen, wo erst am Ende des Tages irgendwann mal gebaut wird, weil man eben die Arbeit vorfinanzieren muss. Und dann haben wir jemanden gesucht und auch gefunden, bin ich nach wie vor sehr dankbar, der gesagt hat, ich bringe mich jetzt schon ein in der Hoffnung, dass ich das Unternehmen irgendwann übernehmen kann. Das ist dann auch erfolgt. Ich bringe mich jetzt schon ein, ich finanziere euch das vor, weil ich kann und darf das Geld, selbst wenn ich es könnte, dürfte ich es nicht, ja nicht von zu Hause mitbringen, um es vorzufinanzieren. Ich finanziere euch das vor und wenn nachher das Geld kommt, dann bekomme ich daraus das Geld zurück und übernehme die Anteile an diesem Unternehmen. was heute, ich habe jetzt seit ein paar Monaten nichts mehr gehört, aber ich stand immer noch in gutem Kontakt mit dem Eigentümer, was wie Phönix aus der Asche herausgekommen ist und sehr professionell weit bessere Umsätze als zuvor erzielt hat. Habe ich mich sehr gefreut, weil es ist eben zu bauen, ja, schon den Weg mit dem Zauberer, mit dem Elbtower verstanden, zu bauen ist für einen Insolvenzverwalter normalerweise sehr unsexy, weil es sehr haftungsprechtig ist und weil man über sehr lange Zeiträume nachdenken muss, bevor der eingesetzte Euro sich erstmal amortisiert.
Iskender Dirik: Dann hast du jetzt die Brücke gebaut, Torsten. Wir müssen über einen der prominentesten Insolvenzfälle der letzten Jahre sprechen, Signa, René Benko. Yeah. Der Elbtower, du hast es eben gesagt. Ich halte dich hier kurz in die Kamera für diejenigen, die nicht kennen, warum ist das Thema für mich emotional. Ich komme aus dem ursprünglich aus dem Hamburger Süden, meine Mutter wohnt in Wilhelmsburg und immer wenn ich zu ihr fahre, muss ich an diesem Ding vorbei. Zuletzt irgendwie vor zwei Wochen oder so, dann saßen meine kleinen Kinder hinten drin und die haben gesagt: Papa, wie geht's denn da eigentlich weiter? Und ich wusste die Antwort nicht, Torsten, wie geht's denn da weiter? Müsste ich mir das jetzt noch sehr lange anschauen? Das übel?
Torsten Martini: Auf den Apple... Also, ich fahre das Signa-Verfahren, ich weiß jetzt gar nicht, ob es drei oder vier oder die Signa-Verfahren ist, ja, eine Vielzahl von verschiedenen Gesellschaften mit Benko selber gar nichts zu tun, das ist jetzt in Österreich, ich habe hier nur die Projektgesellschaften. Von Anfang an sind wir in dem Fall, wo auch in Abstimmung mit dem Insolvenzgericht viele meiner Kollegen dankenswerterweise engagiert sind, weil das natürlich ansonsten eine Mammutaufgabe ist, mit einer Aussage gut gefahren. Wir reden nicht drüber, weil das ist egal, was ich sage. Ähm, man kann es nur missverstehen, ja? Und deswegen werde ich auch über den Elbtower nicht sprechen. Es ist ja auch schon genügend berichtet worden, ich bin ziemlich sicher, den Satz vielleicht nur, wir werden nicht auf Dauer an einer Ruine vorbeifahren. Es ist schon ein paar Mal berichtet worden über den Fall, aber ein Commitment von mir wird man nicht lesen und das möchte ich auch heute ehrlich gesagt nicht sprachlich ändern. Ähm, aber dass ich da was tut, wenigstens in der Hamburger Presse ja ab und zu drüber berichtet.
Iskender Dirik: Okay, Torsten, ich gebe das mal meinen Kindern weiter, mal gucken, ob die, Antwort sie befriedigen wird, wenn ich muss ich es mal wieder ausbaden. Ein Konzern mit über tausend Gesellschaften ohne gemeinsame Bilanz, mit einem von Benko selbst geführten Beirat statt einem Aufsichtsrat. Als du das Konstrukt das erste Mal von innen gesehen hast, was hast du gedacht? Genial gebaut oder bewusst undurchschaubar gemacht?
Torsten Martini: Als ich das Konstrukt das erste Mal gesehen habe, habe ich mir überlegt, ob ich das Organigramm eigentlich ausgedruckt bekomme oder wie ich dieses PDF mir an meinem Monitor anzeigen lasse, dass ich halbwegs irgendwas finde. Nein, ich habe das gar nicht gewertet, weil man sollte sich mit Wertungen zurückhalten. Ich werte das auch heute nicht. Das ist einfach die vorgefundene Situation, das wird eine Rolle spielen für diejenigen, die außerhalb von Deutschland sich mit dieser Struktur beschäftigen, ja? Für mich hätte das eine Rolle gespielt, um jetzt bei Herrn Benko persönlich zu bleiben, für mich hätte das eine Rolle gespielt, wenn es irgendwann um Verantwortlichkeit und Haftung geht. das ist mir abgenommen worden, weil er nun bekanntermaßen Selbstpleite ist. Ich habe einfach gedacht, ja, das ist eine komplexe Struktur und wir müssen uns anschauen, wie sich Sanierungen oder Verkäufe einzelner Objektgesellschaften auswirken, weil das ja immer steuerliche und finanzielle Auswirkungen hat auf darüber hängende Mutter- und Großmuttergesellschaften oder möglicherweise auf andere Konzernangehörige Gesellschaften. Ich maße mir nicht an zu sagen, ob das eine besonders geschickte Konstruktion ist, die war sicherlich nicht dumm. da waren Leute mit beschäftigt, die sich da sicherlich Dinge bei überlegt haben, aber ich habe auch keine Veranda, dass es über meine Lippen geht, dass es bewusst undurchsichtig konstruiert worden ist. Ich habe ja auch nur einzelne, es gibt eben nicht die Signa Insolvenz für mich, es gibt einzelne Gesellschaften, die typischerweise ein, maximal zwei oder drei Objekte haben. Für sich gesehen sind das alles eigentlich einzelne kleine Fälle. Ja, sie summieren sich nur eben auf viele verschiedene kleine Fälle einer einheitlichen Gruppe.
Iskender Dirik: Hilft euch AI da eigentlich schon in diesen komplexen Konstrukten?
Torsten Martini: Noch nicht, der Fall ist ein paar Jahre zu alt, aber äh jetzt glaube ich, würde es helfen und die Fälle werden ja auch noch eine Weile dauern. Also ich wir nutzen das jetzt auch schon dankenswerterweise, weil wir auch eine LegalTech Abteilung für so was haben. Manchmal denke ich mir, ja, so vor drei, vier Jahren hätte ich die AI, die ich jetzt nutze oder diese Software auch gerne schon mal gehabt. Das wird uns wird die wird, wenn du mich fragst, wird ein Game Changer sein für die Insolvenzverwaltung, wo es sehr viele standardisierte Prozesse gibt und Datenmengen, die zu durchforsten und abzuarbeiten sind, auf jeden Fall.
Iskender Dirik: Habe noch mal eine eine Publikumsfrage wieder vom selben Kollegen Erik Sigmann, der fragt nämlich oder sagt, die Zeichen bei René Benko standen lange und von außen erkennbar auf Pleite, trotzdem zog niemand die Reißleine, weder Banken noch Profiinvestoren noch private Geldgeber. Woran liegt das? Sankost, ein kollektives "Nimm du, ich hab ihn sicher" oder etwas ganz anderes?
Torsten Martini: Das weiß ich nicht, muss ich sagen, keine Ahnung. Es wird sicherlich einige geben, die davon überzeugt waren, dass das weiter funktioniert. das wird ja so auch, aber ich kann ja nur das sagen, was was ich selber lese. Es gibt viele, die sagen, der hat ein einnehmendes Wesen, das hat er gut gemacht. empathischer Typ, der der vereinnahmt war. Werden einige geglaubt haben, dass es gut geht, andere werden vielleicht möglicherweise berechnet haben, dass es teurer ist, die Reißleine zu ziehen als abzuwarten. Banken stellen generell ungern Insolvenzanträge, muss man dazu sagen. Nicht ganz selten bis nie, vielleicht ein, zweimal. Die warten, dass es andere tun oder dass es möglichst nicht passiert. Ähm, ich kann nur noch mal sagen, es spielt für meine Verfahren, für die Bearbeitung keine Rolle. Ich nehme den Fall so wie er ist und betreibe keine Motivforschung, warum es nicht früher dazu gekommen ist.
Iskender Dirik: Vermögenswerte in der in der Insolvenzmasse erzielen ja fast nie ihren Bilanzwert. Woran woran liegt das? Liegt es daran, dass vorher zu hoch bewertet wurde oder daran, dass jeder weiß, dass der Insolvenzverwalter jetzt am Start ist und den Preis drückt.
Torsten Martini: weil Bilanzwerte keine wahren Werte sind und der Insolvenzverwalter ähm drückt keinen Preis. Ich muss zur Vermeidung meiner eigenen Haftung die wahren Werte erzielen. Ja, deswegen verkaufe ich hier auch nicht an den erstbesten deswegen zur großen Frustration der Mitarbeiter kann ich ihm nicht äh den Laptop an Tag eins für die 100 € verkaufen, mit der eine Bewertung drin steht, sondern wir sind verpflichtet das Bestmögliche rauszuholen und das tue ich, indem ich ähm mir am Markt anschaue, was erzielbar ist. Und wie schaue ich mir das am Markt an? ich schaue mir an, welches Produkt ich zu verkaufen habe, wen ich dafür ansprechen muss. Also ich hätte bei Native Instruments niemals einen Prozess machen dürfen, der sich nur auf Deutschland beschränkt, der muss weltweit sein, weil eben die großen Player in dem Bereich, die in Betracht kommen, eben auch nicht in Deutschland sitzen. Und wenn ich so einen Prozess über ein paar Wochen durchführe, dann ist der Preis, den ich erziele, das ist der Verkehrswert. Und der Bilanzwert ist in dem Moment für mich ein theoretischer. Mich interessiert die Bilanz insoweit, als ich daraus vielleicht entnehmen kann, es gibt einen Vermögenswert oder es hat ihn mal gegeben. und ich brauche die Bilanz irgendwann für die Ursachenforschung der Insolvenz und für die Frage der Verschleppung, aber ich brauche diese Werte garantiert nicht, um mir ein Bild davon zu machen, was ich an Kaufpreisen realisieren kann.
Iskender Dirik: Ich habe tatsächlich witzigerweise vorhin bei Instagram ein Reel gesehen, ähm im Account bei dem Account HeyPanna. By the way, ähm großartiger Humor, sehr smarter Humor, ähm für die für die Tech Blase. Bei HeyPanna da ging es tatsächlich um René Benko und unter anderem darum, dass da ja nie was äh verkauft wurde. Das heißt, es sind immer diese Fantasiebewertungen im Raum gestanden, ähm aber am Ende nie was verkauft wurde. Jetzt böse Zungeleien könnten ja auch behaupten, dass das in der Startup-Welt vielleicht auch nicht ganz ganz anders ist, oder?
Torsten Martini: würde ich jetzt nicht widersprechen.
Iskender Dirik: Bisher kein böses Zungenleiden, aber okay. Letzte Frage zu dem Fall. Gibt es etwas, wo du sagen würdest, ähm da kann Gründer, der der eine zehn, zwanzig Leute Firma heute hat, was aus diesem Milliardenkollaps bei Signa lernen?
Torsten Martini: schwierig, weil ich glaube, zu zu wenig vergleichbar, ja, vielleicht Strukturen einfach halten. Das ist ja bei Startups ganz bemerkenswert. man hat ja selten Gründer, die dann Shareholder ihres Startups sind, sondern Shareholder des Startups sind ja irgendwelche Investmentvehikel, gerne die bei Juristen sehr unbeliebte UG, die dann dahinter hängt, darüber noch mal eine UG und dann kommt irgendwie der Gründer und ich frage mich immer, warum macht ihr es so kompliziert? Ich finde das irgendwie cool, dass da ihr so ein Organigramm mir erstmal geben müsst, damit ich eure Struktur verstehe. Ja, der Haftungsbeschränkungen dient das auch überhaupt nicht. Also ich verstehe so ein Investmentvehikel, wenn ich verschiedene Startups habe, an denen ich mich beteilige, ja, aber manchmal verstehe ich die Komplexität der Struktur nicht. Komplexität von Strukturen vernebelt häufig den Blick auf das Wesentliche. Ja, und das Wesentliche muss irgendwann sein, bin ich in der Lage, hier irgendwann mit diesem Startup Geld zu verdienen und was ich ein Startup nicht leisten kann, ist eine Struktur wie ein Großkonzern, wo ich an einem Rädchen im Organigramm drehe und drei Etagen nach oben und zwei Etagen nach links dreht sich dann ein anderes Rad oder ich habe ein steuerliches Problem. Sonst glaube ich, dass die Fälle einfach zu zu unterschiedlich sind.
Iskender Dirik: Einen würde ich allerdings noch hinzufügen, nämlich, man sollte ein ehrenhafter Kaufmann oder eine Kauffrau sein.
Torsten Martini: Das
Iskender Dirik: ich jetzt sagen als Norddeutscher und ähm alles dafür tun können, dass man mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen kann. Mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen, Torsten. Das bringt uns jetzt zu dir. Du hast einen persönlichen Gegenstand mitgebracht. Magst du den noch mal in die Kamera halten und erzählen, was es damit auf sich hat?
Torsten Martini: Den halte ich gerne noch mal in die Kamera, also das äh einige, die das erfahren halten, das für ein Splint, das ist ein Audi 100 C2, circa Baujahr 78, muss mir die Scheinwerfer angucken, sehe ich, ob es ein Facelift ist ganz trivial. Das erste Auto, an das ich mich erinnern kann, ist genau ein solcher, mit dem ich mit meinen Eltern in den Italienurlaub gefahren bin. damals für für ein Kind ja eine unendliche Zeit, ich sechs sieben Jahre alt gewesen, weil man denkt ja, man kommt überhaupt nicht an, es gab auch keine iPads, also das Höchste der Gefühle war irgendwie das Radio, was lief und es gab keine Klimaanlage und eigentlich war es unzumutbar in so einem Auto zu fahren, natürlich mit heute überhaupt nichts mehr zu tun. Trotzdem ist das das erste Auto, an das ich mich bewusst erinnern kann und ich finde das nach wie vor sehr formschön. Hat ein Design von Hartmut Wakus, der glaube ich noch lebt, das InDesign ist von Paolo Nestler. Herr Pierich hat in dieses Auto einen Fünfzylinder erstmals reingebaut und ich habe dann irgendwann angefangen, diese Autos tatsächlich im Original zu kaufen und nicht nur im Kleinen. Das Original konnte ich jetzt nicht mit in mein Büro bringen. Andere Kollegen meiner Branche sammeln Ferraris oder Porsches und ich sammle alte Audi Hunderts, die man für Preise bekommt, wenn sie gut erhalten sind, von achtzehn, zwölftausend Euro. Ich fahre sehr gern mit dem Auto. Man entschleunigt automatisch und jeder in meinem Alter, so ab fünfzig aufwärts, schaut immer sehr freundlich, wenn er ein solches Auto im Straßenverkehr sieht. Das ist alles.
Iskender Dirik: Toll Dankeschön, Torsten. Du wirst gerufen, wenn alles zusammenbricht. Pleiten, Betrug, gefeuerte Manager, geplatzte Lebenswerke. Was macht es mit einem Menschen, wenn er eigentlich ständig im Maschinenraum des Scheiterns steht?
Torsten Martini: Es ähm erdet einen sehr, weil man relativ schnell merkt, wie schnell es gehen kann, dass es eben wirtschaftlich nicht mehr gut geht. Es bringt einen sehr hart auf den Boden der Realität, dass man im Prinzip täglich an dem, was man tut arbeiten muss, sich immer neu erfinden muss und Dinge, die vor drei Jahren funktioniert haben, äh nicht auch noch in fünf Jahren funktionieren. Also, Geschäfts konzepte können erfolgreich gewesen sein, aber es ist eben keine Ewigkeitsgarantie. Es erfüllt einen mit großer Demut und Respekt Leuten gegenüber, die wirtschaftlich etwas wagen und wissen, dass sie die Konsequenzen tragen müssen, wenn es eben nicht funktioniert. Und letzter Satz dazu, weil immer viele denken, dass das ja schrecklich sein muss: Ich bin ja an der Situation unschuldig. Wir können immer nur versuchen, das Beste für das Unternehmen, die Gläubiger und die Mitarbeiter rauszuholen. Und das ist eben einfach, wenn das gelingt, es gelingt nicht immer, das ist einfach sehr, sehr befriedigend. Ich möchte nichts anderes machen mehr.
Iskender Dirik: Das unterscheidet dich unter anderem von deinem Bestatter.
Torsten Martini: Ja, das ist es.
Iskender Dirik: Hier gibt's noch Wiederbelebungswahrscheinlichkeiten.
Torsten Martini: Das stimmt.
Iskender Dirik: Gibt es eine Eigenschaft, die dich zu einem sehr guten Insolvenzverwalter macht, äh privat aber manchmal schwierig ist?
Torsten Martini: Ähm, ich überlege gerade, also ich kann mich glaube ich gut in Leute reinversetzen. Behaupte mal, dass ich beruflich ganz erfolgreich bin, weil ich auch ein sensibler Mensch bin, der Stimmungen auffangen kann und Befindlichkeiten erkennt. Das ist privat nicht immer. Da denke ich manchmal, ein bisschen weniger wäre besser. Also ein bisschen abgehärteter zu sein, wäre praktischer und angenehmer. Aber beruflich ist das tatsächlich, glaube ich, einer der wesentlichen Faktoren dessen, was ich mache. Man darf eben nicht abgestumpft sein, weil man kommt sonst auch an die Leute nicht ran. Man muss zwischen den Zeilen lesen können, man muss, ich muss an die Leute rankommen. Wenn man an die Leute nicht rankommt, bekommt man auch erfolgreiche Insolvenzverfahren nicht hin.
Iskender Dirik: Eine noch. Du hast eigentlich die Antwort schon geliefert für diejenigen, die sehr gut aufgepasst haben, aber für diejenigen, die vielleicht nicht so gut aufgepasst haben, gab ein Geschäftsführer einer einer Firma, die vor der Insolvenz stand, die bei dir vorstellig geworden ist und in einer Besprechung dich gefragt hat, warum du denn keine Cola trinken würdest. Was hat es damit auf sich?
Torsten Martini: Ja das wusste ich, habe ich damals auch gar nicht verstanden, weil ich bekennender damals noch Cola Light Junkie, mittlerweile Cola Zero Junkie bin und das auch schon sehr lange, wie ich meinem ABHeft irgendwann mal entnommen habe, habe ich das offensichtlich auch schon getrunken, weil ich dafür gerügt wurde. Und ich hatte Jahre vorher, hatte das aber total verdrängt, mal bin mal einen halben Tag begleitet worden von einem Spiegel Redakteur, der über den Job eines Insolvenzverwalters schreiben wollte und eben nicht so klischeemäßig die Otto Normalverbraucher sich das vorstellt. und ich habe dann offensichtlich an diesem Tag relativ viel Cola Light getrunken, wäre jetzt auch nicht untypisch, wenn es irgendwie zwei, drei Flaschen waren. Und diesen Artikel, das war mir gar nicht klar, der ist natürlich irgendwo im Spiegel Archiv noch vorhanden und dieser Geschäftsführer hatte sich über mich informiert im Vorfeld, was ich total klug finde, mal zu sehen, wem sitze ich da gegenüber und hatte sich offensichtlich dieses Cola Light Detail gemerkt. Ich nehme hier die ganze Zeit zusammen, dass ich nicht zu meinem Glas greife, ne? Also natürlich habe ich da
Iskender Dirik: Das war jetzt sehr authentisch. Also, ich kann das bestätigen. Der Artikel, der ist online und da steht auch was von vier Liter pro Tag. Ist das akkurat?
Torsten Martini: Das ist, würde ich jetzt nicht für ausgeschlossen halten.
Iskender Dirik: Gut, ich erspare mir jetzt weitere Kommentare dazu. Wir beenden mit einer kleinen Schnellfeuerrunde, Torsten. Wen würdest du für die nächste DEALMACHER-Folge nominieren?
Torsten Martini: Oh, habe ich jetzt trotzdem zehn Sekunden Zeit zu überlegen?
Iskender Dirik: Du darfst überlegen. Jeder darf hier überlegen.
Torsten Martini: Wen habe ich... wen würde ich...
Iskender Dirik: Das würde ich mir hier bei mehr Menschen wünschen. Wenn du an das Thema Deal Making denkst, sehr breit.
Torsten Martini: Deutschsprachig
Iskender Dirik: Deal making
Torsten Martini: Also, wen ich gerne mal, weiß nicht, ob das was mit Dealmaking zu tun hat, aber wen, ich gerne mal hören würde, wäre derjenige, der jetzt gerade investiert ist bei Galeria, was eigentlich seine Motivation war, es noch mal zu versuchen. und warum er glaubt, dass er das Ruder noch rumreißt. Das finde ich ganz interessant.
Iskender Dirik: Na wenn das nicht Dealmaking ist, dann weiß ich auch nicht. Okay. Wenn ein Gründer dich nachts anruft, weil es brennt, welchen Restrukturierer oder Distress M&A Kollegen würdest du ihm empfehlen?
Torsten Martini: hängt von der Größe des Unternehmens, hängt von der, hängt von der Branche ab. Ich meine, es gibt Champions League, auch in Berlin sitzen nicht alle in Frankfurt und in München. ähm will jetzt konkret keine Namen nennen, weil es gibt einfach super professionelle, sehr gute Player am Markt und es hängt tatsächlich vom konkreten Fall ab.
Iskender Dirik: Fehlt mir ein Beispiel für die Champions League?
Torsten Martini: Hangar ist Champions League. Okay. Dentons ist Champions League. Ja.
Iskender Dirik: Meine Zuhörer sind alle Champions League, deswegen frage ich nur nach der Champions League. Alles andere ist nicht relevant. Deine Philosophie als Insolvenzverwalter in einem Satz?
Torsten Martini: Keine Versprechen abgeben, transparent kommunizieren, äh das Maximum geben bis zum Schluss, dass es entweder geklappt hat oder man sagen muss, hat leider nicht geklappt.
Iskender Dirik: Der gefährlichste Satz, den ein Gründer in der Krise zu seinem Insolvenzverwalter sagen kann.
Torsten Martini: Machen Sie sich mal keine Sorgen, ich habe das im Griff.
Iskender Dirik: Letzte Frage: Gibt es eine Frage, die ich dir hätte stellen sollen, es aber nicht getan habe, weil sie zu einer interessanten Antwort geführt hätte?
Torsten Martini: Nö, ich glaube, das waren schon sehr interessante Fragen. Tatsächlich nichts, wo ich gedacht habe, das könnte ich vielleicht gefragt werden und das hat, es hätte mich jetzt nicht gefragt, nein.
Iskender Dirik: Dann ist es genau glücklich. Torsten, vielen Dank. Das war ein sehr wertvoller Beitrag. Ich bin mir sicher, das hat sehr vielen Unternehmern da draußen geholfen. Ich hoffe, ihr werdet nie in die Situation kommen, aber wenn doch, dann waren heute, glaube ich, ein paar paar sehr praktikable Hilfestellungen dabei, die euch helfen werden, diese Situation zu überstehen. Danke schön, Torsten.
Torsten Martini: Danke dir sehr.
Iskender Dirik: Wir schließen genauso mit dem High Five ab, wie wir gestartet sind. Sehr gut. Wenn dir DEALMACHER gefällt, abonnier auf Spotify, Apple Podcasts oder YouTube. Und fünf Sterne helfen dabei, dass mehr Leute den Podcast finden, die ihn brauchen. Für Tech-Deals, VC-Runden und M&A-Transaktionen sprich mit Peter Möllmann und PXR. Er ist der Anwalt, den ich seit Jahrzehnten empfehle. Intro gern über mich, einfach melden. Alles andere – Fundraising, M&A-Beratung, Executive Branding – findest du bei mir auf id.vc. Bis zur nächsten Folge.
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